Unvermittelt bricht das Sommergewitter im dritten und letzten Satz los, nachdem in den ersten beiden Sätzen die Winde und die lähmende Hitze des Sommers ausgemalt wurden. Das Violinkonzert mit dem Titel „Sommer“ aus den „Die vier Jahreszeiten“ zeigt die Gegensätze der wärmsten Jahreszeit, die offenbar auch schon in der Zeit von Antonio Vivaldi (1678–1741) bestanden. Denn in Vivaldis Sonett heißt es am Schluss: „Den müden Gliedern nimmt ihre Ruhe: / Furcht vor Blitzen und wilden Donnern / und der Fliegen und Mücken wildes Schwirren. // Ach, wie wahr sind seine Befürchtungen, / es donnert und blitzt der Himmel, und Hagel / bricht das Haupt der Ähren und des hohen Getreides“ (http://userpage.fu-berlin.de/history1/bs/vivaldi/niemann/sonette.htm). Die anderen Jahreszeiten sind in #32, #48 und #74 zu hören.
Auf der Klassikliste hören wir an der Solovioline diesmal die südkoreanische Stargeigerin Kyung-wha Chung (geb. 1948), heute zwar weniger bekannt, aber in den 70er Jahren eine der führenden Violinistinnen der Welt. Sie wird begleitet vom St. Luke’s Chamber Ensemble aus New York. Auf der Ergänzungsliste gibt es wieder das gesamte Konzert – 11 Minuten, die man kennen sollte.
Heute feiert der Katalane Jordi Savall seinen 80. Geburtstag, einer der bedeutendsten und faszinierendsten Musiker unserer Zeit. Savall ist aktiver Musiker, nämlich ein Gambist, Dirigent, Komponist, Musikwissenschaftler, Dozent, erfolgreicher CD-Produzent und anderes mehr – also ein wahrer Universalkünstler. Man braucht Jahre, um sich mit den hunderten CDs von und mit ihm zu beschäftigen. Savall hat sich auf die sog. Alte Musik spezialisiert, womit die Musik vor 1750 bezeichnet wird. Dazu hat er mehrere Spezialensembles gegründet. Aber Achtung: Alte Musik klingt nicht „verstaubt“ und „alt“, sie kann ungeheuerlich emotional, lebendig und frisch wirken. Wie immer muss man genau hinhören.
Auf der Klassikliste gibt es heute eine Rarität: ein ca. 700 Jahre alter Hymnus an die Jungfrau Maria, aber auf arabisch, mit dem Titel Ya Mariam el bekr. Der Text lautet:
Jungfrau Maria, du strahlst heller als Sonne und Mond,
heller als jeder Stern am Himmelskreis.
Mutter Jesu, meine Mutter, meine Hoffnung,
verlass mich nicht, wenn ich sündige.
Morgenstern, leuchte in unsere Herzen,
erleuchte unseren Geist, unsere Augen und Ohren.
Es singt die Syrerin Waed Bouhassoun, begleitet vom Ensemble Hespèrion XXI unter Leitung von Jordi Savall.
Wann kann man solch bewegende Musik hören?
Ludwig van Beethoven hatte einen berühmten Schüler aus dem Kaiserhaus: Erzherzog Rudolph von Österreich war der jüngste Sohn von Kaiser Leopold II. und Enkel Maria Theresias. Er war sehr gebildet, ein ausgezeichneter Pianist und nahm ab 1809 Klavier- und Kompositionsunterricht bei Beethoven. Es entstand eine Freundschaft, Rudolph unterstützte Beethoven finanziell, Beethoven widmete Rudolph einige seiner bedeutendsten Werke.
Besonders mag ich das sog. Erzherzog-Trio B-Dur op. 97 für Klavier, Violine und Violoncello – man nennt diese Besetzung Klaviertrio. Auf der Klassikliste ist daraus heute der 2. Satz, ein beschwingtes Scherzo, zu hören. Es handelt sich um ein reifes Werk mit einem „großen“ 1. Satz und einem wunderbaren langsamen Satz an der ungewöhnlichen 3. Position. Auf der Ergänzungsliste ist das gesamte Klaviertrio zu hören. Es spielt das weltberühmte Beaux Art Trio in einer Aufnahme von 1979.
Erzherzog Rudolph ist übrigens gestern vor 190 Jahren in Baden bei Wien verstorben.
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