Heute kommen wir zu einem der weltweit bekanntesten Klavierstücke überhaupt, der Bagatelle Für Elise a-Moll WoO 59. Jeder hat das prägnante Anfangsmotiv e-dis-e-dis-e-h-d-c-a irgendwann einmal gehört, und die meisten wissen, dass es von Beethoven stammt. Um dieses Stück ranken sich aber viele Geheimnisse und Rätsel, die wohl niemals aufgeklärt werden. Das Stück wurde nämlich erst 40 Jahre nach Beethovens Tod entdeckt. Ein Forscher fand es im Nachlass einer Geliebten Beethovens, Therese Malfattis, die dieser heiraten wollte. Der Forscher schrieb das Stück ab, das mit „Für Elise am 27 April zur Erinnerung von L. v. Bthvn“ überschrieben war, und veröffentlichte es 1867. Wohin das handschriftliche Notenblatt dann verschwand, weiß kein Mensch. Ebenso ist bis heute völlig ungeklärt, wer die Widmungsträgerin Elise sein könnte.
Das Stück selbst aber trat seinen Siegeszug an, täglich gespielt von Tausenden von Klavierschülern auf der ganzen Welt. Hören wir auf der Klassikliste eine Einspielung von Wilhelm Kempff. Auf der Ergänzungsliste gibt es drei witzige Bearbeitungen: für Tuba, für Harfe und so weiter…
Mehr als 200 Jahre nach Johann Hermann Schein hat ein weiterer Komponist den 42. Psalm vertont, der mit dem herrlichen Vers beginnt: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, / so schreit meine Seele, Gott, zu Dir.“ Wie Schein lebte Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–47), den wir schon in #14–16 kennengelernt haben, damals in Leipzig. Er war aber nicht Thomaskantor, sondern Kapellmeister des berühmten Gewandhausorchesters. 1837 hat er geheiratet und auf der Hochzeitsreise in den Vogesen und hier im Schwarzwald die bekannte Kantate „Wie der Hirsch schreit“ op. 42 auf den Text der Verse 2–6 aus Psalm 42 komponiert.
Aber acht Generationen nach Schein waren Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert gekommen und gegangen. Gegenüber dem Frühbarock hat sich der musikalische Stil in der Romantik völlig verändert. Bei Mendelssohn gibt es einen großen Chor und ein großes Symphonieorchester mit Hörnern, Trompeten und Posaunen, auch die musikalische Sprache und die Harmonik haben sich stark weiterentwickelt.
Wie letzte Woche hören wir auf der Klassikliste den Vers 6 aus Psalm 42, diesmal als Schlusschor aus Mendelssohns Kantate „Wie der Hirsch schreit“ op. 42. Es singt der Kammerchor Stuttgart begleitet von der Deutschen Kammerphilharmonie unter Leitung von Frieder Bernius. Auf der Ergänzungsliste findet sich die gesamte Kantate.
Wir kennen die Musik meist „nur“ bis Bach – aber was war davor? Heute vor 436 Jahren wurde Johann Hermann Schein (1586–1630) geboren, ein bedeutender Komponist des Frühbarock. Zusammen mit den befreundeten Samuel Scheidt (1587–1654) und Heinrich Schütz (1585–1672) zählt er zu den „drei großen Sch“, die ungefähr 100 Jahre vor Bach und Händel die Musik in Mitteldeutschland bestimmt und die musikalischen Grundlagen für die bekannten Meister des Spätbarock gelegt haben. Schein war der 5. Thomaskantor vor Bach, und bereits er musste als Lehrer, Kantor und Musikdirektor der Thomasschule für die Musik in der Nikolaikirche und Thomaskirche in Leipzig sorgen. Seine Tätigkeit setzte ihm gesundheitlich zu, er hatte ein Lungenleiden und starb schon mit 44 Jahren. Da hatte er selbst bereits seine Frau und sieben Kinder verloren.
Schein hat verschiedene Sammlungen von Motetten und Madrigalen veröffentlicht. In der Sammlung „Israels Brünnlein“ von 1623 mit 26 „geistlichen Madrigalen“ auf Texte des Alten Testaments strebt Schein eine Verbindung der deutsch-niederländischen Motettentradition und der italienischen Madrigalkunst an.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste daraus die Nr. 24, das Madrigal „Was betrübst du dich, meine Seele?“ Grundlage ist Psalm 42, Vers 6: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.“ Es singt Cantus Cölln unter Leitung des Lautenisten Konrad Junghänel. Der sensationelle Bass stammt von Stephan Schreckenberger, den ich auch schon „live“ gehört habe.
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