Heute fand um 11 Uhr das Solidaritätskonzert „Für Frieden und Freiheit“ auf Einladung des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Schloss Bellevue statt. Es spielten die Berliner Philharmoniker unter der beeindruckenden Leitung der 35-jährigen Japanerin Nodoka Okisawa. Auf dem Programm stand Musik aus der Ukraine, Russland und Polen. Als erstes Stück wurde die Abendserenade aus der „Stillen Musik“ für Streichorchester aus dem Jahre 2002 gespielt. Komponist ist der 1937 in Kiew geborene Valentin Silvestrov, der vor dem Krieg fliehen konnte und vorhin anwesend war.
Hören wir also auf der heutigen Klassikliste die berührende Abendserenade aus der „Stillen Musik“ für Streichorchester von Valentin Silvestrov (geb. 1937). Es spielt das Münchener Kammerorchester unter Leitung von Christoph Poppen (geb. 1956). Auf der Ergänzungsliste findet sich die gesamte „Stille Musik“ – 10 Minuten vollkommen friedliche Musik.
Heute vor 107 Jahren kam in Schytomyr Svjatoslaw Teofilowitsch Richter (1915–1997) auf die Welt, der einer der bedeutendsten Pianisten des 20. Jahrhunderts werden sollte. Wir haben ihn bereits in #8 und #11 kennengelernt. Schytomyr in der heutigen Ukraine liegt 140 km westlich von Kiew, gehörte früher zu Litauen, später zu Polen-Litauen und kam 1793 zum Russischen Zarenreich. Die Stadt war nicht nur während der Oktoberrevolution 1917 umkämpft. Während des 1. Weltkriegs besetzte das Deutsche Heer 1918 die Stadt, und auch im 2. Weltkrieg gab es verlustreiche Kämpfe zwischen der Deutschen Wehrmacht und der Roten Armee.
Richter stammte aus einer deutsch-russischen Kaufmannsfamilie. Sein Vater war allerdings Kantor und wurde im 2. Weltkrieg von Stalins Leuten als angeblicher deutscher Spion erschossen. Richter war schon mit 15 Jahren Korrepetitor am Opernhaus in Odessa. Vier Jahre später debütierte er als Pianist. Er musste nach Moskau fliehen, wo er am Konservatorium studierte. Er lernte Sergei Prokofjew kennen und übernahm die Uraufführungen von dessen Klaviersonaten. Ab 1960 durfte er auf der ganzen Welt konzertieren, so in den USA und in Europa. Richter beherrschte das gesamte Repertoire von Bach bis ins 20. Jahrhundert und war berühmt für sein weiches, poetisches Spiel.
Er machte auch gern Kammermusik. So begleitete er 1977/78 den Bariton Dietrich Fischer-Dieskau (1925–2012) bei einem Schubert-Programm. Hören wir auf der heutigen Klassikliste daraus das Lied Im Frühling D 822. Der Text stammt von Ernst Schulze, die Musik von Franz Schubert.
1978 wurde übrigens nicht nur die Schallplattenaufnahme gemacht, es gibt von sechs Liedern auch eine TV-Aufnahme. Das Video ist inzwischen auf Youtube zu finden: https://www.youtube.com/watch?v=MHmzzu4FAnM
Zwei der größten Musiker des 20. Jahrhunderts einträchtig beisammen – welch eine Kostbarkeit!
Heute kommen wir zu einem kleinen Edelstein: Hugo Wolf (1860–1903) war ein österreichischer Komponist. Er wurde heute vor 162 Jahren in Windischgrätz, dem heutigen Slovenj Gradec in Slowenien, geboren. Nach einem Versuch als Hilfskapellmeister schlug er sich als Musikkritiker und Komponist durchs Leben, blieb aber ohne festes Einkommen und war auf die Unterstützung von Freunden angewiesen. Er starb mit 43 an den Folgen einer damals verbreiteten Infektionskrankheit. Wolf ist heute vor allem als Komponist von Liedern bekannt. So hat er 1888 zum Beispiel zahlreiche Lieder des schwäbischen Dichters Eduard Mörike (1804–75) vertont.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste aus Wolfs Mörike-Liedern Der Gärtner, in dem das lyrische Ich eine vorbeireitende Prinzessin sieht und für eine Feder an ihrem Hut alle Blüten seines Gartens eintauschen würde. Es musizieren zwei der größten Musiker ihres Fachs: Der Bariton Dietrich Fischer-Dieskau (1925–2012) wird begleitet von Gerald Moore (1899–1987), dem legendären Liedbegleiter, der alle großen Liedsänger des 20. Jahrhunderts begleitet hat und der heute vor 35 Jahren verstarb. Beide haben vor 50 Jahren fast alle der 600 Lieder Schuberts aufgenommen. Sie werden uns noch einige Male wiederbegegnen.
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