Zwischen der ernsten Oper (it. Opera seria) und der komischen Oper (it. Opera buffa) gibt es noch ein Zwischending, die Opera semiseria, also die halbernste Oper. In ihr kommen ernste und komische Figuren höheren und niederen Standes vor, sie besteht meist aus zwei Akten und hat immer ein lieto fine, ein gutes Ende.
Ein Musterbeispiel dafür ist die bekannte Oper La sonnambula (dt. Die Nachtwandlerin) des großen Opernkomponisten Vincenzo Bellini (1801–1835), die heute vor 191 Jahren in Mailand mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Am Vorabend der Hochzeit des Bauern Elvino und der Müllerstochter Amina kommen in einer Schweizer Wirtschaft die Leute zusammen, so auch nach langer Abwesenheit Graf Rodolfo, der nicht erkannt wird und der sich für die Braut interessiert. In der Nacht erscheint die schlafwandelnde Amina dem Grafen, den sie für Elvino hält. Der Graf entzieht sich ihr, und sie schläft auf seinem Sofa weiter. Am Morgen glaubt niemand die Geschichte, und Elvino löst die Verbindung auf. Erst als sie schlafwandelnd – und natürlich singend – auf dem Dachfirst der Mühle gesehen wird, löst sich der Irrtum auf und es kommt zur Versöhnung.
Auf der heutigen Klassikliste hören wir aus dieser Oper die Finalarie der Amira „Ah! Non giunge uman pensiero“. Es singt Pretty Yende, eine bildhübsche schwarze Südafrikanerin, die gerade in den Opernhäusern der ganzen Welt die großen Hauptrollen singt und die heute ihren 37. Geburtstag feiert. Es begleiten Coro e Orchestra Sinfonica di Milano unter Leitung von Giacomo Sagripanti. Und auf der Ergänzungsliste hören wir die großartige Version von Maria Callas.
Anlässlich des Geburtstags unserer Tochter kommen wir zur heiteren 8. Symphonie F-Dur op. 93 von Ludwig van Beethoven, die heute vor 208 Jahren uraufgeführt wurde. Beethoven hatte für den 27. Februar 1814 – ebenfalls einen Sonntag – den Großen Redoutensaal in der Wiener Hofburg gemietet und ein großes Konzert veranstaltet, damals Akademie genannt. Er stellte ein Orchester zusammen, machte Werbung, verkaufte Eintrittskarten und ließ eigene Musik spielen, darunter gleich zwei neue Symphonien. Das war eine wichtige Einnahmequelle für Beethoven, der wegen seiner zunehmenden Gehörerkrankung nicht mehr als Pianist auftreten konnte und als erster freiberuflicher Komponist der Musikgeschichte nur von der internationalen Vermarktung seiner Kompositionen leben musste – in einer Zeit, in der es noch kein Urheberrecht gab.
Auf der Klassikliste gibt es heute den 1. Satz der Symphonie Nr. 8 F-Dur op. 93. Die Form ist ein Sonatenhauptsatz mit drei Themen. Es gibt keine Einleitung, der Satz beginnt unmittelbar mit dem beschwingten 1. Thema im ¾-Takt. Aber man muss, wie ich finde, genau das richtige Tempo treffen, und die Artikulation darf nicht zu schwammig sein. Wir hören das London Symphony Orchestra unter Leitung von Bernard Haitink in einer Live-Aufnahme vom 24. April 2006. Auf der Ergänzungsliste gibt es die gesamte Symphonie, 25 heitere Minuten sinfonischer Musik!
Nach der Elise wird’s heute und am nächsten Sonntag laut, denn wir kommen zur größten Gattung der Orchestermusik zurück, der Sinfonie. Am 20. Februar 1881, heute vor 141 Jahren, führten die Wiener Philharmoniker zum ersten Mal die 4. Sinfonie in Es-Dur des österreichischen Komponisten Anton Bruckner (1824–1896) auf. Die Uraufführung war überaus erfolgreich, das Publikum verlangte ihn nach jedem Satz auf die Bühne. Ein Kritiker schrieb: „Es ist ein solcher Strom von Empfindungen in seinem Werke, und eine Idee drängt so die andere, daß man den Reichtum seines Geistes wahrhaft bewundern muß […].“
Wir hören auf der Klassikliste den 1. Satz „Bewegt, nicht zu schnell“ mit der berühmten Einleitung: Über dem Es-Dur-Tremolo der Streicher im Pianissimo erklingt der viermalige Ruf des Solo-Horns – da bekommt jeder Hornist Schweiß zwischen den Fingern. Daraus entwickelt sich das 1. Thema im Fortissimo mit dem charakteristischen Gegensatz von Duole und Triole. Im Kontrast dazu steht das 2. Thema, das den zarten Gesang der Kohlmeise imitiert. Wir hören Aufnahme von Marek Janowski mit dem Orchestre de la Suisse Romande aus dem Jahr 2013. Und welch ein majestätischer Schluss der Hörner!
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