Heute vor 270 Jahren wurde Muzio Clementi (1752–1832) in Rom geboren. Er erhielt bei den besten Lehrern Musikunterricht und war so begabt, dass er bereits als Neunjähriger eine Anstellung als Organist erhielt und als Zwölfjähriger eine vierstimmige Messe komponierte. Als Vierzehnjähriger folgte er einem reichen Adligen nach England, wo er sich neben der Schulbildung ganz der Musik widmete. Mit 22 Jahren ging er als Pianist, Komponist und Dirigent nach London, wo er großen Erfolg hatte. Er unternahm zwei langjährige Konzertreisen durch ganz Europa, auf denen er viele Musiker kennenlernte. Mit 58 Jahren kehrte er nach London zurück, heiratete, leitete ein Klavierbau-Unternehmen und wurde Verleger, komponierte, dirigierte und gab Klavierunterricht.
Beethoven hatte Clementi in Wien kennengelernt, schätzte seine Kompositionen und veröffentlichte seine eigenen Werke in England in Clementis Verlag. Mozart dagegen hielt Clementi für einen oberflächlichen Pianisten. Allerdings übernahm er später ein Motiv aus Clementis Sonate B-Dur op. 24 Nr. 2 für die Ouvertüre der Zauberflöte.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste den 1. Satz aus dieser Sonate. Am Klavier spielt Balázs Szokolay. Und auf der Ergänzungsliste gibt es heute ein Stück, das alle unsere Kinder schon gespielt haben und zum Teil immer noch spielen: die Sonate C-Dur op. 36 Nr. 1, am Klavier Diane Hidy.
Heute kommen wir zu einem Gipfelpunkt der Klaviermusik: Vor 200 Jahren komponierte Ludwig van Beethoven (1770–1827) seine 32. Klaviersonate. Das erste Manuskript datiert vom 13. Januar 1822. Dass sie seine letzte bleiben würde, wusste er natürlich nicht – und dennoch trägt sie Zeichen des Abschieds. Sie wurde als „Testament“ (J. Uhde), als „abschließendes Bekenntnis“ (A. Brendel) bezeichnet.
Die Sonate besteht aus zwei gegensätzlichen Sätzen, in denen wir „das Diesseits und das Jenseits versinnbildlicht“ finden (E. Fischer): Der 1. Satz ist ein schneller, kämpferischer Sonatenhauptsatz in c-Moll mit kräftigen Motiven und vielen Ritardandi. Der 2. Satz in C-Dur ist dagegen ein ruhiger Variationensatz im Adagio. Eine sanfte Arietta entwickelt sich durch 5 Variationen hindurch und entschwebt in „eine ätherische Atmosphäre, als hätte die Musik ein verklärtes Reich betreten“ (W. Kinderman). Das Besondere ist, dass sich die Notenwerte von Variation zu Variation verkleinern, so dass aus drei Anschlägen pro Takt im Thema später in der 4. Variation 27 Anschläge pro Takt werden. Trotzdem bleibt der ganze Satz von einer „unbeirrten Ruhe“ geprägt (J. Uhde).
Auf der heutigen Klassikliste hören wir also den 2. Satz der Klaviersonate Nr. 32 c-Moll op. 111 von Ludwig van Beethoven. Es spielt der große italienische Pianist Maurizio Pollini, der am 5. Januar seinen 80. Geburtstag gefeiert hat. Auf der Ergänzungsliste ist die gesamte Sonate zu hören.
Natürlich ist das keine „jugendliche“ Musik, sondern die erhabene Musik eines reifen Menschen, der sich hier wie auch später in der Missa solemnis op. 123 und 9. Sinfonie op. 125 intensiv mit der philosophischen und religiösen Dimension des Lebens auseinandersetzt. Nehmen Sie sich die Zeit, um einfach nur zuzuhören!
Oskar Rieding (1846–1918) ist ein fast vergessener Komponist – aber nur fast: Denn der Geiger, der Konzertmeister im Orchester des Budapester Opernhauses war, komponierte mehrere Violinkonzerte mit steigenden Anforderungen, die auch für Geigenschüler spielbar sind, sog. Schülerkonzerte. Das bekannteste davon ist das Violinkonzert h-Moll op. 35, das unser Sohn gerade übt.
Auf der heutigen Klassikliste hören wir daraus den Finalsatz, ein stürmisches Rondo im allegro moderato. Im Ritornell kommt darin die Strichart martelé (dt. gehämmert) zum Einsatz, bei der die Saite mit vollem Bogendruck beinahe explosionsartig angerissen wird. Durch den Marteléansatz entsteht ein perkussiver Tonbeginn fast wie beim Klavier. Es spielt Michail Gantwarg (geb. 1947) in Begleitung der von ihm gegründeten Sankt Petersburger Solisten, die zusammen auf Tourneen gehen und über 50 CDs aufgenommen haben. Auf der Ergänzungsliste gibt es das gesamte Violinkonzert mit einer Spieldauer von knapp 8 Minuten.
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