Die erste Oper, die ich in meinem Leben gehört habe – vor 40 Jahren bei Herrn Engelhardt im Musikunterricht der 5. Klasse –, war Der Fliegende Holländer von Richard Wagner (1813–1883). Ich war sehr beeindruckt, und die Musik der Ouvertüre und der 1. Szene ist mir tief im Gedächtnis geblieben. Die Oper wurde heute vor 179 Jahren in Dresden uraufgeführt.
Der Handlung liegt die Holländer-Sage zugrunde: Ein holländischer Kapitän hat bei seinem vergeblichen Versuch, das Kap der guten Hoffnung zu umsegeln, gotteslästerlich geschworen, er werde bis zum jüngsten Tag segeln, wenn es sein müsse – und wurde genau dazu verdammt. Alle sieben Jahre dürfe an Land gehen, wo ihn die Liebe einer Frau von seinem Fluch erlösen könne. Wagner hat die Oper vor dem Hintergrund einer eigenen Seefahrt bei fürchterlichem Sturm komponiert. In der Ouvertüre kommen alle musikalischen Motive der Oper zu Gehör – das Sturm-, Holländer-, Erlösungsmotiv usw. –, die später in entsprechenden Szenen wieder erklingen, wodurch vielfältige emotionale Bezüge hergestellt werden. Diese sog. Leitmotiv-Technik hat Richard Wagner erfunden, und sie kommt noch heute z. B. in Kinofilmen selbstverständlich zum Einsatz.
Auf der Klassikliste hören wir die Ouvertüre zum Fliegenden Holländer. Es spielt das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Leitung von Marek Janowski. Zehn Minuten mitreißende Musik!
Am 2. Weihnachtsfeiertag wird die 2. Kantate des Weihnachtsoratoriums BWV 248 von Johann Sebastian Bach (1685–1750) aufgeführt, in der der Engel den Hirten die Nachricht von der Geburt Jesu überbringt. Die Einleitung der Kantate mit dem Titel „Und es waren Hirten in derselben Gegend“ bildet die bekannte Hirtensinfonie mit Traversflöten, Oboen d’amore und Oboen da caccia als „Hirteninstrumenten“. Höhepunkt ist die Verkündigung des Engels: „Fürchtet euch nicht. Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids“ (Lk 2, 10–11). Dann kommt die große Tenor-Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilet“ – sehr schwierig, aber wunderschön! Später kommt noch die Alt-Arie „Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh’“ und der mitreißende Chor „Ehre sei Gott in der Höhe“. Bei der Uraufführung 1734 war der 26.12. übrigens wie heute ein Sonntag.
Wir hören auf der Klassikliste die Tenor-Arie, 1965 gesungen von Fritz Wunderlich – wie damals üblich in langsamem Tempo. Es begleitet das Münchner Bach-Orchester, Dirigent ist Karl Richter. Auf der Ergänzungsliste hören wir die gesamte 2. Kantate in einer modernen Aufnahme mit raschen Tempi unter Leitung von Jordi Savall.
Beim letzten Mal haben wir zwei gebürtige Ungarn gehört, heute beschäftigen wir uns mit zwei polnischen Pianisten: Fryderyk Franciszek Chopin (1810–1849) war eineinhalb Jahre älter als Liszt, starb aber schon mit 39 Jahren an den Folgen von Tuberkulose. Auch er war ein großer Klaviervirtuose – er galt als Wunderkind –, der durch ganz Europa reiste und Konzerte gab. Aber Chopin war viel zurückhaltender, er spielte eher leise, in sich gekehrt und mied das große, anonyme Publikum. Eine Zeitgenössin notierte, dass es selten vorkam, „dass er die gleiche Komposition identisch spielte“. Er komponierte um die 230 Werke, fast ausschließlich für Klavier: Etüden, Mazurkas, Nocturnes, Polonaisen, Préludes, Walzer usw. In der zweiten Lebenshälfte lebte er überwiegend in Paris, weshalb er meist Frédéric Chopin genannt wird.
Da sie unser Sohn gerade übt, hören wir heute auf der Klassikliste die Mazurka B-Dur op. 7 Nr. 1. Eine Mazurka ist ein stilisierter polnischer Tanz im mäßigen Dreiertakt. Am Flügel hören wir den berühmten Artur Rubinstein (1887–1982), ebenfalls in Polen geboren. Er gilt als der Universalpianist des 20. Jahrhunderts. Er verfügte über ein phänomenales musikalisches Gedächtnis, das es ihm erlaubte, die gespielten Stücke im Konzert spontan auszuwählen und anzusagen. Wegen der Greueltaten der deutschen Soldaten trat ab 1914 nicht mehr Deutschland auf, nach der Ermordung fast seiner ganzen jüdischen Familie durch die Nationalsozialisten schon gar nicht mehr. In seinem langen Leben gab er über 6000 Konzerte, seine Aufnahmen füllen 142 CDs.
Archiv
- Mai 2024
- April 2024
- März 2024
- Februar 2024
- Januar 2024
- Dezember 2023
- November 2023
- Oktober 2023
- September 2023
- August 2023
- Juli 2023
- Juni 2023
- Mai 2023
- April 2023
- März 2023
- Februar 2023
- Januar 2023
- Dezember 2022
- November 2022
- Oktober 2022
- September 2022
- August 2022
- Juli 2022
- Juni 2022
- Mai 2022
- April 2022
- März 2022
- Februar 2022
- Januar 2022
- Dezember 2021
- November 2021
- Oktober 2021
- September 2021
- August 2021
- Juli 2021
- Juni 2021
- Mai 2021
- April 2021
- März 2021
- Februar 2021
- Januar 2021
- Dezember 2020
- November 2020
- Oktober 2020
- September 2020
- August 2020
- Juli 2020
- Juni 2020
