Die Johannes-Passion BWV 245 ist die erste Passion von Johann Sebastian Bach (1685–1750). Sie wurde an Karfreitag, den 7. April 1724 in der Leipziger Nikolaikirche uraufgeführt. Sie ist in fünf „Akte“ gegliedert: 1. Verrat und Gefangennahme Jesu, 2. Verleugnung durch Petrus, 3. Verhör und Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus, 4. Kreuzigung und Tod sowie 5. Begräbnis Jesu.
Auf der heutigen Klassikliste hören wir die Verleugnung durch Petrus: „Er leugnete aber und sprach: Ich bin’s nicht! Spricht des Hohenpriesters Knecht einer, ein Gefreund’ter des, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sahe ich dich nicht im Garten bei ihm? Da verleugnete Petrus abermal, und alsobald krähete der Hahn. Da gedachte Petrus an die Worte Jesu, und ging hinaus und weinete bitterlich“, wobei der letzte Satz nicht aus Joh. 18, 25–26 stammt. Wir hören die Starbesetzung des 20. Jahrhunderts: Fritz Wunderlich als Evangelisten und Dietrich Fischer-Dieskau als Jesus. Auf der Ergänzungsliste ist die gesamte Szene mit ihrer beklemmenden Aussage zu finden.
Heute vor 154 Jahren war Karfreitag. Im Bremer Dom leitete Johannes Brahms am 10. April 1868 die Uraufführung eines Werks, an dem er über sieben Jahre hinweg gearbeitet hatte: 1861 stellte er Textstellen aus der Bibel in der Übersetzung Martin Luthers zusammen, die er darauf in mehreren Phasen vertonte. So entstand Ein deutsches Requiem nach Worten der Heiligen Schrift für Sopran- und Bariton-Solo, Chor und Orchester op. 45. Es ist ein Werk im protestantischen Geist, in dem der Trost der Hinterbliebenen im Mittelpunkt steht. Ursprünglich ist ein Requiem eine katholische Totenmesse in lateinischer Sprache für die verstorbenen Seelen, siehe #80. Insofern zählt Brahms’ Werk weniger zur Gattung Requiem als vielmehr zur evangelischen Mottete.
Die Aufführung in Bremen geriet „zu einem überwältigenden Triumph. Mehr als zweitausend Zuhörer waren anwesend, darunter viele der bedeutendsten Köpfe des deutschen Musiklebens“ (Martin Ennis). Damit gelang dem 35-jährigen Johannes Brahms (1833–97) schlagartig der Durchbruch. Seine Freundin Clara Schumann (1819–96) schrieb ihm, „daß ich ganz und gar erfüllt bin von Deinem Requiem, es ist ein ganz gewaltiges Stück, ergreift den ganzen Menschen in einer Weise wie wenig anderes.“ Und der Musikkritiker Eduard Hanslick schrieb: „Seit Bachs h-Moll-Messe und Beethovens Missa solemnis ist nichts geschrieben worden, was auf diesem Gebiete sich neben Brahms’ deutsches Requiem zu stellen vermag.“
Hören wir auf der Klassikliste den 2. Satz in b-Moll: „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“. Es singt der Monteverdi Choir in Begleitung des Orchestre Révolutionnaire et Romantique unter Leitung von John Eliot Gardiner. Auf der Ergänzungsliste ist das gewaltige Werk vollständig zu hören.
Wir bleiben beim Abend. Das bekannteste Werk von Johannes Brahms (1833–1897) dürfte das Wiegenlied mit dem Textanfang „Guten Abend, gut’ Nacht“ sein. Brahms hat dieses Lied 1868 anlässlich der Geburt des zweiten Sohnes für eine Choristin geschrieben, mit der er freundschaftlich verbunden war. Der Text stammt aus der bekannten Gedichtsammlung Des Knaben Wunderhorn der romantischen Dichter Achim von Arnim und Clemens Brentano und geht auf mittelalterliche Quellen zurück: Die Rosen sollen ein Dach für das Kind bilden, die Näglein sind Gewürznelken, mit deren Duft man früher Insekten von Schlafenden fernhielt. Die zweite Strophe stammt von Georg Scherer und wurde erst später hinzugefügt. Das Wiegenlied wurde am 22. Dezember 1869 uraufgeführt, seither wird es für seine „meisterhafte Verbindung von Kunst- und Volkslied“ gerühmt. Ein Biograph von Brahms nannte es „das schönste aller Wiegenlieder“. Heute vor 125 Jahren ist Johannes Brahms im Alter von 63 Jahren an Krebs gestorben.
Wir hören es auf der heutigen Klassikliste in der Fassung der großartigen schwedischen Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter (geb. 1955), es begleitet der Pianist Bengt Forsberg.
Einen solchen „Schlager“ gibt es natürlich in unzähligen Bearbeitungen – auch für 12 Schäferhunde und Klavier, wie mein Klavierlehrer einmal sagte. Für die Ergänzungsliste habe ich vier davon herausgesucht: für Violine, für Cello, Jazzband und Hornquartett. Welche ist die schönste?
Archiv
- Mai 2024
- April 2024
- März 2024
- Februar 2024
- Januar 2024
- Dezember 2023
- November 2023
- Oktober 2023
- September 2023
- August 2023
- Juli 2023
- Juni 2023
- Mai 2023
- April 2023
- März 2023
- Februar 2023
- Januar 2023
- Dezember 2022
- November 2022
- Oktober 2022
- September 2022
- August 2022
- Juli 2022
- Juni 2022
- Mai 2022
- April 2022
- März 2022
- Februar 2022
- Januar 2022
- Dezember 2021
- November 2021
- Oktober 2021
- September 2021
- August 2021
- Juli 2021
- Juni 2021
- Mai 2021
- April 2021
- März 2021
- Februar 2021
- Januar 2021
- Dezember 2020
- November 2020
- Oktober 2020
- September 2020
- August 2020
- Juli 2020
- Juni 2020
