Heute vor 164 Jahren gab es am Théâtre-Lyrique in Paris eine Opernpremiere, aus der eine der erfolgreichsten französischen Opern überhaupt hervorging und den Weltruhm des Komponisten begründete. Es geht um die Oper Faust von Charles Gounod (1818–1893) nach dem berühmten Drama von Goethe. Zunächst wirkte die Oper auf das französische Publikum etwas zu deutsch, aber sie setzte sich durch und wurde in den Folgejahren 300 Mal aufgeführt. Nach einer Umarbeitung nahm auch die Pariser Opéra 1869 das Werk auf den Spielplan, wo es seitdem über 3000 Mal gespielt wurde. Der Librettist ist mit dem Stoff sehr frei umgegangen und stellt die Liebesgeschichte von Faust und Marguerite ins Zentrum. Goethe wäre entsetzt, wenn er die süßlich romantische Musik zu seinem Weltendrama hören würde, aber der große Melodienreichtum und die farbige Instrumentation machen gerade die Qualität dieser Oper aus.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste das berühmte Liebesduett „Il se fait tard! Adieu!“ (dt. „Es ist schon spät! Adieu!“) aus dem 3. Akt. Es singen Victoria de los Ángeles als Marguerite und der große Nicolai Gedda als Faust. Es spielt das Orchestre de l’Opéra national de Paris unter Leitung von André Cluytens in einer remasterten Aufnahme von 1958.
Aus dieser Oper stammt übrigens auch der berühmte Walzer aus dem 5. Akt, den unsere Töchter schon mehrfach im Ballett getanzt haben. Ich habe ihn auf die Ergänzungsliste gestellt.
Friedrich Kuhlau (1786–1832) war ein Komponist zwischen Klassik und Romantik. In Uelzen geboren, die Vorfahren alle Berufsmusiker, zog die Familie nach Lüneburg und später nach Hamburg. Er erhielt Musikunterricht und trat schon als 18-Jähriger mit eigenen Werken als Pianist auf. Als die Napoleonischen Truppen Hamburg besetzten, floh er ins dänische Kopenhagen. Hier gab er Konzerte mit eigenen Werken und war der erste Interpret der Klaviersonaten Beethovens. Seinen Durchbruch verdankte er allerdings mehreren sehr erfolgreichen Opern, er wurde kgl. Kammermusicus und Professor. Bis heute wird seine Nationaloper Elverhøj (dt. Der Elfenhügel) in Dänemark aufgeführt, die er anlässlich einer königlichen Hochzeit komponierte. Heute vor 191 Jahren ist Kuhlau in Kopenhagen gestorben.
Sei Werk besteht zur Hälfte aus Klaviermusik, die weiterhin vor allem im Unterricht eingesetzt wird. Bemerkenswert ist, dass er sehr viel Musik für Flöte geschrieben hat, obwohl er nach eigener Aussage „nicht den kleinsten Griff konnte“ (MGG II). Und diese Werke für Flöte solo, Duette, Trios und sogar ein Quartett sind ein wichtiger Bestandteil des Flöten-Repertoires.
Hören wir heute auf der Klassikliste das finale Rondo aus dem Quartett e-Moll für vier Flöten op. 103 von Friedrich Kuhlau – herrliche, aber kaum bekannte Musik! Es spielt das deutsch-chinesische Ensemble Tetrachord. Auf der Ergänzungsliste folgt das gesamte Quartett und außerdem die Sonatine C-Dur op. 55 Nr. 1 für Klavier, die alle unsere Kinder im Klavierunterricht gespielt haben.
Heute kommen wir auf der Klassikliste zur ersten Komponistin, und ihr Name dürfte nur Experten bekannt sein: Dora Pejačević (1885–1923) wurde als Tochter eines kroatischen Grafen geboren, dem späteren Ban (dt. Vizekönig) im Banat Kroatien-Slawonien. Ihre Mutter war Sängerin und Pianistin. Dora erhielt privaten Klavier- und Violinunterricht bei sehr guten Lehrern, und „als klar wurde, dass Doras Befassung mit der Musik über den Rahmen des aristokratischen Zeitvertreibs hinausgeht, wurde ihr seitens der Familie die musikalische Weiterbildung im Ausland ermöglicht“ (Karoljka Kos), ab 1907 vor allem in Dresden und München, und eben auch in Komposition. Erste Werke führte sie selbst auf, zunehmend wurden ihre Werke aber über Salons hinaus auch öffentlich aufgeführt. Pejačević pflegte Kontakte zu Dichtern, emanzipierte sich zunehmend von ihrer adeligen Herkunft und versuchte, als freie Künstlerin zu leben. Sie komponierte Lieder, viel Klavier- und Kammermusik, ein Klavierkonzert und eine Symphonie. 1921 heiratete sie in München und starb tragischerweise 37-jährig kurz nach der Geburt ihres Sohnes an einer Blutvergiftung – genau heute vor 100 Jahren.
Hören wir zu ihrem Andenken heute auf der Klassikliste den Finalsatz aus der Sonate D-Dur für Violine und Klavier op. 26 von Dora Pejačević, die als „Durchbruch zur Meisterschaft“ gilt (K. Kos). Es spielen der Ukrainer Andrej Bielow und Oliver Triedl. Auf der Ergänzungsliste finden sich zwei herrliche Lieder, durch die ich 2009 auf SWR2 auf Dora Pejačević aufmerksam wurde.
Übrigens kommt am Donnerstag, den 9.3. der Dokumentarfilm „DORA – Flucht in die Musik“ über das Leben dieser bemerkenswerten Künstlerin in die Kinos, Prädikat: „besonders wertvoll“, hier der Link zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=QvNUlwXZxds
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