Schon zwei Generationen vor Boccherini ging ein anderer italienischer Komponist nach Portugal und Spanien. Es war Domenico Scarlatti (1685–1757), Zeitgenosse Vivaldis, Händels und Bachs. Er war das sechste von zehn Kindern des neapolitanischen Opernkomponisten Alessandro Scarlatti. Mit 34 Jahren wurde er in Lissabon Hofkapellmeister des portugiesischen Königs Dom João V. und war dort für die geistliche und weltliche Musik zuständig. Unter anderem wurde er Musiklehrer der hochtalentierten Prinzessin Maria Bárbara (1711–1758), der er an den spanischen Hof folgte, als sie 1729 den spanischen Thronfolger und späteren König Fernando VI. heiratete.
Neben vielem anderen komponierte Scarlatti für seine Schülerin 555 Klavierstücke, die er als Essercizi dt. Übungen bezeichnete, die heute aber Sonaten genannt werden. Von iberischer Volksmusik beeinflusst, sind sie melodisch, harmonisch und rhythmisch enorm vielfältig – ein gewaltiges Werk und ein wahrer Kosmos an Einfallsreichtum und menschlicher Empfindung. Durch ihre Zweiteiligkeit, die motivische Arbeit und die Modulationen gelten Scarlattis Sonaten als Vorläufer der Klaviersonate. In ihr gibt es schon ein empfindsames Individuum, womit sie über das Barock hinaus in die Klassik vorausweisen. Früher als virtuose Zugaben gebaucht, gehören sie heute zum festen Repertoire vieler Pianisten.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste eine der schönsten und bekanntesten Sonaten Scarlattis, die Sonate D-Dur K. 491, am Klavier der große Pianist Murray Perahia (geb. 1947), der einer sephardischen Familie entstammt, dessen jüdische Vorfahren also eben aus Portugal und Spanien vertrieben wurden. Auf der Ergänzungsliste gibt es dieselbe Sonate, die Trevor Pinnock auf einem Cembalo spielt, denn zu Scarlattis Lebzeiten gab es ja noch keine Klaviere.
Scarlatti ist ein Lieblingskomponist von mir. Seiner wundervollen Musik könnte ihr ewig zuhören.
Heute vor 280 Jahren wurde im italienischen Lucca als 4. Kind einer Musikerfamilie Luigi Boccherini (1743–1805) geboren. Während seine Geschwister allesamt als Tänzer und Tänzerinnen arbeiteten, wurde Luigi wie sein Vater Cellist. Schon als Jugendlicher unternahm er mehrere Konzertreisen nach Wien. Als 24-Jähriger ging er nach Paris, wo seine ersten Werke gedruckt und dadurch in Europa bekannt wurden. 1768 zog es ihn nach Madrid, wo er eine Sängerin heiratete. Zwei Jahre später schon trat er als Kammerkomponist in die Dienste des Infanten Don Luís (1727–1785) ein, des jüngsten Bruders des spanischen Königs Carlos III. 1785 starben Boccherinis Frau und sein Dienstherr, er blieb aber in Spanien und komponierte als compositeur de notre chambre für den preußischen König Friedrich Wilhelm II., der selbst ein leidenschaftlicher Cellist war, und erhielt dafür ein Jahresgehalt von 1000 Talern. Als dieser 1797 starb, verarmte Boccherini und starb 1805 an Tuberkulose.
Im Zentrum von Boccherinis Werk stehen die Streichinstrumente: So komponierte er unter anderem 42 Streichtrios, 91 Streichquartette und 110 Streichquintette und für seine eigene Konzerttätigkeit 40 Cellosonaten und zwölf Cellokonzerte. Boccherini ist der bedeutendste italienische Komponist der Frühklassik und zusammen mit Joseph Haydn Wegbereiter des klassischen Stils.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste Boccherinis bekanntestes Stück: das Minuetto aus dem Streichquintett E-Dur op. 11 Nr. 5 G. 275 mit seinem berühmten Thema. Es spielen die Smithsonian Chamber Players aus Washington. Auf der Ergänzungsliste gibt es das gesamte Streichquintett.
Heute vor 99 Jahren, am 12. Februar 1924, fand in der Aeolian Hall in New York ein denkwüdiges Konzert statt. Unter den Zuhörern waren Musiker ersten Ranges wie Igor Stravinsky, Sergei Rachmaninow, Jascha Heifetz und Fritz Kreisler.
Als der Bandleader Paul Whiteman mit seinem Jazzorchester das Konzert ankündigte, war eines der angekündigten Werke noch gar nicht fertig, und er musste den gerade mal 26-jährigen Komponisten erst noch überreden. Dann aber legte George Gerschwin (1898–1937) los und erstellte bis zum 4. Februar eine Klavierfassung für vier Hände, die Whitemans Arrangeur Ferde Grofé für Orchester instrumentierte. So entstand eine witzige Mischung aus Blues, Jazz-Rhapsody und Klavierkonzert. Auch wenn die Kritiker an dem Stück einiges auszusetzen hatten – die Rhapsody in Blue hatte riesigen Erfolg, war sofort sehr beliebt und ist bis heute Gerschwins bekanntestes Werk. Man kennt viele Melodien daraus, und das Glissando der Klarinette im 1. Takt ist fast legendär.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste die Rhapsody in Blue von Gerschwin mit dem Boston Pops Orchestra unter Leitung von Arthur Fiedler mit Earl Wild am Klavier in einer Aufnahme vom 13. Mai 1959.
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