Die heutigen Geburtstagskinder sind sehr ungleich, aber sie haben einen hörenswerten Berührungspunkt: Sergei Prokofjew (1891–1953) wurde heute von 132 Jahren nahe Bachmut in der Ukraine geboren, was damals im russischen Zarenreich lag. Sein Talent wurde früh entdeckt, und so besuchte er schon als 13-jähriger Student das Konservatorium in St. Petersburg, wo er zehn Jahre lang eine hervorragende Ausbildung erhielt. Er verließ Russland wegen der Revolution 1918 und lebte überwiegend in Paris, kehrte aber 1936 nach Moskau zurück. In der Sowjetunion musste er sich an die Vorstellungen der kommunistischen Partei anpassen, die ihn 1948 „zu größerer Volkstümlichkeit“ aufforderte. Trotz eines schweren Unfalls komponierte er bis zu seinem Tode 1953 weiter und hinterließ ein immenses Werk, das – bis auf sakrale Musik – alle Gattungen umfasst.
Eine seiner bekanntesten Melodien stammt aus dem Ballett Romeo und Julia op. 64 aus dem Jahr 1935. Es folgt der weltberühmten gleichnamigen Tragödie von William Shakespeare (1564–1616), vermutlich ebenfalls am 23. April geboren, aber 327 Jahre vor Prokofjew. Im ersten Akt des Balletts kommt es zum Tanz der Ritter, in dem sich zunächst die verfeindeten Familien Montague und Capulet gegenübertreten. Im anmutigen zweiten Teil tanzen die Damen, aber das düstere Hauptthema dringt durch. Im dritten Teil tanzen Julia und Graf Paris, den sie heiraten soll, über Julias schmerzlichem Leitmotiv in den Flöten, unterbrochen von der etwas heitereren Solo-Oboe. Den Abschluss bildet wieder das schicksalhafte Hauptthema. Hören wir auf der heutigen Klassikliste diese Szene aus Prokofjews berühmtestem Bühnenwerk. Es spielt das London Symphony Orchestra unter Leitung von André Previn (1929–2019).
Auch große Komponisten müssen üben. Und so könnte es Franz Schubert (1797–1828) sehr recht gewesen sein, dass er von Ferdinand Graf Troyer, der selbst sehr gut Klarinette spielte, einen Kompositionsauftrag erhielt. Er schrieb ein Oktett für zwei Violinen, Bratsche, Violoncello, Kontrabass, Klarinette, Fagott und Horn und experimentierte dabei ausführlich mit der Mischung der Klangfarben. In einem Brief schrieb er über seine Kammermusikkompositionen: „Überhaupt will ich mir auf diese Art den Weg zur großen Symphonie bahnen.“ So entstand ein herrliches, von heiterem Melodienreichtum getragenes Werk mit sechs Sätzen, das sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Schubert stellte es 1824 fertig, und es erklang erstmalig in der Wohnung des Grafen, der natürlich die Klarinette spielte. Die erste öffentliche Aufführung fand in einem Konzert am Ostermontag, den 16. April 1827 in Wien statt, heute vor 196 Jahren.
Hören wir auf der Klassikliste das beschwingte Andante aus dem Oktett F-Dur D 803 von Franz Schubert. Es spielt das wunderbare Nash Ensemble aus London – 12 Minuten wahre Sonntagsmusik! Auf der Ergänzungsliste findet sich wieder das gesamte Werk.
Heute hören wir auf der Klassikliste die Arie „Freude, Freude über Freude“ aus der Osterkantate „Der Sieg ist da“ GWV 1128/43 von Christoph Graupner. Es singt der Tenor Sebastian Hübner, begleitet vom Barockorchester Pulchra musica unter Leitung von Christian Bonath.
Christoph Graupner (1683–1760) wurde im sächsischen Kirchberg geboren und an der Thomasschule in Leipzig ausgebildet, wo er Jura und dann Musik bei den Thomaskantoren Schelle und Kuhnau studierte. 1705 wurde er Cembalist im Opernorchester Hamburg, bevor er 1709 am Hof in Hessen-Darmstadt eine Anstellung fand. Dort stieg er zwei Jahre später zum Hofkapellmeister auf, ein Amt, das er fast bis an sein Lebensende innehatte. 1722 bewarb er sich auf Empfehlung Telemanns, der selbst abgesagt hatte, auf die Stelle des Thomaskantors in Leipzig, aber sein Dienstherr, der Landgraf von Hessen-Darmstadt, ließ ihn nicht gehen. So musste man sich in Leipzig mit der dritten Wahl zufriedengeben, die Stelle erhielt dann eben – Johann Sebastian Bach.
Graupner war mit ca. 2000 Werken einer der produktivsten Komponisten der Geschichte: Er hinterließ acht Opern, über 1400 Kantaten, 113 Sinfonien, 80 Orchestersuiten, 44 Solokonzerte, 30 Klaviersuiten und vieles mehr. Durch verschiedene Umstände sind seine Werke annähernd vollständig erhalten – aber gleichzeitig zum größten Teil unveröffentlicht.
Auf der Ergänzungsliste ist die gesamte Kantate zu hören, die am Ostersonntag 1743, heute vor 280 Jahren, aufgeführt wurde.
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