„Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ von Joseph Haydn (1732–1809) sind in vieler Hinsicht ein singuläres Werk in der Musikgeschichte. Denn im Gedenken an das Sterben Christi geht es bei den Katholiken musikalisch „schmuckloser“ zu als bei den Protestanten: In beiden Konfessionen wird an Karfreitag zwar die Passionsgeschichte vorgetragen. Während sich bei den Protestanten daraus vielfältige Passionsmusiken entwickelt haben – Höhepunkte sind die beiden Passionen von Johann Sebastian Bach (1685–1750), siehe #44 und #99 –, wird bei den Katholiken an Karfreitag meist „nur“ a cappella, also ohne Instrumente gesungen – heute bezeichnenderweise oft das evangelische Kirchenlied „O Haupt voll Blut und Wunden“.
Haydn erreichte daher eine äußerst ungewöhnliche Anfrage, als ein spanischer Priester für die Karfreitagsliturgie im südspanischen Cádiz ein rein instrumentales Werk bestellte. Denn dort war es Tradition, dass der Geistliche über jeden der sieben letzten Sätze, die Jesus am Kreuz gesprochen haben soll, auf der Kanzel eine Betrachtung anstellte und anschließend vor dem Altar kniete. Für diese Phasen sollte Haydn jeweils eine langsame, meditative und rein instrumentale Musik von ungefähr 10 Minuten Dauer schreiben. Das empfand der Komponist als große Herausforderung, wie sein Biograph schreibt: „Es war gewiß eine der schwersten Aufgaben, ohne untergelegten Text, aus freyer Phantasie, sieben Adagios auf einander folgen zu lassen, die den Zuhörer nicht ermüden, und in ihm alle Empfindungen wecken sollten, welche im Sinne eines jeden von dem sterbenden Erlöser ausgesprochenen Wortes lagen.“ Das Werk wurde vermutlich am Karfreitag des Jahres 1787, heute vor 236 Jahren, in Spanien uraufgeführt.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste also aus Haydns „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ Hob. XX:1A das „Consummatum est!“ (dt. „Es ist vollbracht“) in der originalen Fassung für Orchester. Es spielt das renommierte Berner Symphonieorchester unter Leitung von Ton Koopman.
Haydn betrachtete das Werk übrigens als sein gelungenstes überhaupt und vermarktete es umfassend. So erstellte er verschiedene Fassungen, ironischerweise auch ein Oratorium, also mit Gesang, wobei heute die Fassung für Streichquartett am häufigsten aufgeführt wird.
Am Mittwoch, dem 2. April 1800, heute 223 Jahren, veranstaltete Ludwig van Beethoven (1770–1827) in Wien auf eigene Rechnung sein erstes Konzert, was man damals im Sinne einer gesellschaftlichen Zusammenkunft „Akademie“ nannte: Er improvisierte ausführlich am Klavier – Beethoven konnte eine Stunde und länger frei Klavier spielen –, er trug sein 1. Klavierkonzert vor und brachte zwei neue Werke zur Uraufführung, nämlich sein Septett Es-Dur op. 20 und seine 1. Sinfonie C-Dur op. 21.
In den acht Jahren seit seiner Übersiedlung von Bonn nach Wien hat Beethoven bei Haydn und anderen Kompositionsunterricht genommen und Klavier- und Kammermusik geschrieben. Vor allem aber machte er sich als Klaviervirtuose in den Wiener Salons einen Namen. Er nahm sich Zeit, bis er die Reife spürte, um die große Form der Sinfonie musikalisch ausfüllen zu können. Mit der Tonart C-Dur knüpft er selbstbewusst an Mozarts letzte Sinfonie an, die später Jupiter-Sinfonie genannt wurde. Auch wenn „Neuheit und Reichthum an Ideen“ seinerzeit gerühmt wurden, setzt Beethoven eigene Akzente: Mit dem harmonisch gewagten Anfang hat er die Zeitgenossen irritiert, die Bläser treten mehr hervor, die Instrumentation war anders als üblich usw. – ohne dass es jemand ahnte, kündigt sich eine Entwicklung an, die 24 Jahre später mit der 9. Sinfonie ihren unbegreiflichen Höhepunkt fand.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste den stahlenden 1. Satz aus Beethovens Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21. Es spielt das Cleveland Orchestra unter Leitung des österreichisch-ungarischen Dirigenten George Szell (1897–1970) in einer remasterten Aufnahme aus dem Jahr 1960. Auf der Ergänzungsliste gibt es wieder die gesamte Sinfonie zu hören.
Dieses Lied aus der Renaissance, über 500 Jahre alt, ist mir im Tiefsten vertraut, denn ich habe es oft im Schulchor gesungen. Es handelt sich um das Abschiedslied eines fahrenden Sängers an seine Geliebte („Buhle“), der Innsbruck verlassen und in ein benachbartes Gebiet reisen muss, also ins damals höchst unsichere Ausland (altdeutsch „Elend“), wobei er der Geliebten in der 3. Strophe bis zur Rückkehr „stet trew“ verspricht. Das lyrische Ich könnte der Komponist selbst sein, der als Sänger und Komponist mehrmals am Hof ins Innsbruck angestellt war.
Hören wir auf der Klassikliste das großartige Leipziger Quintett Amarcord mit dem Madrigal „Innsbruck, ich muß dich lassen“ des großen Renaissance-Komponisten Heinrich Isaac (1450–1517), der heute vor 506 Jahren gestorben ist. Der helle, leicht raue Klang mit einem Countertenor entspricht dem Klangideal der Renaissance. Wir haben das Lied damals in einem großen gemischten Chor gesungen, und das hat natürlich ganz anders geklungen. Egal wie – man sollte dieses Madrigal einmal im Leben gesungen haben.
Auf der Ergänzungsliste finden sich weitere Madrigale von dieser fantastischen CD, die wir damals gesungen haben, zum Beispiel „Now is the month of Maying“ oder den herrlichen Contrapunto bestiale.
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