Vor 242 Jahren, also am 4. April 1779, war wie heute Ostersonntag. Im Ostergottesdienst im Dom zu Salzburg erklang eine neu komponierte Messe von atemberaubender Strahlkraft. Es war die Messe Nr. 15 in C-Dur KV 317 von Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791), der damals Hoforganist bei Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo war. Obzwar aufklärerisch eingestellt, war Colleredo unbeliebt, und es gab vielfältige Spannungen zwischen ihm und der selbstbewussten Familie Mozart.
Die Messe wurde wegen des feierlichen Charakters später bei Krönungsgottesdiensten von Kaisern und Königen eingesetzt und erhielt weit nach Mozarts Tod den Beinamen „Krönungsmesse“.
Auf der Klassikliste hören wir aus dieser Messe das Gloria. Unter der Leitung von Trevor Pinnock singt der Choir of The English Concert, es spielt The English Concert. Auf der Ergänzungsliste folgt der Abschluss der Messe, das wunderschöne Agnus Dei mit anschließendem Dona nobis pacem, das Solo singt Barbara Bonney, eine fabelhafte amerikanische Sopranistin. Wahrhaft österliche Musik!
Johann Sebastian Bachs Vertonung der Passionsgeschichte von Jesus von Nazareth nach dem Evangelium von Matthäus stellt einen Höhepunkt der abendländischen Musikgeschichte dar. In der knapp dreistündigen Matthäus-Passion BWV 244 aus dem Jahre 1727 wird die Geschichte vom letzten Abendmahl bis zum Tod am Kreuz in überaus berührender und dramatischer Weise erzählt – eine sehr effektvolle Darstellung, würde man heute sagen.
Der Tod Jesu soll gegen drei Uhr nachmittags eingetreten sein, weshalb alle Kirchenglocken zu dieser Zeit läuten. Danach heißt es in der Luther-Übersetzung bei Matthäus 27,51f.: „Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. [Gemeint ist der Vorhang, der in jüdischen Tempeln den heiligen vom weltlichen Bereich trennt, Gott zeigt sich also unmittelbar den Menschen.] Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, [Es hat sich ein Erdbeben ereignet.] und die Gräber taten sich auf und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. [Verstorbene erschienen lebenden Menschen, und angesichts der außergewöhnlichen Ereignisse gelangen die Wachleute als erste zur Einsicht in die göttliche Natur Jesu:] Als aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus bewachten das Erdbeben sahen und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“
Nach zweieinhalb Stunden intensiver Musik geht bei diesem kurzen herrlichen Chor der Himmel auf, und es läuft einem eiskalt den Rücken herunter!
Dieses Werk muss man einmal ganz gehört haben, noch besser: Man sollte es selbst einmal in einem Chor mitsingen. Auf der Klassikliste gibt es eine Stuttgarter Einspielung von der Gächinger Kantorei unter der Leitung von Helmuth Rilling. Den Evangelisten singt Michael Schade. Die Aufnahme wurde übrigens 1994 in der Stadthalle Sindelfingen gemacht.
Sergei Rachmaninow (1873–1943) gilt als letzter Vertreter eines Komponisten, der zugleich auch ein großer Klaviervirtuose war. Zugleich war er der erste und letzte, der seine eigene Musik auf Tonträgern eingespielt hat – auf dem Stand der Technik vom Anfang des 20. Jahrhunderts.
Darunter gab es eine erstaunliche Technik: Auf sog. Reproduktionsklavieren konnte man Musikstücke über entsprechende Markierungen in Papierrollen, sog. Notenrollen, aufzeichnen und später originalgetreu auf einem solchen Klavier wieder abspielen lassen – ganz ohne Pianist. Rachmaninow hat 35 seiner Werke auf diese Weise eingespielt, wodurch sein Klavierspiel der Nachwelt erhalten geblieben ist, denn man kann die Rollen heute noch abspielen und in CD-Qualität aufzeichnen. Fantastisch!
Auf der Klassikliste gibt es heute Rachmaninows Prélude Nr. 1 cis-Moll op. 3 Nr. 2, mit dem er als 19-Jähriger weltberühmt wurde und das seine Fans immer wieder als Zugabe hören wollten. Das Stück trägt den Beinamen „Glocken von Moskau“, weil die wiederholten schweren Akkorde an Glockenschläge erinnern. Am Reproduktionsklavier spielt Rachmaninow selbst, der heute vor 78 Jahren gestorben ist. Die CD-Aufnahme erfolgte 66 Jahre nach seinem Tod.
Auf der Ergänzungsliste ist eine moderne Einspielung von Nikolai Luganski zu finden.
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