1772 wurde Wolfgang Amadé Mozart (1756–91) als 16-Jähriger vom neu gewählten Fürsterzbischof Colloredo, der bereits in #45 erwähnt wurde, zum (bezahlten) Konzertmeister der Salzburger Hofkapelle ernannt, er war also zunächst hauptberuflich Geiger. In den folgenden Jahren hat er seine einzigen fünf erhaltenen Violinkonzerte komponiert – vermutlich weil er mit ihnen auf einer geplanten Konzertreise auftreten wollte, um eine Stelle an einem bedeutenderen Hof zu bekommen.
Von jeher fragt man sich, wie die Musik früher, zum Beispiel zu Mozarts Zeit, geklungen haben möge. Viele Instrumente aus dieser Zeit sind erhalten, man kennt ihren Klang und weiß, dass man früher etwa mit anderen Bögen, sog. Barockbögen, gespielt hat, mit denen man nicht so kräftig spielen konnte. Der moderne Bogen aus Pernambukholz wurde erst um 1800 entwickelt. Mitte des 20. Jahrhunderts entstand die sog. Historische Aufführungspraxis, die eine Wiedergabe der Musik vergangener Epochen mit authentischem Instrumentarium, historischer Spieltechnik und im Wissen um die künstlerischen Gestaltungsmittel der jeweiligen Zeit anstrebt. Ein solches Ensemble ist das 1986 gegründete britische Orchestra of the Age of Enlightenment (engl. Age of Enlightenment = dt. Zeitalter der Aufklärung).
Auf der Klassikliste gibt es heute den 1. Satz Allegro aus Mozarts Violinkonzert Nr. 3 G-Dur KV 216. Die Leitung hat – wie damals üblich, denn in den 1770er Jahren gab es noch keine Dirigenten – die Solistin Monica Huggett, eine Londoner Geigerin, die übrigens heute ihren 68. Geburtstag feiert.
Auf der Ergänzungsliste ist das gesamte Konzert zu hören.
Wenn ich an „Mai“ denke, kommt mir zuerst das Lied „Im wunderschönen Monat Mai“ von Robert Schumann (1810–1856) in den Sinn, das besonders zu dem strahlenden Wetter heute passt. Das Liebeslied von Heinrich Heine (1797–1856) besteht nur aus zwei schlichten Strophen:
Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.
Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.
Während die Aussage des Textes klar wirkt, wird sie in Schumanns höchst kunstvoller Vertonung andauernd hinterfragt. Schon vor dem ersten Takt platzt ein vorgehaltenes cis zu früh herein, und in der gesamten Klavierbegleitung schwankt die Tonart ohne harmonische Bestätigung permanent zwischen fis-Moll und A-Dur – um im letzten Takt auf einem Cis-Dur-Dominantseptimakkord ohne Auflösung stehen zu bleiben. Es bleibt bei der Sehnsucht.
Dieses Lied macht den Auftakt zum berühmten Liederzyklus Dichterliebe op. 48 aus 16 Liedern über unerfüllte Liebessehnsucht. Die Dichterliebe war übrigens Schwerpunktthema in meinem eigenen Musik-Leistungskurs, in dem ich mich 1988–90 intensiv mit ihr beschäftigt habe.
Auf der Klassikliste hören wir Fritz Wunderlich (1931–1963), den viele wegen seiner Musikalität und seiner schönen Stimme für den größten Tenor des 20. Jahrhunderts halten. Er hat alles gesungen – Oper, Operette, Lieder, populäre und geistliche Musik – und immer mit einer tiefen Empfindung. Im Zug konnte es passieren, dass er aufstand und zur Freude aller populäre Lieder sang – ein wahrhaft begnadeter Musikant, von dem wir noch einiges hören werden.
Auf der Ergänzungsliste finden sich die ersten fünf Lieder der Dichterliebe.
Heute gibt es eine wahre Rarität auf der Klassikliste: Elisabeth Schwarzkopf (1913–2006), eine deutsch-britische Opern- und Liedsängerin, zählt zu den bedeutendsten Sopranistinnen des 20. Jahrhundert. Ich habe sie Ende der 90er Jahre einmal in Stuttgart bei einem Meisterkurs erlebt, wo sie als hochbetagte Frau auf der Bühne jungen Sängerinnen Unterricht gab. Es war beeindruckend, wie präsent sie war und wie bewusst und klar sie die kleinsten Details der Gesangstechnik und des musikalischen Ausdrucks vermitteln konnte – eine große Meisterin des Gesangs.
Wir hören eine uralte Aufnahme aus dem Jahre 1955, die 2001 digital remastered wurde und daher so frisch klingt, als ob die Schwarzkopf heute vor uns stünde. Wie kann man nur so schön singen! Am Klavier begleitet der deutsche Pianist Walter Gieseking (1895–1956), ein Mozart-Sezialist. Wir hören heute natürlich das Lied „Komm, lieber Mai, und mache“ KV 596 von Wolfgang Amadé Mozart, das dieser unbegreiflich musikalische Mensch am Ende seines kurzen Lebens so schlicht und berührend in Töne gesetzt hat.
Auf der Ergänzungsliste sind zwei weitere Lieder von Mozart zu finden, die ich während meines Gesangunterrichts bei Andrea Boesen selbst gesungen habe.
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