Franz Liszt (1811–1886) war der erste Popstar der Musikgeschichte. Er muss sensationell gut Klavier gespielt haben – manche sagen, er sei vielleicht der größte Pianist, der je gelebt hat. Er reiste durch Europa und gab umjubelte Konzerte, in denen er unter anderem über alle möglichen Musikstücke Paraphrasen spielte, also Fantasien entlang der Melodien und Themen mit aberwitzig schnellen und schwierigen Verzierungen. Insbesondere die Damenwelt lag ihm zu Füßen und entwickelte eine fast groteske Fankultur. Liszts Kompositionen wiesen weit voraus, so dass man in ihm einen Wegbereiter der Moderne sehen kann. Außerdem hatte Liszt über 400 Klavierschüler, welche die Grundlagen des modernen Klavierspiels in Europa verbreiteten. Sogar die erste Klavierlehrerin meiner Frau war eine sog. Enkelschülerin Liszts. Hören wir heute auf der Klassikliste eines der bekanntesten Werke Liszts, den Liebestraum Nr. 3 – überaus emotionale, hochromantische Musik.
Es spielt ebenfalls ein wahrer Tausendsassa auf dem Klavier, der das Werks Franz Liszts im 20. Jahrhundert in Europa wieder bekannt machte: der ungarische Pianist György Cziffra (1921–1994, sprich „Ziffra“). Er geriet im 2. Weltkrieg zwischen die Fronten, wurde mehrfach verfolgt und interniert. Erst 1956 gelang ihm die Flucht aus dem stalinistischen Ungarn nach Wien, wo mit einem sensationellen Konzert seine große Karriere begann. Frankreich wurde seine neue Wahlheimat, weshalb er den Vornamen Georges annahm. Im November wäre er 100 Jahre alt geworden. Wir werden noch einiges von ihm hören.
Heute vor 230 Jahren ist Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791) in Wien im Alter von knapp 36 Jahren an „hitzigem Frieselfieber“ verstorben. Er war einer der größten Musiker und Musikanten, die in unserem Kulturkreis je gelebt haben – ein wahres Genie, das in allen musikalischen Bereichen unsterbliche Meisterwerke geschaffen hat, gesegnet mit unfassbarer Musikalität, unerschöpflichem Einfallsreichtum und unermüdlicher Schaffenskraft. Die Medizin war damals noch nicht entwickelt, die Hygiene schlecht, auch als Erwachsener konnte man an einer Infektion jederzeit sterben.
Mozart starb, während er eine Totenmesse komponierte, die Graf Franz von Walsegg in Auftrag gegeben hatte. Eine solche Messe wird auch Requiem genannt, und zwar nach dem lateinischen Textbeginn: „Requiem aeternam dona eis, Domine, / et lux perpetua luceat eis.“ dt. „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, / und das ewige Licht leuchte ihnen.“ – was sich natürlich auf die Verstorbenen bezieht. So beginnt der Introitus, der sog. Eingangsgesang, und ich finde, dass Mozart hier musikalisch den Übergang der Seele von der irdischen in die geistige Welt gestaltet hat.
Auf der Klassikliste hören wir heute also den Introitus aus dem Requiem KV 626 von Wolfgang Amadé Mozart. Es singt der Monteverdi Choir, es spielen die English Baroque Soloists unter Leitung von Sir John Eliot Gardiner. Auch danach besteht das Requiem aus Musik von großem Ernst und berührender Schönheit, wie auf der Ergänzungsliste zu hören. Zu Nicht-Pandemie-Zeiten führen viele Chöre am 5. Dezember Mozarts Requiem auf – ich wünsche jedem eine Gelegenheit, einmal mitzusingen.
Und noch etwas: 1984 wurde Amadeus gedreht, ein berühmter Mozart-Film, der mich damals sehr fasziniert hat. Der Hofkapellmeister Antonio Salieri beschreibt das Leben Mozarts, seines genialen Kontrahenten. Darin gibt es eine Szene, in der Mozart schwerkrank das Confutatis aus dem Requiem komponiert und – völlig frei erfunden – Salieri die Noten diktiert. Sechs Minuten faszinierender Film zeigen, wie wir modernen Menschen uns den Schaffensprozess eines Genies im 18. Jahrhundert vorstellen:
https://www.youtube.com/watch?v=USe-wZ0AOQQ Eine brillante Szene!
Maria Ferschl (1895–1982), eine österreichische Lehrerin und Dichterin, verfasste 1954 den Text des wunderbaren Adventslieds „Wir sagen euch an den lieben Advent“, das sowohl in der katholischen Kirche als auch der evangelischen Kirche bekannt ist. Die Melodie stammt von Heinrich Rohr (1902–1997), einem katholischen Kirchenmusiker.
Auf der Klassikliste hören wir eine Fassung der Wiltener Sängerknaben aus Innsbruck, die das Lied mit kindlicher Frömmigkeit singen. Die Aufnahme stammt von 1995 und beginnt mit einem Glockengeläut.
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