Seit über 35 Jahren höre ich nun intensiv klassische Musik, aber noch nie habe ich das Violinkonzert des finnischen Komponisten Jean Sibelius gehört. Erst als vor einigen Wochen ein Kollege von einem Konzertbesuch schwärmte, habe ich mal meine Sammlung durchforstet – und gleich drei Aufnahme gefunden. Es ist großartige Musik, ein spätromantisches Werk mit emotional weit gespannten Bögen! Bei der Uraufführung 1904 in Helsinki fiel es beim Publikum zunächst durch, vermutlich weil der Solist ihm technisch nicht gewachsen war. Erst als es die großen Geiger des beginnenden 20. Jahrhunderts – Jascha Heifetz und David Oistrach – spielten, setzte es sich durch und fand Aufnahme ins heutige Standardrepertoire.
Hören wir auf der Klassikliste den überschäumenden Finalsatz des Violinkonzerts d-Moll op. 47 von Jean Sibelius (1865–1957). Es spielt die fantastische georgische Geigerin Lisa Batiashvili (geb. 1979), die seit vielen Jahren in München lebt. Begleitet wird sie von der Staatskapelle Berlin, dem Orchester der Staatsoper unter den Linden, unter Leitung von Daniel Barenboim. Auf der Ergänzungsliste gibt es das gesamte Konzert – 30 Minuten sehr hörenswerte Musik. Also: Es gibt immer etwas zu entdecken!
Heute vor 32 Jahren bin ich nachmittags zum Vorspielen nach Tübingen gefahren. Als Schüler der 13. Klasse stand ich vor der mündlichen Abiturprüfung, aber mein Musiklehrer war der Gründungsdirigent der StudPhil und wusste, dass für die geplante Konzertreise nach Italien noch ein Posaunist gesucht wurde. So stand ich nun um 18:00 Uhr vor der 1. Probe der Studentenphilharmonie Tübingen im Sommersemester 1990 inmitten all der Studenten, und die Posaunisten schickten mich nach vorn, die Noten zu holen. Die Notenwartin fragte mich nach meinem Namen, ein Gespräch entwickelte sich – da nahm das Schicksal seinen Lauf. Wir wussten noch nicht, dass wir neun Jahre später heiraten würden und auf den Tag genau zehn Jahre später unsere erste Tochter auf die Welt kommen würde.
Auf dem Programm stand damals unter anderem die Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120 von Robert Schumann (1810–1856), ein etwas düsteres Werk der deutschen Romantik. Im 4. Satz gibt es eine langsame Einleitung, in der die Posaunengruppe ein geheimnisvolles Solo hat, bei dem es einem „eiskalt den Rücken runter läuft“, wie der Dirigent einmal sagte. Es ist die Überleitung zum ausgelassenen und geradezu erlösten Finale in D-Dur.
Auf der Klassikliste hören wir diesen 4. Satz, es spielt das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Leitung von Günter Wand. Auf der Ergänzungsliste gibt es die gesamte Sinfonie – ein Meisterwerk von Robert Schumann, das er 1841 zum Geburtstag seiner Frau Clara komponiert hat.
Heute gibt es ganz wunderbare Musik – über 400 Jahre alt und von einem Komponisten, der den meisten unbekannt sein dürfte: Johannes Eccard (1553–1611) war ein Musiker an der Wende der Renaissance zum beginnenden Barock: Er war zunächst Sängerknabe in Weimar, später Sänger unter dem großen Orlando di Lasso in München. Dann unternahm er eine Studienreise nach Venedig. In Diensten des Markgrafen Georg Friedrich I. von Brandenburg-Ansbach wurde er im preußischen Königsberg Vizekapellmeister und später Kapellmeister. 1608 wurde er als kurfürstlicher Kapellmeister und Domkantor an den Hof nach Berlin berufen. Er hinterließ uns geistliche und weltliche Motetten und Lieder. Die Sammlung Preussische Fest-Lieder wurde erst 1642 und 1644 in Königsberg herausgegeben, also 30 Jahre nach seinem Tode.
Hören wir daraus auf der Klassikliste die sechsstimmige deutsche Motette „Zu dieser österlichen Zeit“ von Johannes Eccard. Der Text findet sich hier. Es singt das Vokalensemble Opella Musica begleitet von Streichern, Continuo und Zink sowie Posaune des Ensembles NOEMA. Auf der Ergänzungsliste gibt es von derselben CD die Werke „Der große Tag des Herrn“ und „Christ ist erstanden“.
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