Frauen wurde über Jahrhunderte hinweg abgesprochen, komponieren zu können. Sie wurden von Vätern, Brüdern und Ehemännern am Komponieren gehindert, sie durften ihre Werke nicht veröffentlichen, die Kompositionen wurden unterdrückt oder gar vernichtet. Überliefert sind Zitate wie: „Reproduktives Genie kann dem schönen Geschlecht zugesprochen werden, wie ein produktives ihm unbedingt abzuerkennen ist.“ des Dirigenten Hans von Bülow (1830–1894) oder: „Komponieren ist nun einmal Männersache und daran ist nicht zu rütteln.“ von Richard Strauss (1864–1949). Auf der Wikipedia gibt es einen sensationellen Artikel über Frauen in der Musik, in dem dargestellt wird, dass Frauen überall und zu jeder Zeit musikalisch schöpferisch tätig waren, aber bei uns „erst seit Ende des 20. Jahrhunderts aus dem Schatten der männlichen Kollegen“ treten. Die feministische Musikwissenschaft erforscht Leben und Werk von Komponistinnen aller Epochen.
Während Fanny Hensel (1805–47) und Clara Schumann (1819–96) durch ihren Bruder bzw. Mann bekannt sind, ist Emilie Mayer (1812–83) weiterhin fast vergessen. Als Apothektertochter in der Mecklenburgischen Provinz lernte sie früh Klavier, später nahm sie Kompositionsunterricht in Stettin und Berlin. Sie komponierte und unternahm Konzertreisen z. B. nach Wien, Halle, Hamburg. Emilie Mayer gilt nicht nur als erste hauptberufliche deutsche Komponistin, sondern auch als erste Sinfonikerin, denn sie komponierte u. a. acht Sinfonien, die „in zahlreichen Städten aufgeführt wurden“. Das Fono Forum bezeichnete Mayer im Heft 2/23 als „größte Komponistin der Musikgeschichte“. Ihr Werk umfasst Vokal-, Orchester-, Kammer- und Klaviermusik. Allerdings ist nur wenig davon veröffentlicht, und es gibt bisher nur 10 CDs mit Werken von ihr.
Hören wir auf der Klassikliste heute den langsamen Satz Un poco adagio aus dem Klavierkonzert B-Dur von Emilie Mayer, die heute vor 211 Jahren geboren wurde. Es spielt die Neubrandenburger Philharmonie unter Leitung von Sebastian Tewinkel. Auf der Ergänzungsliste kann man das gesamte Klavierkonzert finden.
Heute wäre Johannes Brahms (1833–1897) 190 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hören wir auf der Klassikliste aus seiner heiteren Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73 den wunderbaren 3. Satz Allegretto grazioso. Es spielen die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Claudio Abbado. Bei der Uraufführung 1877 war das Publikum in Wien so begeistert, dass dieser Satz sogar wiederholt werden musste. Brahms schrieb an seinen Verleger: „Das Orchester hier hat mit einer Wollust geübt und gespielt und mich gelobt, wie es mir noch nicht passiert ist!“
Der Musikkritiker Eduard Hanslick (1825–1904) schrieb: „Brahms’ neue Symphonie leuchtet in gesunder Frische und Klarheit; […] Allenthalten zeigt sie neue Gedanken und doch nirgends die leidige Tendenz, Neues im Sinne von Unerhörtem hervorbringen zu wollen. […] Als ein unbesiegbarer Beweis steht dies Werk da, daß man (freilich nicht jedermann) nach Beethoven noch Symphonien schreiben kann […].“ Im „Musikstreit des 19. Jahrhunderts“ war das die Position der sogenannten Brahmsianer, die meinten, dass Musik keines außermusikalischen Programms bedürfe, sondern als absolute Musik für sich stehe. Richard Wagner und die Wagnerianer hielten das für eine Fehlentwicklung, sie sahen die Zukunft im Musikdrama mit einem außermusikalischen Programm. Wagner kritisierte an Brahms eine „gewisse zähe Melodik“ und lästerte über „kleinliches Melodien-Häcksel“. Über diese Kontroverse können wir heute nur irritiert die Stirn runzeln.
Auf der Ergänzungsliste gibt es wie immer die gesamte Sinfonie, die meine Frau 1988/89 in ihrem ersten Semester in der Studentenphilharmonie gespielt hat – und unsere Tochter genau 30 Jahre später.
Im Volksglauben tanzen in der Nacht des 30. April die Hexen auf dem Brocken im Harz, auch Blocksberg genannt. Über die Jahrhunderte haben sich verschiedene Volksbräuche entwickelt: z. B. nächtliches Peitschenknallen, Glockenläuten und große Maifeuer, um Hexen und böse Geister zu vertreiben.
Natürlich haben wilde Hexentänze die Phantasie vieler Musiker angeregt, und so gibt es ganze Reihe von Vertonungen dieser Idee. Beispielsweise trägt der 2. Satz der Sinfonie Nr. 8 A-Dur op. 205 von Joachim Raff (1822–1882) die Bezeichnung „In der Walpurgisnacht“. Raff war ein sehr vielseitiger und überaus produktiver schweizerisch-deutscher Komponist, der im 19. Jahrhundert sehr beliebt war und in einem Atemzug mit Brahms und Wagner genannt wurde.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste den genannten 2. Satz in einer Aufnahme der Bamberger Symphoniker unter Leitung von Hans Stadlmair.
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