Heute würde der kanadische Pianist Glenn Gould (1932–1982) seinen 90. Geburtstag feiern. Er war unter allen Ausnahmepianisten des 20. Jahrhunderts vermutlich der außergewöhnlichste. Seine Mutter brachte ihm das Klavierspielen bei und verlangte, dass er mitsingen solle – eine Angewohnheit, die er auch später nicht mehr ablegte. Er tauchte seine Hände vor und während des Spielens in heißes Wasser, er saß auf einem niedrigen Stuhl mit abgesägten Beinen, er lebte sehr zurückgezogen und kommunizierte mit der Außenwelt lange nur übers Telefon usw. Viele seiner Verhaltensweisen bringen Psychologen heute mit einem möglichen Asperger-Syndrom in Verbindung.
Gould ist vor allem wegen seiner Bach-Interpretationen legendär, und vielen gilt er noch immer als größter Interpret der Werke Johann Sebastian Bachs. Er besaß die Gabe, die einzelnen Stimmen im polyphonen Satz zum Sprechen zu bringen, wodurch ein komplexer wechselseitiger Dialog entsteht.
Hören wir auf der Klassikliste die Sarabande aus der Partita Nr. 1 B-Dur BWV 825, die ich besonders liebe. Auf der Ergänzungsliste ist Glenn Gould mit der gesamten Partita zu hören.
Um einen optischen Eindruck zu gewinnen: Hier spielt Glenn Gould eine langsame Fuge aus dem 2. Buch des Wohltemperierten Klaviers: https://www.youtube.com/watch?v=Mia9woisQZo

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