Aus Anlass des Todes der Großmutter wenden wir uns heute der Chormusik zu: Der Choral „Befiehl du deine Wege“ wird traditionell auf Beerdigungen gesungen. Der Text stammt von Paul Gerhardt (1607–1676), einem evangelischen Pfarrer, der viele fromme, innige Kirchenlieder gedichtet hat und so zum bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter geworden ist. Die Lieder „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, „Ich steh an deiner Krippen hier“, „Nun ruhen alle Wälder“, „Wie soll ich dich empfangen“ wurden zum Beispiel von ihm gedichtet und haben meist 6, 8 oder sogar 12 Strophen, von denen oft nur die ersten bekannt sind.
Der Text von Paul Gerhardt wird auf verschiedene Melodien gesungen, auch auf die Melodie von Hans Leo Haßler aus dem Jahr 1601 (als der Text noch gar nicht exisiterte). Diese Fassung ist so berühmt geworden, weil Johann Sebastian Bach aus ihr einen vierstimmigen Choral gesetzt hat, den er in die Matthäus-Passion – das größte und bedeutendste Kirchenmusikwerk überhaupt – aufgenommen hat. Ich habe die Matthäus-Passion vor ungefähr 25 Jahren selbst in einem Chor in Tübingen in der Stiftskirche mitgesungen – ein riesiges Erlebnis, und wer kann, sollte auch einmal ein großes Werk von Bach im Chor mitsingen.
Auf der Klassikliste wird der Choral „Befiehl du deine Wege“ vom Hilliard Ensemble gesungen, einem der besten Gesangsensembles der Welt. Hier werden die Frauenstimmen – wie zu Bachs Zeit vermutlich auch – von Männern gesungen, sogenannten Countertenören, die in der sog. Kopfstimme singen. Darüber, wie schnell Bachchoräle zu singen sind, gibt es übrigens einen langen Streit. Früher hat man sie langsam und sehr getragen gesungen, heute singt man sie meist sehr rasch. Drei weitere Fassungen in unterschiedlichen Tempi finden sich auf der Ergänzungsliste.

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