Als Johann Sebastian Bach 1723 Kantor der Thomaskirche in Leipzig wurde, war er für die Musik in den vier Hauptkirchen der Stadt verantwortlich. Seine wichtigste Aufgabe war die Vorbereitung und Aufführung einer Kantate an jedem Sonn- und Feiertag. Er musste also wöchentlich eine Kantate komponieren, dazu Oratorien, Passionsmusiken und Auftragswerke. Zwei komplette Jahrgänge von Kantaten sind noch erhalten, einiges ist vermutlich verlorengegangen. Bach hat sich auch damit beholfen, dass er schon vorhandene Werke umgearbeitet hat, indem Musik und Text verändert und angepasst wurden. Das war damals üblich, der Fachbegriff für dieses Verfahren heißt Parodie.
Die 3. Kantate des Weihnachtsoratoriums BWV 248 von Johann Sebastian Bach (1685–1750) ist für den 3. Weihnachtsfeiertag am 27.12. vorgesehen. Die Weihnachtsgeschichte wird darin mit der Anbetung der Hirten abgeschlossen. Herrlich ist das innige Duett von Sopran und Bass „Herr, Dein Mitleid, Dein Erbarmen“. Der Eingangschor „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“ preist mit prächtigem Trompetenklang Gott den Allmächtigen. Bach hat diesen Chor umgearbeitet, vorher war es der Schlusschor der weltlichen Kantate „Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!“ BWV 214, die er ein Jahr zuvor für Maria Josepha, der Kurfürstin von Sachsen, zum Geburtstag komponiert hat.
Auf der Klassikliste hören wir heute den Chor in der Fassung aus dem Weihnachtsoratorium, es singt die Gächinger Kantorei, begleitet vom Bach-Collegium Stuttgart, in dem Thomas Gehring häufig mitgespielt hat. Die Leitung hat der bekannte Stuttgarter Dirigent Helmuth Rilling. Meine Frau und ich, wir haben die 1, 3. und 6. Kantate des Weihnachtsoratoriums während des Studiums in meinem ehemaligen Schulchor in der Stiftskirche Herrenberg gesungen – Antonius Dewes war Solo-Bassist, die Leitung hatte Annette Dewes.
Auf der Ergänzungsliste ist die weltliche Fassung des Chors unter dem Titel „Blühet, ihr Linden in Sachsen, wie Zedern“ in einer modernen, raschen Fassung zu finden.

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