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Johann Sebastian Bachs Vertonung der Passionsgeschichte von Jesus von Nazareth nach dem Evangelium von Matthäus stellt einen Höhepunkt der abendländischen Musikgeschichte dar. In der knapp dreistündigen Matthäus-Passion BWV 244 aus dem Jahre 1727 wird die Geschichte vom letzten Abendmahl bis zum Tod am Kreuz in überaus berührender und dramatischer Weise erzählt – eine sehr effektvolle Darstel­lung, würde man heute sagen.
Der Tod Jesu soll gegen drei Uhr nachmittags eingetreten sein, weshalb alle Kirchen­glocken zu dieser Zeit läuten. Danach heißt es in der Luther-Übersetzung bei Matthäus 27,51f.: „Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. [Gemeint ist der Vorhang, der in jüdischen Tempeln den heiligen vom weltlichen Bereich trennt, Gott zeigt sich also unmittelbar den Menschen.] Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, [Es hat sich ein Erdbeben ereignet.] und die Gräber taten sich auf und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen. [Verstorbene erschienen lebenden Menschen, und angesichts der außergewöhnlichen Ereignisse gelangen die Wachleute als erste zur Einsicht in die göttliche Natur Jesu:] Als aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus bewachten das Erdbeben sahen und was da geschah, erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“
Nach zweieinhalb Stunden intensiver Musik geht bei diesem kurzen herrlichen Chor der Himmel auf, und es läuft einem eiskalt den Rücken herunter!
Dieses Werk muss man einmal ganz gehört haben, noch besser: Man sollte es selbst einmal in einem Chor mitsingen. Auf der Klassikliste gibt es eine Stuttgarter Einspielung von der Gächinger Kantorei unter der Leitung von Helmuth Rilling. Den Evangelisten singt Michael Schade. Die Aufnahme wurde übrigens 1994 in der Stadthalle Sindelfingen gemacht.

Als Johann Se­bas­tian Bach 1723 Kan­tor der Thomas­kirche in Leip­zig wurde, war er für die Musik in den vier Haupt­kir­chen der Stadt ver­ant­wort­lich. Seine wichtig­ste Auf­gabe war die Vor­be­rei­tung und Auf­füh­rung einer Kan­ta­te an jedem Sonn- und Feier­tag. Er muss­te also wöchent­lich eine Kan­ta­te kom­po­nie­ren, dazu Ora­to­ri­en, Passions­musi­ken und Auf­trags­werke. Zwei kom­plet­te Jahr­gän­ge von Kan­ta­ten sind noch er­hal­ten, eini­ges ist ver­mut­lich ver­lo­ren­ge­gan­gen. Bach hat sich auch da­mit be­hol­fen, dass er schon vor­han­de­ne Wer­ke um­ge­arbei­tet hat, in­dem Musik und Text ver­ändert und an­ge­passt wur­den. Das war da­mals üb­lich, der Fach­be­griff für dieses Ver­fahren heißt Paro­die.
Die 3. Kan­ta­te des Weihnachts­oratori­ums BWV 248 von Johann Sebas­tian Bach (1685–1750) ist für den 3. Weih­nachts­feiertag am 27.12. vor­ge­sehen. Die Weih­nachts­ge­schich­te wird da­rin mit der An­be­tung der Hir­ten ab­geschlos­sen. Herr­lich ist das inni­ge Duett von Sopran und Bass „Herr, Dein Mit­leid, Dein Er­bar­men“. Der Ein­gangs­chor „Herr­scher des Himmels, er­hö­re das Lal­len“ preist mit prächti­gem Trompeten­klang Gott den All­mächti­gen. Bach hat diesen Chor um­ge­arbei­tet, vor­her war es der Schluss­chor der welt­lichen Kan­ta­te „Tönet, ihr Pau­ken! Er­schal­let, Trom­pe­ten!“ BWV 214, die er ein Jahr zu­vor für Maria Jose­pha, der Kur­fürs­tin von Sachsen, zum Ge­burts­tag kom­po­niert hat.
Auf der Klassik­liste hören wir heute den Chor in der Fas­sung aus dem Weih­nachts­orato­ri­um, es singt die Gächin­ger Kan­to­rei, be­glei­tet vom Bach-Colle­gi­um Stutt­gart, in dem Tho­mas Geh­ring häu­fig mit­ge­spielt hat. Die Lei­tung hat der be­kann­te Stutt­gar­ter Diri­gent Hel­muth Ril­ling. Mei­ne Frau und ich, wir ha­ben die 1, 3. und 6. Kan­ta­te des Weih­nachts­orato­ri­ums wäh­rend des Stu­di­ums in mei­nem ehe­mali­gen Schul­chor in der Stifts­kirche Herren­berg ge­sungen – Anto­ni­us Dewes war Solo-Bassist, die Lei­tung hatte Annette Dewes.
Auf der Ergänzungs­liste ist die welt­liche Fas­sung des Chors unter dem Titel „Blühet, ihr Lin­den in Sachsen, wie Ze­dern“ in einer modernen, raschen Fassung zu finden.