Dass Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Kapellmeister des Gewandhausorchesters in Leipzig war, wissen wir schon, siehe #89. Als solcher hat er 1839 vom Rat der Verlagsstadt Leipzig den Auftrag erhalten, anlässlich der Vierhundertjahrfeier der Buchdruckerkunst ein sinfonisches Werk mit Chor zu schreiben. Ganz in der Tradition Bachs, aber im romantischen Stil hat Mendelssohn eine große sinfonische Kantate auf verschiedene Texte der Bibel komponiert, die die Überwindung der Dunkelheit und die Hinwendung zum göttlichen Licht thematisieren. Diese Kantate wurde heute vor 183 Jahren in einem Festkonzert in der Thomaskirche mit großem Erfolg uraufgeführt und war fortan Mendelssohns populärstes Werk. Wegen seiner langen sinfonischen Einleitung wurde das Werk nach seinem Tod fälschlich als Sinfonie eingeordnet und als „verunglückte Imitation der Neunten Symphonie“ Beethovens kritisiert. Aber das ist ein Missverständnis, das heute weitgehend korrigiert ist.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste das herrliche Duett „Ich harrete des Herrn“ aus Mendelssohns „Lobgesang“ op. 52. Es singen Lucy Crowe und Jurgita Adamonyté, begleitet vom London Symphony Orchester unter Leitung von Sir John Eliot Gardiner. Auf der Ergänzungsliste findet sich die gesamte Kantate (ohne sinfonische Einleitung) – sehr tröstliche Musik, die aufrichten und stärken kann, wenn es einem einmal schlecht geht.
Michail Pletnev (geb. 1957) ist einer der bedeutendsten Pianisten und Dirigenten der Gegenwart, der auf der ganzen Welt gefeiert wird. Er spricht zehn Sprachen und kann einfach alles spielen, und immer mit Herz und Sinn – fantatisch! Aus der berühmten „Russischen Schule“ stammend, die Mutter selbst Pianistin, konnte er früh alles Nötige lernen. Mit 21 Jahren hat er den 1. Preis beim renommierten Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau gewonnen, der alle vier Jahre ausgetragen wird, wobei der 1. Preis nicht immer vergeben wird.
Später hat er sich auch dem Dirigieren zugewandt und 1990 in Moskau ein politisch unabhängiges Orchester gegründet, mit dem er zahlreiche ausgezeichnete Einspielungen gemacht hat. Seit dem Krieg kann er mit seinem Orchester nicht mehr arbeiten. Inzwischen hat mit dem Rachmaninoff International Orchester einen neuen Klangköper gegründet, in dem russische, ukrainische und andere ost- und mitteleuropäische Musiker spielen. In einem seiner seltenen Interviews hat er gesagt: „Aber Putin ist nicht der Grund für das Problem, sondern die Folge. Das Problem ist, dass Russland seinen Weg zur Demokratie noch nicht gemacht hat.“
Hören wir heute auf der Klassikliste den „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ op. 65 Nr. 6 von Edvard Grieg (1843–1907), den unser Sohn gerade täglich übt. Von zahllosen anderen Einspielungen hat Pletnev das Tempo für meinen Geschmack am besten getroffen. Troldhaugen hieß übrigens Griegs Wohnhaus südlich von Bergen in Norwegen, in dem sich heute ein Grieg-Museum befindet.
Richard Strauss (1864–1949) wurde heute vor 159 Jahren in München geboren. Sein Vater Franz Strauss war Solo-Hornist am Hoforchester München, siehe #121. Richard begann mit 6 Jahren zu komponieren. Mit 18 Jahren – mitten im Studium – schrieb er für den Vater ein Hornkonzert. Warum es erst drei Jahre später im Thüringischen Meiningen und nicht durch den Vater in München uraufgeführt wurde, wissen wir nicht. Das Konzert besteht aus drei Sätzen, die zusammengenommen als großer Sonatenhauptsatz begriffen werden können und direkt ineinander übergehen. Stilistisch gehört das Konzert eindeutig zur Romantik, während Strauss schon bald sehr avantgardistisch komponierte und die Grenzen der Tonalität überschritt. Es zählt heute zum Standardrepertoire und wird oft aufgeführt.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste den 1. Satz Allegro mit seinem markanten Kopfmotiv, einem Signalruf, wie er in Hornkonzerten häufig vorkommt. Am Horn hören wir Peter Damm, der 1937 eben in Meiningen geboren wurde und der bedeutendste Hornist der ehemaligen DDR war. Er besaß einen wunderbaren Ton, war Solo-Hornist im Gewandhausorchester Leipzig, später der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Horn-Professor an der Musikhochschule in Dresden. Es begleitet die Staatskapelle Dresden unter Leitung von Rudolf Kempe (1910–76). Auf der Ergänzungsliste findet sich das gesamte Konzert – 15 Minuten herrliche Musik.
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