In der Romantik besteht eine große Sehnsucht nach einer harmonischen Vereinigung von Erde und Himmel, Natur und Kunst, Rationalität und Empfindung in einer magischen All-Einheit. Es geht um die Einheit alles Lebendigen in Liebe und Poesie. Die Nacht und der Wald sind typische romantische Sehnsuchtsorte, und Johann Gabriel Seidl (1804–1875) feiert beide in seinem wunderbaren Gedicht „Nachtgesang im Walde“ mit der Anfangsstrophe: „Sei uns stets gegrüßt, o Nacht! / Aber doppelt hier im Wald, / Wo dein Aug’ verstohlner lacht, / Wo dein Fußtritt leiser hallt!“ In der genialen Vertonung von Franz Schubert (1797–1828) singt das ein Männerquartett, das – passend zum „Hörnergetön“ – von einem Waldhornquartett begleitet wird.
Auf der heutigen Klassikliste hören wir den „Nachtgesang im Walde“ D 913 von Franz Schubert aus dem Jahre 1827 in einer Aufnahme der vielfach ausgezeichneten Camerata Musica Limburg unter Leitung von Jan Schumacher. Herrliche Musik – romantischer geht’s nicht!
Hörner wurden früher aus Schnecken- und Muschelgehäusen, aus Tierhörnern, Knochen, Holz und Terracotta, später aus Metall gefertigt und jahrtausendelang ohne Ventile gespielt. So konnte man die Naturtöne spielen, die Töne dazwischen ließen sich nur mehr oder weniger gut durch „Verstopfen“ des Schalltrichters bilden, der sog. Stopftechnik. Als die Ventile erfunden waren, setzte sich um 1850 das Ventilhorn, wie wir es heute kennen, durch, mit dem alle Töne in fast gleicher Tonqualität erzeugt werden können. Seitdem nennt man die früheren Instrumente Naturhörner.
Ein großer Meister auf dem Naturhorn war der Franzose Louis François Dauprat (1781–1868), der am Pariser Konservatorium den „Premier Prix“ gewann. In der Folge wurde er Solohornist in verschiedenen Pariser Spitzenorchestern und Professor am Konservatorium. Er komponierte Hornmusik für seine eigenen Auftritte und für den Unterricht. Heute vor 155 Jahren ist Dauprat 87-jährig in Paris verstorben.
Hören wir heute auf der Klassikliste den Finalsatz Allegro moderato aus Dauprats bekanntestem Werk, dem Sextett op. 10 für sechs Hörner in verschiedenen Stimmungen, das er „son Camerades“, vermutlich seiner Hornklasse, gewidmet hat. Wir hören das spanische Naturhornensemble corniloquio. So könnte das damals geklungen haben, die Stopftechnik ist gut hörbar. Auf der Ergänzungsliste gibt es dasselbe Werk von den Detmolder Hornisten auf modernen Ventilhörnern.
Nachdem Finnland über Jahrhunderte zu Schweden gehörte, wurde es in verschiedenen Kriegen durch das Russische Zarenreich besetzt. 1809 hat der Zar das Großfürstentum Finnland errichtet und mit Autonomierechten ausgestattet. Auf das Erstarken des finnischen Nationalbewusstseins Ende des 19. Jahrhunderts folgte eine Russifizierung und engere Anbindung Finnlands an Russland. Finnische Intellektuelle protestierten gegen russische Zensurverschärfungen mit Musik- und Theateraufführungen, die sie „Pressefeiern“ nannten. Für eine Aufführung „lebender Bilder aus der finnischen Vergangenheit und Mythologie“ komponierte der finnische Komponist Johan Julius Christian Sibelius (1865–1957), genannt Janne oder Jean Sibelius, eine sechsteilige Suite. Das letzte Stück hatte riesigen Erfolg, weshalb Sibelius es herauslöste, umarbeitete und mit dem programmatischen Titel „Suomi“ (= „Finnland“) versah. Diese Fassung wurde am 2. Juli 1900, heute vor 123 Jahren, in Helsinki uraufgeführt. Durch die Tournee des Orchesters wurde die Sinfonische Tondichtung unter dem Titel „Finlandia“ europaweit bekannt, und noch heute ist es Sibelius’ populärstes Werk.
Hören wir auf der Klassikliste heute die „Finlandia“ op. 26 von Jean Sibelius. Es spielt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Mariss Jansons (1943–2019).
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