Heute vor 236 Jahren wurde in Prag Mozarts Oper Il dissoluto punito ossia Il Don Giovanni KV 527 (dt. Der bestrafte Wüstling oder Don Giovanni) mit riesigem Erfolg uraufgeführt. Don Giovanni ist ein Meisterwerk in allen Belangen und wird immer wieder als „Oper aller Opern“ bezeichnet. Durch die Mischung verschiedener Stile, den Verstoß gegen damalige Konventionen und insbesondere die unstandesgemäße Behandlung des Personals erreicht Mozart eine „durchgängige Mehrdeutigkeit“, die vielfältige Interpretationen ermöglicht und zu einer nicht enden wollenden Auseinandersetzung herausfordert. So gibt es von Don Giovanni unzählige Bücher, Aufnahmen und Verfilmungen.
Die Handlung ist eigentlich grausig: In vielen Büchern wird Don Giovanni beschönigend als Frauenheld bezeichnet, heute würde man eher von einem Sexualstraftäter sprechen, der in gewissenloser, krankhafter Weise Frauen nachstellt und dabei am Vater von Donna Anna, dem Komtur, sogar einen Mord begeht. Es kommt zu einer fantastischen Szenenfolge mit Intrigen und Verwechslungen, in der die gesamte Gesellschaft auf den Kopf gestellt und die Grenze zwischen Tragödie und Komödie ständig überschritten wird. Beeindruckend ist der doppelte Schluss, wo Don Giovanni vom Geist des Komturs in einer hochdramatischen Szene zunächst für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wird und zur Hölle fährt – worauf unmittelbar in Dur der heitere Komödienschluss mit seiner beruhigenden Moral folgt.
In #71 haben wir bereits den charmanten Don Giovanni im Liebesduett mit Zerlina kennengelernt, heute hören wir auf der Klassikliste die berühmte Champagner-Arie „Fin ch’han da vino“, in der Don Giovanni von Mozart als sinnenfroher, völlig maßloser und dämonisch getriebener Charakter vorgestellt wird, der er in halsbrecherischer Geschwindigkeit seinem Diener Leporello Anweisungen für ein Fest gibt, das noch am selben Abend stattfinden soll. Wir hören den norwegischen Bariton Johannes Weisser als Don Giovanni, begleitet vom Freiburger Barockorchester unter Leitung des belgischen Dirigenten René Jacobs.
Bleiben wir in Frankreich. Einige Jahrzehnte vor Dukas war François-Adrien Boieldieu (1775–1834) Professor für Komposition am Pariser Konservatorium, der seinerzeit vor allem für seine 40 Opern bekannt war. Aber er hat auch ein besonders hübsches Werk geschrieben, das heute noch immer regelmäßig aufgeführt wird: das Konzert für Harfe in C-Dur aus dem Jahr 1801, eine wahre Rarität für ein wunderbares Instrument, das ich sehr mag. Boieldieu war mit dem berühmten Klavier- und Harfenbauer Sébastien Érard bekannt und hat hier vermutlich entscheidende Anregungen für verschiedene Harfenstücke erhalten. Heute vor 189 Jahren ist Boieldieu gestorben.
Noch heute ist Frankreich das führende „Harfenland“, sowohl was den Harfenbau als auch was das Harfenspiel angeht. Viele bedeutende Harfenistinnen stammen aus Frankreich, so auch Anaïs Gaudemard (geb. 1991), die als Solistin weltweit auftritt. Sie hat 2016 ihre CD mit verschiedenen Harfenkonzerten ausgerechnet in Rouen aufgenommen, Boieldieus Geburtsstadt. Hören wir also heute auf der Klassikliste den Schlusssatz, ein Rondeau, aus dem Konzert für Harfe in C-Dur von François-Adrien Boieldieu, gespielt von Anaïs Gaudemard und begleitet vom Orchestre de l’Opéra de Rouen Normandie unter Leitung von Leo Hussain. Auf der Ergänzungsliste ist das gesamte Harfenkonzert zu hören.
Der französische Komponist Paul Dukas (1865–1935) ist in erster Linie für ein einziges Stück bekannt, und das ist ein wahrer Geniestreich: die Vertonung von Goethes berühmter Ballade „Der Zauberlehrling“, in der ein Lehrling – als der „alte Hexenmeister“ außer Hause ist – seine Zauberkünste erprobt und großes Unheil anrichtet. Er befiehlt einem Besen, mit einem Eimer Wasser zu holen, hat aber die Formel vergessen, um den Vorgang wieder zu beenden. Selbst als er den Besen mit einem Beil in zwei Stücke hackt, laufen „beide Teile“ fort und holen Wasser. Dukas’ „L’Apprenti sorcier“ ist ein feuriges Gemälde von Klangfarben und gilt als Meisterwerk der Orchestrierung. Man hört, wie die Besen aufstehen, wie das Wasser „im Saal und auf den Stufen“ läuft und wie der Meister zurückkehrt und dem Besen Einhalt gebietet. Auch wenn das Werk oft als Orchesterscherzo bezeichnet wird, ist es eine sinfonische Dichtung. Ich habe es im Leistungskurs Musik als Musterbeispiel für Programmmusik kennengelernt.
Paul Dukas hat wie viele andere am Pariser Konservatorium studiert und war später dort selbst Professor für Komposition. Er hat leider viele seiner Werke vernichtet, wenn er mit ihnen nicht zufrieden war – sogar eine ganze Sinfonie –, so dass die Zahl der überlieferten Werke gering ist. Heute jährt sich Dukas’ Geburtstag zum 158. Male.
Hören wir ihm zu Ehren auf der Klassikliste seinen „Zauberlehrling“. Es spielen die Berliner Philharmoniker unter Leitung James Levine.
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