Heute vor 570 Jahren, am Heiligen Abend des Jahres 1453, ist der bedeutende englische Komponist John Dunstable in London gestorben (ca. 1390–1453). Wir haben kein Bildnis von ihm und wissen fast nichts über ihn, aber auf seiner Grabplatte steht, dass hier der liege, „der den Himmel in seiner Brust umschlossen hat, John Dunstaple, der Verbündete der Sterne.“
Aus heutiger Sicht stand er an der Schwelle vom Mittelalter zur Renaissance und hat der Musik durch seine Innovationen sehr wichtige Impulse gegeben. Während im Mittelalter melodische Linien vorherrschen, entstehen später durch polyphone Schichtung Akkorde. Und während im Mittelalter reine Quint-Oktav-Klänge das harmonische Gefüge bestimmen, kommen in der frühen Renaissance die weichen Terzen und Sexten hinzu. Und bei Dunstable treten nicht nur Terzen hinzu, sondern auch die Quinten, so dass etwas Neues entsteht – Dreiklänge! Er trägt damit einerseits zur Entwicklung der Dreiklangsharmonik bei, verwendet andererseits immer wieder auch gezielt Dissonanzen.
Hören wir auf der Klassikliste das Credo aus der Messe Jesu Christe Fili Dei von John Dunstable. Es singt das englische Vokalensemble Tonus Peregrinus unter der Leitung von Antony Pitts (geb. 1969). Höchst bemerkenswerte Musik aus einer völlig anderen Zeit, in der die Menschen Zeit zu haben scheinen – bitte einfach einmal in Ruhe zuhören, wie die Musik geordnet und zugleich frei dahinzieht!
Am 2. Advent 1623, heute vor 400 Jahren, wurde im preußischen Königsberg im Stadtteil Roßgarten eine Kapelle eingeweiht. Der Musiker und Pfarrer Georg Weissel (1590–1635) hat zu diesem Anlass ein neues Lied gedichtet: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, das damals aber auf eine andere Melodie gesungen wurde als heute. Achtzig Jahre später findet sich in dem berühmten Gesangbuch von Johann Anastasius Freylinghausen (1670–1739) zu diesem Text eine andere Melodie, die rasch populär wurde. In dieser Fassung findet sich das Adventslied heute in den Gesangsbüchern der evangelischen, römisch-katholischen und neuapostolischen Kirche sowie der evangelischen Freikirchen. Im Laufe der Zeit wurde es zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Adventslieder. Friedrich Silcher, Max Reger und viele andere haben dazu vierstimmige Sätze komponiert.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste alle fünf Strophen von „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ in einem Satz von Gerhard Schnitter, gesungen von einem nicht namentlich bekannten Solistenensemble.
Heute vor 100 Jahren kam in New York Maria Kalegeropoulou als Tochter griechischer Einwanderer zur Welt, die sich später einfach Callas nannten. Bei Maria Callas (1923–77) kamen verschiedene Talente zusammen, die sie zu einer Jahrhundertkünstlerin machten: zunächst eine völlig außergewöhnliche Stimme, enorm umfangreich, kräftig und vielseitig, dann eine außergewöhnliche Technik, mit der sie diese Stimme perfekt zu beherrschen lernte, dazu Disziplin, Ausdauer und Probenfleiß, aber vor allem ein überbordender Ausdruckswille gepaart mit einem enormen künstlerischen Selbstbewusstsein. So wurde Callas zur größten Opernsängerin, die wir kennen. Sie stellte ihre Rollen nicht nur dar, sondern sie „verfleischlichte“ sie geradezu, sie sang jeden Ton mit völliger Emotionalität und erreichte eine nie dagewesene Intensität des dramatischen Gesangs und der Bühnenpräsenz. Man erkennt die Callas nach zwei Sekunden, und wenn man sie hört, ergreift es einen unmittelbar.
Schon als 18-jährige Studentin sang sie die Tosca – eine enorm schwierige und anstrengende Partie. In den folgenden 15 Jahren sang sie die großen Frauenrollen der tragischen Heldinnen auf den großen Bühnen der Welt und machte zugleich sehr viele Aufnahmen – bis ihre stimmlichen Fähigkeiten Ende der 50er Jahre abnahmen, was vermutlich auf eine seltene Autoimmunkrankheit zurückzuführen ist, die die Muskulatur betrifft und möglicherweise den frühen Tod mit 53 Jahren verursachte.
Hören wir heute auf der Klassikliste Maria Callas als Tosca, eine ihrer Paraderollen, mit der berühmten Arie „Vissi d’arte“, in der sie – als sie von dem skrupellosen Polizeichef Scarpia um Liebe erpresst wird – sich völlig verzweifelt an ihren Schöpfer wendet und am Ende fragt: „In der Stunde des Schmerzes / Warum, warum, Herr, / Ah, warum entlohnst du mich auf diese Weise?“
In einer der wenigen Videoaufnahmen kann man sich einen Eindruck von ihrer gewaltigen Bühnenpräsenz machen: https://www.youtube.com/watch?v=lxNThjjuqBk
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