1879 veröffentlichte Johannes Brahms (1833–97) eine Motette, die er als „kleine Abhandlung über das große ‚Warum‘“ bezeichnete und die häufig am Totensonntag gesungen wird. Wie bereits im Deutschen Requiem, siehe #98, hat Brahms verschiedene Texte aus dem Alten und Neuen Testament zusammengestellt: aus dem Buch Hiob, den Klageliedern und dem Brief des Jakobus. Den Abschluss bildet ein Choral von Martin Luther. Wie im Requiem fehlt auch hier bewusst jeglicher Verweis auf Jesus Christus, und es bleibt eine offene Frage, wie für Brahms die Antwort auf das eindrückliche, mehrfach exponierte ‚Warum‘ lautet.
Hören wir heute auf der Klassikliste die Motette „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen?“ op. 74 Nr. 1 von Johannes Brahms. Es singt der in Mannheim ansässige Chamber Choir of Europe unter Leitung von Nicol Matt (geb. 1970), der aus dem Schwarzwald stammt und u. a. in Stuttgart studiert hat. Den Text der vierteiligen Motette findet sich hier.
Am heutigen Todestag von Franz Schubert (1797–1828) wenden wir uns seinem letzten Werk zu, der Klaviersonate B-Dur D 960. Schubert vollendete die Sonate am 26. September 1828 und spielte sie vermutlich zwei Tage später bei einer Abendveranstaltung in Wien vor. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich darauf, und Schubert starb heute vor 195 Jahren, siehe #36. Im 19. Jahrhundert galt sein Klavierwerk als unbedeutend, es wurde von Beethoven überstrahlt. Erst im 20. Jahrhundert entdeckte man die Sonaten Schuberts langsam wieder und erkannte ihre Bedeutung. Im Gegensatz zu Beethoven stellt Schubert nicht den Kontrast zweier Themen und die folgende thematische Arbeit ins Zentrum, er lässt der melodischen und harmonischen Phantasie mehr Raum und entwickelt die Themen über die Sätze hinweg fort. Die letzte Klaviersonate B-Dur zählt heute „zu den großen musikalischen Vermächtnissen, den Kunstwerken von menschlichem Rang“ (Harenberg Klavierführer). Der langsame 2. Satz Andante sostenuto gilt demnach „für die meisten Verehrer als das Erhabenste, was Schubert geschaffen hat“.
Hören wir heute auf der Klassikliste den wunderbaren 2. Satz der Klaviersonate B-Dur D 960 von Franz Schubert. Es spielt der große ungarische Pianist Géza Anda (1921–76), der heute vor 102 Jahren in Budapest geboren wurde. Auf der Ergänzungsliste findet sich die gesamte Sonate.
Heute vor 84 Jahren wurde die slowakische Sopranistin Lucia Popp (1939–1993) geboren, die zuerst Medizin und Schauspiel studierte, später auch Gesang. 1963 debütierte sie als 24-Jährige mit der Königin der Nacht in Bratislava, erhielt umgehend ein Engagement in Wien und wurde schlagartig weltberühmt. Selten hat man diese Rolle mit einer solchen Strahlkraft gehört. Ihre fantastische Technik ermöglichte ihr später den Wechsel vom Koloratursopran ins lyrische und jugendliche Stimmfach.
Hören wir heute auf der Klassikliste zum Gedenken an eine große Sängerin des 20. Jahrhunderts Lucia Popp in ihrer frühen Glanzrolle als Königin der Nacht mit der Arie „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“ aus Mozarts Zauberflöte in einer Referenzaufnahme aus dem Jahre 1964 als Teil eines Star-Aufgebots mit Otto Klemperer (1885–1973) am Pult des Philharmonia Orchestras.
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