Meine Frau und ich haben heute vor 30 Jahren auf einer Konzertreise der Studentenphilharmonie auch die Ouvertüre der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi (1813–1901) gespielt. In der Oper geht es um ein biblisches Thema, nämlich um das Streben des jüdischen Volkes nach Freiheit aus der babylonischen Gefangenschaft. Dabei steht die extreme Selbstüberschätzung des Titelhelden Nabucco im Zentrum (in der Bibel Nebukadnezar II.), der sich in der Opernhandlung selbst zu Gott machen will. Er wird daraufhin mit Wahnsinn geschlagen und erst durch die Bekehrung zum Gott der Hebräer geheilt.
Die Ouvertüre der Oper beginnt mit den drei Posaunen solo. Da muss jeder Ton „sitzen“, was bei mir damals für einigen Schweiß zwischen den Fingern gesorgt hat. In der Ouvertüre erscheint auch schon die Melodie von Va pensiero, sull’ali dorate (dt. Steig, Gedanke, auf goldenen Flügeln), dem sog. Gefangenenchor. Auf der Klassikliste präsentiere ich eine Aufnahme der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung des Italieners Giuseppe Sinopli von 1982. Den Gefangenenchor gibt es auf der Ergänzungsliste.
Wir bleiben beim Cello und hören den 3. Satz aus der Grande Sonate pour Pianoforte et Violoncelle op. 69 in A-Dur von Ludwig van Beethoven, die dieser 1807/08 für seinen Bekannten, den Freiherrn von Gleichenstein, geschrieben hat. Der Satz beginnt mit 18 langsamen Takten als Adagio cantabile und geht dann in ein strahlendes, mitreißendes Allegro vivace über.
Ich habe für die Klassikliste eine fast genau 50 Jahre alte Live-Aufnahme ausgewählt, die am 25./26. August 1970 auf dem Edinburgh-Festival entstand. Am Cello die 25-jährige Britin Jacqueline du Pré (1945–87), von der es heißt, dass sie als Vierjährige im Radio ein Cello gehört und zu ihrer Mutter gesagt habe, dass sie „auch so eins haben will“. Sie wurde zu einer der besten Cellisten des 20. Jahrhunderts. Sie wird für ihr leidenschaftliches Cellospiel und ihren fantastischen Bogenstrich geschätzt. Am Klavier der argentinisch-israelische Pianist und Dirigent Daniel Barenboim (geb. 1942), der noch heute regelmäßig mit den Berliner Philharmonikern auftritt. Die beiden hatten drei Jahre zuvor geheiratet und waren das umjubelte Traumpaar der damaligen Klassik-Szene. Leider erkrankte Jacqueline an Multipler Sklerose, musste 1973 das Cellospielen aufhören und starb traurigerweise 1987 mit nur 42 Jahren.
Auf der Ergänzungsliste kann man die gesamte Cello-Sonate hören, und zwar als Studio-Aufnahme in einer besseren Qualität (ohne Rauschen). Es spielen ebenfalls zwei Ausnahme-Künstler: Am Klavier einer der größten Pianisten des 20. Jahrhunderts, Sviatoslaw Richter (1915–1997), und am Cello Mstislaw Rostropowitsch (1927–2007), einem Lehrer von du Pré, der als einer der bedeutendsten Cellisten der Geschichte gilt. Viel Vergnügen!
An diesem Sonntag soll das Cello zu Gehör kommen. Johann Sebastian Bach hat für die „großen“ Instrumente Klavier, Violine und Violoncello jeweils Sammlungen von Solo-Stücken komponiert, die zum Größten und Bedeutendsten gehören, was es überhaupt an Musik auf dieser Welt gibt. Diese meist Suiten oder Partiten genannten Sammlungen sind ein ganzer Kosmos an Gedanken und Empfindungen, und es lohnt ein ganzes Leben, ihnen nachzuspüren und sie auszuleuchten. Über die Suiten für Violoncello solo von Bach sagte der berühmte Cellist Pablo Casals: „Sie sind die Quintessenz von Bachs Schaffen, und Bach selbst ist die Quintessenz aller Musik.“
Aus der Suite Nr. 1 für Violoncello solo G-Dur BWV 1007 hören wir auf der Klassikliste das bekannte Präludium, das der Italiener Paolo Beschi außerordentlich mitreißend vorträgt. Oftmals wird das Stück ziemlich statisch gespielt, hier wird es aber sehr lebendig und geradezu stürmisch interpretiert. Die CD mit allen sechs Cello-Suiten wurde übrigens in Italien im Saal der Villa Medici Giulini aufgenommen, was den herrlichen Klang der Aufnahme erklärt.
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