Bodo Wartkes Jazzimprovisation in den Klaviersdelikten liegt die berühmte Sonata facile KV 545 von Mozart zugrunde, die ich heute in der Originalversion präsentiere. Es ist eine kleine, bescheidene Klaviersonate – vollkommen klassisch angelegt –, deren Reiz und deren Größe gerade in ihrer Schlichtheit liegt. Technisch ist sie einfach – Sonata facile heißt ja einfache Sonate –, für einen Pianisten eine bloße Fingerübung, aber musikalisch ist sie nicht einfach, weil man sie ganz schlicht spielen muss und nichts dazumachen darf.
Auf der Klassikliste hören wir den österreichischen Pianisten Friedrich Gulda (1930–2000), der ein bedeutender Mozart-Interpret war. Das erkennt man z. B. daran, dass er die Skalen zwischen dem 1. und 2. Thema nicht hoch- und runterleiert, wie man es so oft hört, sondern „mit Sinn“ erfüllt. Gulda war ein genialer und zugleich extrem eigenwilliger Pianist, der auch gejazzt hat, großartig improvisieren konnte und über ein unfassbares Gedächtnis verfügte. Mozart hätte an der Jazzimprovisation übrigens seine helle Freude gehabt –, und wenn er anwesend gewesen wäre, hätte er Bodo womöglich vom Klavier gestoßen und es noch viel, viel bunter getrieben, denn er soll in Abendgesellschaften am Klavier allerhand Schabernack gemacht haben.
Auf der Ergänzungsliste findet sich die gesamte Sonate.
Edvard Grieg (1843–1907) war ein norwegischer Pianist und Komponist der Romantik. Er hat in allen Lebensphasen Lyrische Stücke für Klavier geschrieben – insgesamt 66 kleine, tiefgründige Miniaturen. Bei unserer Klavierlehrerin haben vermutlich alle Kinder ein Stück von ihm gespielt, manche Melodien sind sehr bekannt. Unser jüngster Sohn übt gerade den Walzer aus op. 12 von ihm, den ich heute auf die Klassikliste stelle.
Russland hat als ein Land mit einer innigen Beziehung zur Musik zu allen Zeiten hervorragende Musiker hervorgebracht. Die drei größten sowjetischen Pianisten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind Vladimir Horowitz (1903–1989), Sviatoslaw Richter (1915–1997) und Emil Gilels (1916–1985) – drei Giganten am Klavier, die praktisch das gesamte Repertoire gespielt haben. Ich habe in den letzten Jahren den freundlichen und fast schüchternen Richter überaus schätzen gelernt, weil er die Musik ganz in ihrem Kern begreift.
Er spielt den Walzer op. 12 Nr. 2 etwas langsamer als andere, aber tief empfunden. Auf der Ergänzungsliste findet sich An den Frühling op. 43 Nr. 6, den unsere älteste Tochter gespielt hat, und den sehr bekannten Hochzeitstag auf Troldhaugen op. 65 Nr. 6.
Wir kommen heute zu einer Oper, die nicht jeder kennt, und zwar zur Entführung aus dem Serail KV 384 aus dem Jahre 1782 von Wolfgang Amadé Mozart – so hat er sich zeitlebens genannt. Die Oper hat eine ganz ähnliche Handlung wie die Zauberflöte, ein ähnliches Personal, fantastische Musik mit wunderbaren Arien und ist genauso hörenswert wie die Zauberflöte. Ich habe sie vor Jahren mal in Stuttgart in der Oper gesehen und auch in einer konzertanten Aufführung in der Liederhalle gehört, bin mir aber nicht sicher, ob meine Frau da schon dabei war.
Auf der Klassikliste gibt das Finale „Nie werd ich Deine Huld verkennen“, in dem der Spanier Belmonte sich beim osmanischen Bassa Selim dafür bedankt, dass er ihm seine Geliebte Konstanze freigibt. Die mitreißende Ouvertüre findet sich auf der Ergänzungsliste.
Zu hören sind die English Baroque Soloists unter Leitung von John Eliot Gardiner, die ich zusammen in Stuttgart auch mal live gehört habe. Das Orchester spielt ausschließlich auf „alten“ Instrumenten aus der damaligen Zeit mit der damaligen Spieltechnik, womit die Musik so ähnlich klingen dürfte wie zu Mozarts Zeiten. Gardiner hat sich auf die sog. historische Aufführungspraxis spezialisiert. Ich schätze ihn als Dirigenten außerordentlich, er ist einer meiner Lieblingsdirigenten, und ich habe viele CDs von ihm, so dass hier noch einiges von ihm zu hören sein wird.
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