Heute wenden wir uns der Oboe zu – einem Instrument, das ich sehr mag. Den ersten Kontakt mit ihr hatte ich über eine uralte Kassette, die ich tausendmal gehört habe und die dann irgendwann einmal einem Bandsalat zum Opfer fiel. Erst viel später habe ich mir dieselbe Aufnahme wieder als CD gekauft. Darauf ist das wunderschöne Konzert für Oboe und Orchester C-Dur KV 314 von Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791) zu hören, von dem ich den 1. Satz auf die Klassikliste stelle. Das gesamte Konzert, das knapp 20 Minuten dauert, findet sich auf der Ergänzungsliste.
An der Oboe hören wir Heinz Holliger (geb. 1939), den bedeutendsten Oboisten des 20. Jahrhunderts, zugleich auch Komponist und Dirigent. Begleitet wird er von der Academy of St Martin in the Fields, „one of the world’s finest chamber orchestras“, wie sie selbst etwas unbescheiden über sich schreiben, unter der Leitung ihres Gründers Sir Neville Marriner (1924–2016), die zusammen während fast 60 Jahren über 500 Aufnahmen eingespielt haben.
Heute kommt kein „Reißer“, sondern ein ernstes Stück, das ruhig beginnt und erst später expressiv wird. Kol Nidrei op. 47 für Orchester und Cello von Max Bruch (1838–1920) ist die Vertonung eines gleichnamigen jüdischen Gebets. Es wird am Vorabend des höchsten jüdischen Feiertags, des Jom Kippur, gebetet – also zum Beispiel gerade heute abend, denn morgen ist Jom Kippur, das jüdische Versöhnungsfest.
„Nach jüdischem Kalendersystem wird es am 10. Tag des Monats Tischri begangen – als strenger Ruhe- und Fastentag. Im Gregorianischen Kalender fällt Jom Kippur von Jahr zu Jahr auf unterschiedliche Daten im September oder Oktober. Zusammen mit dem zehn Tage zuvor stattfindenden zweitägigen Neujahrsfest Rosch ha-Schana bildet er die Hohen Feiertage des Judentums und den Höhepunkt und Abschluss der zehn Tage der Reue und Umkehr.“ (Wikipedia)
Als das Stück am AEG einmal aufgeführt wurde, kam eine Musiklehrerin zu mir und erzählte mir im Vertrauen, bei ihr zuhause sei diese Musik immer als „schönstes Stück von Welt“ bezeichnet worden.
Auf der Klassikliste hören wir heute eine moderne Aufnahme von Mischa Maisky, einem 1948 in Lettland geborenen Cellisten, einem wahren Tausendsassa, der alles spielt und der nicht nur unter seinen Fans als der beste Cellist der Gegenwart gilt. Für meinen Geschmack inszeniert er sich ein bisschen zu sehr, aber seht selbst: https://www.youtube.com/watch?v=mGQLXRTl3Z0 (über 52 Mio. Klicks).
Ich schreibe immer wieder einmal Musikern das Attribut „groß“ zu. Aber was ist „Größe“? Ein großer Musiker ragt mit seinen Kompositionen oder Interpretationen nochmals über die Meisterschaft anderer zeitgenössischer Musiker hinaus, seine Werke und Interpretationen sind richtungsweisend und bedeutend für die jeweilige Zeit. Die „Großen“ verfügen nicht nur über großes Talent, sondern auch über Intuition, sie haben ein Gespür für das Schöne und machen fast alles von vornherein richtig.
Die größte Geigerin unserer Zeit ist für mich Hilary Hahn, eine 41-jährige Amerikanerin mit deutschen Vorfahren. Alles, was sie spielt, ist genau im Zentrum. Wenn man sie spielen sieht, ist alles konzentriert und natürlich zugleich, jeder Ton und jede Bewegung genau richtig. Hier geht Meisterschaft in Vollkommenheit über. Ich könnte ihr auf Youtube stundenlang zuschauen, z. B. hier https://www.youtube.com/watch?v=V3aloHY7I_g, und habe fast alle CDs von ihr.
Auf die Klassikliste habe ich heute den Schlusssatz von Mendelssohns Violinkonzert e-Moll op. 46 gestellt – weltbekannt, ein richtiger „Reißer“. Auf der Ergänzungsliste gibt es das gesamte Konzert, das man wirklich einmal gehört haben sollte. Fantastische Musik!
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