Ludwig van Beethoven (1770–1827), der in der abgelaufenen Woche seinen 250. Geburtstag gefeiert hätte, ist nicht nur durch seine neun Symphonien berühmt, er hat vor allem großartige Werke für Klavier geschaffen. Seine 32 Klaviersonaten stellen einen Höhepunkt der Klaviermusik dar.
Als eine der bedeutendsten gilt die Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op. 13, die den Beinamen „Grande sonate pathétique“ trägt, also große leidenschaftliche Sonate. Der erste Satz beginnt langsam und schwer, wird dann aber sehr stürmisch. Das 1. Thema erscheint bei 1:50 min., das 2. Thema bei 2:20 min. In einem Sonatenhauptsatz stehen sich zwei Themen gegenüber, die in der Exposition vorgestellt und in der Durchführung verarbeitet werden, indem sie „zerpflückt“, auf verschiedenste Weise verändert und umgestaltet werden. Nachdem die Spannung zwischen den Themen durch eine musikalische Auseinandersetzung abgemildet wurde, erscheinen sie in der Reprise zum Abschluss nochmals in ihrer ursprünglichen Gestalt. Die Exposition endet mit zwei Schlussakkorden bei 3:30 min. und wird dann wie üblich komplett wiederholt. Bei 5:12 min. beginnt die Durchführung mit vier Takten Rückbesinnung an die langsame Einleitung und dann mit der relativ kurzen Verarbeitung der Themen. Schon bei 6:42 min. setzt die Reprise ein. Beethoven war die Form besonders wichtig, und es sehr sehr lehrreich, einmal den Aufbau einer Sonate nachzuvollziehen.
Auf der Klassikliste hören wie heute den 1. Satz, gespielt von Emil Gilels (1916–1985), einem der bedeutendsten Beethoven-Interpreten – ich habe ihn schon in #11 erwähnt. Die ganze Sonate mit dem herrlichen 2. Satz – eine der bekanntesten Melodien Beethovens – kann man auf der Ergänzungsliste hören.
1954 wurde die EBU, die Europäische Rundfunkunion, gegründet, die über die sog. Eurovision Fernseh- und Hörfunkprogramme austauscht. Eurovisionssendungen werden – wie gestern gesehen – mit einem Logo und einer Fanfare eingeleitet. Diese sog. Eurovisionsfanfare stammt aus der Kirchenmusik, und zwar ist sie das Hauptthema des Präludiums aus dem Te Deum von Marc-Antoine Charpentier (1643–1704). Charpentier hat zur Zeit von König Ludwig XIV. – dem sog. Sonnenkönig – in Paris gelebt und ca. 550 geistliche und weltliche Werke komponiert: Messen, Motteten, aber auch Opern, Ballettmusiken und Symphonien.
Te Deum (von lat. Te Deum laudamus, dt. Dich, Gott, loben wir) ist der Anfang eines feierlichen, Lob-, Dank- und Bittgesangs der christlichen Kirche. Das Gebet besteht aus 29 lateinischen Versen und ist uralt, vermutlich über 1600 Jahre. In Klöstern wurde und wird das Te Deum sonntags im Gottesdienst gebetet, außerdem in der Weihnachts- und Osterzeit und zu festlichen Anlässen, etwa bei Prozessionen und Königs- und Kaiserkrönungen. Früh schon gab es Melodien, später mehrstimmige Sätze, ab der Renaissance dann ganze Kompositionen. Fast jeder Komponist hat das Te Deum früher vertont – die Liste reicht bis ins 21. Jahrhundert. Zunehmend wurde das Te Deum politisch vereinnahmt und nicht mehr nur zur Ehre Gottes, sondern auch zum Ruhm des Herrschers gesungen. So nahm es im Barock eine wichtige Funktion in der höfischen Repräsentation ein – wie beim Te Deum von Charpentier. Und heute werden sogar Unterhaltungssendungen mit seiner Musik eingeleitet.
Auf der Klassikliste kann man das Te Deum von Charpentier vollständig hören – am besten mit dem Text als Ersatz für den Sonntagsgottesdienst. Die CD mit der Aufnahme vom Aradia-Ensemble aus Kanada unter Leitung von Kevin Mallon findet sich in unserer Sammlung.
Unser Sohn übt gerade die ganz bekannten Zwölf Variationen in C-Dur über das Lied „Ah, vous dirai-je, Maman“ KV 265 von Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791), die zu den Standardwerken im Klavierunterricht zählen. Ich habe sie bei unserer Klavierlehrerin ebenfalls gespielt. Auf die Melodie des französischen Lieds werden in verschiedenen Ländern auch andere Lieder gesungen, im deutschsprachigen Raum insbesondere Morgen kommt der Weihnachtsmann, weshalb wir dieses Stück mit Weihnachten verbinden.
Das Variieren ist eines der fundamentalen Kompositionsprinzipien in der Musik, bei dem ein Motiv melodisch, rhythmisch oder harmonisch verändert wird, dabei aber mehr oder weniger erkennbar bleibt. Früher gehörte es zur Grundausbildung von Musikern, Themen spontan verzieren und variieren zu können. Daraus entstand eine eigene Gattung, der Variationensatz, also eine Reihe verschiedener Variationen über ein vorgegebenes Thema. Einige der größten Werke der Klaviermusik sind Variationszyklen. Wir werden darauf noch mehrmals zurückkommen.
Auf der Klassikliste hören wir Mozarts Variationen in einer Interpretation von Walter Gieseking (1895–1956), einem bedeutenden deutschen Pianisten, den ich wegen seines schlichten Klavierspiels sehr schätze.
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