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Am 3. März 1875, heute vor 149 Jahren, wurde in Paris die Oper Car­men von Georges Bizet (1838–75) ur­auf­ge­führt – was ein arger Miss­er­folg war, ver­mut­lich wegen der un­mo­ra­li­schen Titel­figur und des neu­artigen Opern­stils, der dem da­ma­li­gen Publi­kum offen­bar zu viel ab­ver­langte. Es bleibt eine große Tra­gö­die der Opern­ge­schich­te, dass Bi­zet drei Mo­na­te später im Alter von 36 Jahren an einem Herz­lei­den (und ver­mut­lich auch an Über­ar­bei­tung) starb und so den großen Er­folg der Wie­ner Auf­füh­rung sei­ner Oper im Okto­ber 1875 nicht mehr er­leb­te. Hier be­gann ihr Sieges­zug, Car­men wurde zu einer der be­deu­tendsten und meist­ge­spielt­en Opern der Ge­schich­te über­haupt.
Die Hand­lung ist ein typi­sches Eifer­suchts­drama: Car­men ist eine attrak­ti­ve und über­aus selbst­­bewuss­te Frau, die mit den Männern spielt und sie aus­nutzt, wenn es für sie vor­teil­haft ist. Der spa­ni­sche Sol­dat Don José ver­fällt ihr hoff­nungs­los. Als sie den nächsten Lieb­haber hat, wirft sie ihm in einem dra­ma­ti­schen Finale ver­ächt­lich den Ring vor die Füße, er er­trägt die De­müti­gung nicht und er­sticht sie. Fürch­ter­lich, aber auch heute kommen im Fern­sehen lau­fend Kri­mis.
In Car­men stehen die unters­ten Schich­ten der da­ma­li­gen Gesell­schaft auf der Büh­ne: Ar­bei­te­rin­nen einer Zi­ga­ret­ten­fabrik, Zi­geu­ner, Schmugg­ler. Es han­delt sich bei­nahe um eine sozia­le Milieu­stu­die, wo­mit die Oper zu einem frühen Bei­spiel der Stil­rich­tung des Veris­mo wird. Vor allem aber ist die Oper ein Meister­werk der Ver­tonung, die das spanische Lokal­kolo­rit von Sevilla über­zeugend aus­drückt.
Hören wir heute auf der Klassik­liste aus Car­men von Georges Bizet die be­rühmte Ségue­dille, in der Car­men im Ge­fäng­nis Don José be­zirzt, da­mit er sie ent­kommen lässt. Die groß­artige Agnes Balt­sa (geb. 1944) singt die Car­men, José Carre­ras (geb. 1946) den Don José, es spielen die Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker unter Lei­tung von Her­bert von Kara­jan (1908–89).
Auf der Ergänzungs­liste hören wir noch das ebenso be­rühm­te Couplet von Esca­mil­lo, des Gegen­spielers von Don José, ge­sungen von José van Dam (geb. 1940).

Heute vor 202 Jahren wurde Franz von Suppè (1819–1895) in Split im heu­tigen Kroatien geboren, das damals zu Öster­reich gehörte. (Der Accent grave wegen des italie­nischen Ur­sprungs der Fa­mi­lie.) Nach dem Tod des Vaters zog die Mutter mit dem Sohn ins heimische Wien, wo dieser privat Musik und Kom­position studierte und später an mehreren Theatern erfolg­reich als Kapell­meister und Kom­ponist arbeitete. Neben Kirche­nmusik hinter­ließ Suppè über 200 Bühnen­werke, zumeist komi­sche Opern, Operetten und Theater­musik. Nur sehr wenig davon wird heute noch auf­geführt, bekannt sind aber noch einige Ouvertüren.
Auf der Klassik­liste präsentiere ich die bekannteste von ihnen, die auch heute noch regel­mäßig gespielt wird: die Ouvertüre zur Operette Leichte Kavallerie, bei der die Blech­bläser ihren großen Auf­tritt haben. Es spielen die Berliner Phil­har­moni­ker unter Lei­tung von Her­bert von Karajan. Auf der Ergänzungs­­liste gibt es die Ouvertüre zu Dichter und Bauer mit dem schönen Cello-Solo. Die ent­sprechen­de CD habe ich als Teenager für 31,90 Mark gekauft.

Auf der Klassik­liste gibt es heute ganz be­kannte Musik, näm­lich den ersten Satz aus dem „Winter“ von Anto­nio Vival­di. „Die vier Jahres­zeiten“ sind Vival­dis be­rühmtes­tes Werk. Es ist eine Samm­lung von vier kurzen Violin­konzer­ten, eins für jede Jahres­zeit. (Die wei­te­ren fol­gen in #48, #63 und #74.) Jedes Kon­zert be­steht aus drei Sätzen – schnell, lang­sam, schnell –, so dass es 12 Sätze sind, so viele, wie das Jahr Mona­te hat. Jedes Kon­zert por­trä­tiert eine Jahres­zeit und hat damit ein Pro­gramm, man spricht von Programm­musik, die im Barock auf­gekommen ist. Vival­di hat sogar jedem Kon­zert ein eige­nes Ge­dicht voran­ge­stellt, ein Sonett, das den In­halt der Musik erläutert. Beim „Winter“ heißt es: „Er­starrt zittern bei schimmern­dem Schnee. / Zum er­barmungs­­losen, schreck­lichen Wind / Un­unter­brochen mit den Füßen stampfend lau­fen / Und vor Über­maß an Kälte die Zähne auf­einander­schlagen.“ Kann man das hören? Den wei­te­ren Text gibt es hier.
An der Violine ist die deutsche Star­geigerin Anne-Sophie Mutter zu hören, die von Herbert von Karajan sehr ge­fördert wurde. Sie war noch jung, und die Auf­nahme hat 1984 viel Auf­sehen ge­macht. Ich habe sie für 28,90 Mark er­worben – damals viel Geld. Auf der Ergänzungs­liste gibt es das ganze Kon­zert, neun Minuten herr­liche Musik.

Im Neu­jahrs­kon­zert der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker wird tra­di­tio­nell leich­te Tanz­musik aus der Gol­de­nen Ope­ret­ten-Ära der Jahre 1860–1900 ge­spielt. Das sind oft herr­liche Wal­zer und ande­re hei­te­re Tän­ze, musi­ka­lisch meist sehr effekt­voll in Szene ge­setzt. Da­zu ge­hört die Polka, ein böh­mi­scher Volks­tanz im raschen 2/4-Takt. Auf der Klassik­liste hören wir heu­te die Schnell­polka „Unter Don­ner und Blitz“ op. 324 von Johann Strauss Sohn (1825–1899), der wegen seiner 168 Walzer als „Walzer­könig“ be­zeich­net wur­de.
Die Auf­nahme stammt aus dem Neu­jahrs­konzert von 1987, die Wiener Phil­har­mo­ni­ker spiel­ten unter der Lei­tung des legen­dä­ren Her­bert von Kara­jan (1908–1989). Ich saß damals am Fern­seher und habe das Kon­zert als junger Karajan-Fan ver­folgt, die Live-Auf­nahme davon findet sich als CD in unserer Samm­lung. Kara­jan war schon alt und hat nur noch ein biss­chen mit den Fin­gern diri­giert. 1987 ist übri­gens auf Kara­jans Ver­mitt­lung erst­mals in den Neu­jahrs­kon­zer­ten eine schwarze Opern­sänge­rin auf­ge­tre­ten – in Wien, wo man sich als Mittel­punkt der klassi­schen Musik fühlt. Kath­leen Battle hat im roten Kleid u. a. den gran­di­osen „Früh­lings­stimmen“-Walzer op. 410 gesun­gen. Seht selbst https://youtu.be/1cA1pXJ8Iuc?t=2252 und hört die fan­tas­ti­schen Kolo­ra­tu­ren am Schluss! (Wegen der bes­se­ren Klang­quali­tät findet man das Stück zu­sätz­lich auf der Ergänzungs­liste.)