Im Barock war die Bindung eines Instrumentalstücks an ein bestimmtes Instrument noch nicht sehr fest. Eine Sonate konnte z. B. von Violine, Cello, Blockflöte, Cembalo oder Orgel gespielt werden. So gibt es auch von den Sechs Sonaten für Cello und Basso continuo op. 1 von Benedetto Marcello (1686–1739) Ausgaben und Aufnahmen mit vielen verschiedenen Instrumenten – von der Tuba bis zu Blockflöte. Von diesen Sonaten habe ich oft die Sonate für Nr. 1 F-Dur gespielt – auf der Posaune z. B. bei den Goldenen Hochzeiten der Großeltern und auf der Hochzeit einer Kollegin, auf dem Horn bei der Hochzeit eines Neffen. Die Version für Posaune habe ich auf Spotify und qobuz nicht gefunden, dafür auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=tsVg5goZNGs
Auf der Klassikliste hören wir die Originalversion für Cello, es spielt Anthony Pleeth. Auf die Ergänzungsliste habe ich eine Version für Tuba gestellt, die Tuba spielt Michael Lind.
Übrigens ist Marcello am 24. Juli geboren und an seinem 53. Geburtstag auch gestorben, also heute von 283 Jahren.
Heute vor 305 Jahren, einem Mittwoch, fand die berühmteste Bootsfahrt statt, von der wir in der Musikgeschichte wissen. Ein Zeitungsbericht beginnt so: „On Wednesday Evening, at about 8, the King took Water at Whitehall in an open Barge (= dt. Barkasse) …“ Es wird genau beschrieben, wer George I. begleitete. Der ganze Fluss soll mit Booten bedeckt gewesen sein, die sich flussabwärts treiben ließen. Um 23 Uhr gab es ein Abendessen in Chelsea, dann begann die Rückfahrt. Auf einem Boot der Stadtgilde umrahmten 50 Musiker auf Instrumenten aller Arten die Vergnügungsfahrt des Königs. Die von Georg Friedrich Händel (1685–1759) eigens für diesen Anlass komponierte Musik gefiel Seiner Majestät derart, dass sie während der Fahrten beständig wiederholt werden musste.
Sie wird heute Wassermusik genannt und besteht aus drei Suiten in F-Dur, D-Dur und G-Dur HWV 348–350. Sie umfassen zumeist Tänze und Ouvertüren im französischen und italienischen Stil. Wie bei Freiluftmusiken üblich, sind viele Blechbläser besetzt – Soundanlagen gab es noch nicht.
Auf der Klassikliste hören wir den 3. Satz Allegro – Andante – Allegro da capo aus der 1. Suite der Wassermusik von Händel. Es musiziert The English Concert, das auf historischen Instrumenten spielt und vor 50 Jahren gegründet wurde. Die Leitung hat der Gründer Trevor Pinnock.
Camille Saint-Saëns (1835–1921) gilt als Wunderkind: Als Zweieinhalbjähriger lernte er Noten lesen, sein erstes Klavierstück ist mit „1839/22 mars“ datiert, da war Camille noch keine vier. Schon als Jugendlicher muss er sensationell gut Klavier und Orgel gespielt haben. Zu seinen Improvisationen sind die großen Musiker der Zeit nach Paris gereist. Besonders auffällig an seinen ca. 700 Werken aus allen Gattungen ist, dass sie kaum eine Entwicklung seines Personalstils aufweisen.
Zeitlebens richtete sich sein Interesse aber weit über die Musik hinaus: Als Siebenjähriger übersetzte er bereits lateinische und griechische Texte. Er ist Schriftsteller, als Gründungsmitglied der Société astronomique de France interessiert er sich für die Erforschung der Marskanäle, er verfasst philosophische Essays, betreibt biologische, archäologische, ethnologische, kunst- und literaturwissenschaftliche Studien, und viele seiner Tausenden von Briefen schmückt er mit Karikaturen, Graphiken und Skizzen von Landschaften und Personen (M. Stegemann).
Wir hören heute auf der Klassikliste den langsamen Satz Poco Adagio der Symphonie Nr. 3 c-Moll von Saint-Saëns mit dem herrlichen Solo von Horn und Posaune und der Orgel als Begleitung sowie der fantastischen Streicherpassage ab 6:35 min, die schon ganz nach Richard Strauss klingt. Als besonders hörenswert gilt eine Aufnahme des Boston Symphony Orchestra unter Leitung von Charles Münch von 1959 – dank des Digital Remastering heute in perfekter Klangqualität, vor allem auf Playlist bei qobuz. Mit guten Kopfhörern kann man auch die ganz tiefen Töne der Orgel hören. Auf der Ergänzungsliste gibt es die gesamte Sinfonie.
Übrigens kann man das Werk heute auch live hören. Die Studentenphilharmonie Tübingen spielt es ab 11:15 Uhr in ihrem Sommerkonzert in der Neuen Aula in Tübingen.
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