Heute würde der kanadische Pianist Glenn Gould (1932–1982) seinen 90. Geburtstag feiern. Er war unter allen Ausnahmepianisten des 20. Jahrhunderts vermutlich der außergewöhnlichste. Seine Mutter brachte ihm das Klavierspielen bei und verlangte, dass er mitsingen solle – eine Angewohnheit, die er auch später nicht mehr ablegte. Er tauchte seine Hände vor und während des Spielens in heißes Wasser, er saß auf einem niedrigen Stuhl mit abgesägten Beinen, er lebte sehr zurückgezogen und kommunizierte mit der Außenwelt lange nur übers Telefon usw. Viele seiner Verhaltensweisen bringen Psychologen heute mit einem möglichen Asperger-Syndrom in Verbindung.
Gould ist vor allem wegen seiner Bach-Interpretationen legendär, und vielen gilt er noch immer als größter Interpret der Werke Johann Sebastian Bachs. Er besaß die Gabe, die einzelnen Stimmen im polyphonen Satz zum Sprechen zu bringen, wodurch ein komplexer wechselseitiger Dialog entsteht.
Hören wir auf der Klassikliste die Sarabande aus der Partita Nr. 1 B-Dur BWV 825, die ich besonders liebe. Auf der Ergänzungsliste ist Glenn Gould mit der gesamten Partita zu hören.
Um einen optischen Eindruck zu gewinnen: Hier spielt Glenn Gould eine langsame Fuge aus dem 2. Buch des Wohltemperierten Klaviers: https://www.youtube.com/watch?v=Mia9woisQZo
Am 18. September 1762, heute vor 260 Jahren, begab sich die Familie Mozart auf die erste längere Konzertreise, die von Salzburg über Passau und Linz nach Wien führte. Dort wurden die Mozarts im Oktober zweimal von Kaiserin Maria Theresia empfangen. Über Weihnachten wurden sie nach Preßburg eingeladen und kehrten erst Anfang Januar 1763 über Wien nach Salzburg zurück. (Gereist wurde damals übrigens in mäßig gefederten Kutschen, die täglich höchstens 40 km zurücklegen konnten, denn asphaltierte Straßen gab es noch lange nicht.)
Die Reise der Mozarts diente dem Bekanntwerden und Geldverdienen: Die viereinhalb Jahre ältere Schwester Anna Maria, genannt Nannerl, und der damals sechsjährige Wolfgang spielten als Wunderkinder in adeligen Häusern vor und erhielten dafür ein Honorar. So entstand für die folgenden langjährigen Reisen quer durch Europa folgendes Muster: „Ein sensationeller „Initialauftritt“ der Kinder bei einem gesellschaftlich einflussreichen Mäzen provozierte eine rasch sich durchsetzende Mundpropaganda, die zu weiteren Auftritten und damit verbundenem pekuniären Gewinn führte. Die lokalen Kontakte sprangen auf andere Orte über, und je nach Wirkungsaussicht entschlossen sich die Mozarts flexibel zur Weiterreise vom einen zum anderen Ort“ (MGG 2).
Gespielt wurde entweder auf einem Cembalo, bei dem die Saiten von Federkielen angezupft werden, oder auf einem Clavichord, bei dem die Saiten mit einem kleinen Metallstäbchen angeschlagen werden. Auf der ersten Reise könnte Wolfang Amadeus Mozart (1756–1791) auch eines seiner ersten eigenen Werke gespielt haben. Hören wir auf der Klassikliste heute das Allegro B-Dur KV 3 aus dem Jahr 1762, gespielt auf einem Clavichord von Siegbert Rampe. Auf der Ergänzungsliste spielt Ton Koopman dasselbe Stückchen auf einem Cembalo. Ja, so könnte das damals geklungen haben.
Franz Strauss (1822–1905), im Februar vor 200 Jahren geboren, war ein wahrer Vollblutmusiker, der Geige, Gitarre, Klarinette und alle Blechblasinstrumente spielen konnte. Schon als Kind trat er in Gasthäusern auf. Mit 15 Jahren wurde er Gitarrist in der Herzoglichen Hofkapelle in München, später Hornist in der Königlichen Hofkapelle und 1871 sogar Professor für Horn in München. Er unterrichtete und förderte seinen Sohn Richard Strauss (1864–1949), der einer der bedeutendsten Komponisten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde. Nebenbei dirigierte er ein Tanzorchester und schrieb Musik dafür, er komponierte aber auch eine Reihe von Werken für Horn, die heute noch regelmäßig gespielt werden.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste das Nocturno op. 7 von Franz Strauss – ein sehr schönes Charakterstück, das jeder Hornschüler einmal spielt, so auch gerade ich selbst. Hier spielt aber einer der größten Horn-Virtuosen unserer Zeit, der spanische Hornist Javier Bonet, begleitet von Miriam Gómez-Morán.
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