Heute vor 95 Jahren er­schien im Ber­liner Lokal-An­zei­ger die be­rühm­te An­zei­ge: „Ach­tung. Selten. Tenor, Baß (Berufs­sänger, nicht über 25), sehr musi­ka­lisch, schön­klin­gen­den Stim­men, für ein­zig da­stehen­des En­sem­ble unter An­gabe der täg­lich ver­füg­baren Zeit ge­sucht. Ej. 25 Scherl­fi­lia­le, Friedrich­str. 136.“ Es mel­de­ten sich über 70 Män­ner zum Vor­sin­gen, aber nur ei­ner wur­de ge­nom­men. In den fol­gen­den Wochen for­mier­ten sich Ari Lesch­ni­koff (1. Tenor), Erich A. Col­lin (Tenor), Harry Frommer­mann (3. Tenor), Ro­man Cy­cows­ki (Bariton), Ro­bert Bi­ber­ti (Bass) und der Pia­nist Er­win Bootz zu den Come­dian Harmo­nists, die mit ih­ren schmis­si­gen Songs zu einem der be­rühm­tes­ten deutsch­spra­chi­gen Gesangs­ensembles des 20. Jahr­hun­derts wer­den soll­ten. Sie feier­ten mit Ihren Schall­platten und Kon­zer­te große Er­fol­ge. Da drei der sechs Mit­glie­der Ju­den wa­ren und die NSDAP den an­de­ren ver­bot, „mit diesen Nicht­ariern zu musi­zie­ren“, lös­te sich die Grup­pe Ende Februar 1935 auf – eins der vielen schlim­men Kapi­tel der Musik­geschichte der national­­sozia­lis­ti­schen Zeit.
Hören wir auf der heutigen Klassik­liste mit „Wochen­end’ und Sonnen­schein“ einen der großen Erfolgs­titel der Come­dian Harmo­nists. Herr­lich der Tenor im Mittel­teil, und dann am Schluss Ro­bert Bi­ber­ti mit sei­ner sensa­tio­nel­len Bass­stimme – jener ein­zi­ge, der beim Vor­singen heraus­stach. Übri­gens ist der Titel ein Cover­song, das Ori­gi­nal heißt „Happy Days Are Here Again“ und wurde 1929 von Jack Yellen verfasst und von Milton Ager vertont. Auf der Ergänzungs­liste gibt es das al­ber­ne „Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn“ – mit einer frü­hen Form des Gen­derns.

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