Heute kommen wir zu einem Gipfelpunkt der Klaviermusik: Vor 200 Jahren komponierte Ludwig van Beethoven (1770–1827) seine 32. Klaviersonate. Das erste Manuskript datiert vom 13. Januar 1822. Dass sie seine letzte bleiben würde, wusste er natürlich nicht – und dennoch trägt sie Zeichen des Abschieds. Sie wurde als „Testament“ (J. Uhde), als „abschließendes Bekenntnis“ (A. Brendel) bezeichnet.
Die Sonate besteht aus zwei gegensätzlichen Sätzen, in denen wir „das Diesseits und das Jenseits versinnbildlicht“ finden (E. Fischer): Der 1. Satz ist ein schneller, kämpferischer Sonatenhauptsatz in c-Moll mit kräftigen Motiven und vielen Ritardandi. Der 2. Satz in C-Dur ist dagegen ein ruhiger Variationensatz im Adagio. Eine sanfte Arietta entwickelt sich durch 5 Variationen hindurch und entschwebt in „eine ätherische Atmosphäre, als hätte die Musik ein verklärtes Reich betreten“ (W. Kinderman). Das Besondere ist, dass sich die Notenwerte von Variation zu Variation verkleinern, so dass aus drei Anschlägen pro Takt im Thema später in der 4. Variation 27 Anschläge pro Takt werden. Trotzdem bleibt der ganze Satz von einer „unbeirrten Ruhe“ geprägt (J. Uhde).
Auf der heutigen Klassikliste hören wir also den 2. Satz der Klaviersonate Nr. 32 c-Moll op. 111 von Ludwig van Beethoven. Es spielt der große italienische Pianist Maurizio Pollini, der am 5. Januar seinen 80. Geburtstag gefeiert hat. Auf der Ergänzungsliste ist die gesamte Sonate zu hören.
Natürlich ist das keine „jugendliche“ Musik, sondern die erhabene Musik eines reifen Menschen, der sich hier wie auch später in der Missa solemnis op. 123 und 9. Sinfonie op. 125 intensiv mit der philosophischen und religiösen Dimension des Lebens auseinandersetzt. Nehmen Sie sich die Zeit, um einfach nur zuzuhören!

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