Beiträge

Mehr als 200 Jah­re nach Johann Her­mann Schein hat ein wei­te­rer Kom­po­nist den 42. Psalm vertont, der mit dem herr­lichen Vers be­ginnt: „Wie der Hirsch schreit nach fri­schem Was­ser, / so schreit mei­ne See­le, Gott, zu Dir.“ Wie Schein lebte Felix Men­dels­sohn Bar­thol­dy (1809–47), den wir schon in #1416 kennen­ge­lernt ha­ben, da­mals in Lei­pzig. Er war aber nicht Thomas­kantor, sondern Kapell­meister des be­rühmten Gewand­haus­orchesters. 1837 hat er ge­hei­ra­tet und auf der Hoch­zeits­reise in den Vo­gesen und hier im Schwarz­wald die be­kannte Kan­tate „Wie der Hirsch schreit“ op. 42 auf den Text der Verse 2–6 aus Psalm 42 kom­po­niert.
Aber acht Gene­ra­tio­nen nach Schein waren Bach, Händel, Haydn, Mo­zart, Beet­hoven und Schu­bert ge­kom­men und ge­gan­gen. Gegen­über dem Früh­barock hat sich der musi­ka­li­sche Stil in der Ro­man­tik völ­lig ver­än­dert. Bei Mendels­sohn gibt es einen großen Chor und ein großes Sym­phonie­orchester mit Hör­nern, Trom­peten und Po­sau­nen, auch die musi­ka­lische Sprache und die Har­monik haben sich stark weiter­ent­wickelt.
Wie letzte Woche hören wir auf der Klassik­liste den Vers 6 aus Psalm 42, dies­mal als Schluss­chor aus Men­dels­sohns Kan­ta­te „Wie der Hirsch schreit“ op. 42. Es singt der Kammer­chor Stutt­gart be­glei­tet von der Deutschen Kammer­phil­har­mo­nie unter Lei­tung von Frie­der Ber­ni­us. Auf der Ergänzungs­liste findet sich die ge­sam­te Kan­ta­te.

Wir kennen die Musik meist „nur“ bis Bach – aber was war da­vor? Heute vor 436 Jahren wurde Jo­hann Her­mann Schein (1586–1630) ge­bo­ren, ein be­deu­ten­der Kom­po­nist des Früh­barock. Zu­sam­men mit den be­freun­de­ten Sa­muel Scheidt (1587–1654) und Hein­rich Schütz (1585–1672) zählt er zu den „drei großen Sch“, die un­ge­fähr 100 Jahre vor Bach und Händel die Musik in Mittel­­deutsch­land be­stimmt und die musi­ka­li­schen Grund­lagen für die be­kann­ten Meis­ter des Spät­barock ge­legt ha­ben. Schein war der 5. Thomas­kantor vor Bach, und be­reits er muss­te als Lehrer, Kan­tor und Musik­direk­tor der Thomas­schule für die Musik in der Nikolai­kirche und Thomas­kirche in Leip­zig sor­gen. Seine Tätig­keit setz­te ihm gesund­heit­lich zu, er hat­te ein Lungen­lei­den und starb schon mit 44 Jahren. Da hat­te er selbst be­reits sei­ne Frau und sie­ben Kin­der ver­loren.
Schein hat ver­schie­de­ne Samm­lun­gen von Motet­ten und Madri­ga­len ver­öffent­licht. In der Samm­lung „Israels Brünn­lein“ von 1623 mit 26 „geist­lichen Madri­ga­len“ auf Texte des Alten Testa­ments strebt Schein eine Ver­bin­dung der deutsch-nieder­ländischen Motetten­tradition und der italie­ni­schen Madrigal­kunst an.
Hören wir auf der heu­ti­gen Klassik­liste daraus die Nr. 24, das Madrigal „Was be­trübst du dich, meine Seele?“ Grund­lage ist Psalm 42, Vers 6: „Was be­trübst du dich, meine Seele, und bist so un­ruhig in mir? Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem An­gesicht.“ Es singt Cantus Cölln unter Lei­tung des Laute­nis­ten Kon­rad Jung­hänel. Der sensa­tio­nel­le Bass stammt von Stephan Schrecken­­ber­ger, den ich auch schon „live“ ge­hört ha­be.