Die erste Oper, die ich in meinem Leben gehört habe – vor 40 Jahren bei Herrn Engelhardt im Musikunterricht der 5. Klasse –, war Der Fliegende Holländer von Richard Wagner (1813–1883). Ich war sehr beeindruckt, und die Musik der Ouvertüre und der 1. Szene ist mir tief im Gedächtnis geblieben. Die Oper wurde heute vor 179 Jahren in Dresden uraufgeführt.
Der Handlung liegt die Holländer-Sage zugrunde: Ein holländischer Kapitän hat bei seinem vergeblichen Versuch, das Kap der guten Hoffnung zu umsegeln, gotteslästerlich geschworen, er werde bis zum jüngsten Tag segeln, wenn es sein müsse – und wurde genau dazu verdammt. Alle sieben Jahre dürfe an Land gehen, wo ihn die Liebe einer Frau von seinem Fluch erlösen könne. Wagner hat die Oper vor dem Hintergrund einer eigenen Seefahrt bei fürchterlichem Sturm komponiert. In der Ouvertüre kommen alle musikalischen Motive der Oper zu Gehör – das Sturm-, Holländer-, Erlösungsmotiv usw. –, die später in entsprechenden Szenen wieder erklingen, wodurch vielfältige emotionale Bezüge hergestellt werden. Diese sog. Leitmotiv-Technik hat Richard Wagner erfunden, und sie kommt noch heute z. B. in Kinofilmen selbstverständlich zum Einsatz.
Auf der Klassikliste hören wir die Ouvertüre zum Fliegenden Holländer. Es spielt das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Leitung von Marek Janowski. Zehn Minuten mitreißende Musik!
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Heute vor 202 Jahren wurde Franz von Suppè (1819–1895) in Split im heutigen Kroatien geboren, das damals zu Österreich gehörte. (Der Accent grave wegen des italienischen Ursprungs der Familie.) Nach dem Tod des Vaters zog die Mutter mit dem Sohn ins heimische Wien, wo dieser privat Musik und Komposition studierte und später an mehreren Theatern erfolgreich als Kapellmeister und Komponist arbeitete. Neben Kirchenmusik hinterließ Suppè über 200 Bühnenwerke, zumeist komische Opern, Operetten und Theatermusik. Nur sehr wenig davon wird heute noch aufgeführt, bekannt sind aber noch einige Ouvertüren.
Auf der Klassikliste präsentiere ich die bekannteste von ihnen, die auch heute noch regelmäßig gespielt wird: die Ouvertüre zur Operette Leichte Kavallerie, bei der die Blechbläser ihren großen Auftritt haben. Es spielen die Berliner Philharmoniker unter Leitung von Herbert von Karajan. Auf der Ergänzungsliste gibt es die Ouvertüre zu Dichter und Bauer mit dem schönen Cello-Solo. Die entsprechende CD habe ich als Teenager für 31,90 Mark gekauft.
Als Auftakt zur heutigen Fidelio-Session präsentiere ich auf der Klassikliste vorab die Fidelio-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven, die auch für sich sehr hörenswert ist und auch allein aufgeführt wird. Das Anfangsmotiv ist sehr bekannt, es wird gern als Jingle, also als akustisches Erkennungszeichen verwendet.
Eine Ouvertüre ist ja „ein instrumentales Einleitungsstück einer Oper, das üblicherweise bei noch geschlossenem Vorhang gespielt wird. In der Ouvertüre werden der Ténor des Werkes und oft auch wesentliche Elemente der Handlung sowie hervorstechende Charakterzüge der handelnden Personen musikalisch vorgestellt“ (Wikipedia). Oftmals beginnen sie langsam und mit einem starken Anfangsakzent, um Aufmerksamkeit zu erreichen und Spannung zu erzeugen. Aber die lange Generalpause in der Fidelio-Ouvertüre ist schon sehr gewagt. Aber dann kommt Schwung in die Musik.
Ihr hört die Ouvertüre gespielt von den Berliner Philharmonikern unter Leitung des Chefdirigenten Sir Simon Rattle in einer Aufnahme von 2003.
Wir kommen heute zu einer Oper, die nicht jeder kennt, und zwar zur Entführung aus dem Serail KV 384 aus dem Jahre 1782 von Wolfgang Amadé Mozart – so hat er sich zeitlebens genannt. Die Oper hat eine ganz ähnliche Handlung wie die Zauberflöte, ein ähnliches Personal, fantastische Musik mit wunderbaren Arien und ist genauso hörenswert wie die Zauberflöte. Ich habe sie vor Jahren mal in Stuttgart in der Oper gesehen und auch in einer konzertanten Aufführung in der Liederhalle gehört, bin mir aber nicht sicher, ob meine Frau da schon dabei war.
Auf der Klassikliste gibt das Finale „Nie werd ich Deine Huld verkennen“, in dem der Spanier Belmonte sich beim osmanischen Bassa Selim dafür bedankt, dass er ihm seine Geliebte Konstanze freigibt. Die mitreißende Ouvertüre findet sich auf der Ergänzungsliste.
Zu hören sind die English Baroque Soloists unter Leitung von John Eliot Gardiner, die ich zusammen in Stuttgart auch mal live gehört habe. Das Orchester spielt ausschließlich auf „alten“ Instrumenten aus der damaligen Zeit mit der damaligen Spieltechnik, womit die Musik so ähnlich klingen dürfte wie zu Mozarts Zeiten. Gardiner hat sich auf die sog. historische Aufführungspraxis spezialisiert. Ich schätze ihn als Dirigenten außerordentlich, er ist einer meiner Lieblingsdirigenten, und ich habe viele CDs von ihm, so dass hier noch einiges von ihm zu hören sein wird.
Meine Frau und ich haben heute vor 30 Jahren auf einer Konzertreise der Studentenphilharmonie auch die Ouvertüre der Oper Nabucco von Giuseppe Verdi (1813–1901) gespielt. In der Oper geht es um ein biblisches Thema, nämlich um das Streben des jüdischen Volkes nach Freiheit aus der babylonischen Gefangenschaft. Dabei steht die extreme Selbstüberschätzung des Titelhelden Nabucco im Zentrum (in der Bibel Nebukadnezar II.), der sich in der Opernhandlung selbst zu Gott machen will. Er wird daraufhin mit Wahnsinn geschlagen und erst durch die Bekehrung zum Gott der Hebräer geheilt.
Die Ouvertüre der Oper beginnt mit den drei Posaunen solo. Da muss jeder Ton „sitzen“, was bei mir damals für einigen Schweiß zwischen den Fingern gesorgt hat. In der Ouvertüre erscheint auch schon die Melodie von Va pensiero, sull’ali dorate (dt. Steig, Gedanke, auf goldenen Flügeln), dem sog. Gefangenenchor. Auf der Klassikliste präsentiere ich eine Aufnahme der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung des Italieners Giuseppe Sinopli von 1982. Den Gefangenenchor gibt es auf der Ergänzungsliste.
