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Wir gehen zu­rück in die Musik der Re­nais­sance – fas­zi­nie­ren­de re­li­gi­öse Klang­wel­ten aus der Zeit von un­ge­fähr 1400 bis 1600. Man unter­teilt diese 200 Jahre heu­te in fünf Ge­ne­ra­tio­nen: Wäh­rend der be­rühm­te Or­lan­do di Lasso (1532–94) aus der 5. Ge­ne­ra­tion als ei­ner der Voll­en­der der Re­nais­sance gilt, siehe #38, zählt Hein­rich Isaac (1450–1517), den wir in #148 kennen­ge­lernt haben, zur 2. Ge­ne­ra­tion und war ein wich­ti­ger Weg­be­reiter. Auch sein fran­zö­sischer Zeit­gnos­se Jos­quin Des­prez (1450/55–1520) wird zur 2. Ge­ne­ra­tion ge­zählt. Er wirk­te als Sän­ger und Kom­po­nist in den Hof­kapel­len ver­schie­de­ner Her­zöge, Kö­ni­ge, Kardi­nä­le u. a. in Aix-en-Pro­vence, Paris, Mai­land, ja sogar im Chor der päpst­lichen Ka­pelle in Rom, und galt als bes­ter Kom­po­nist seiner Zeit. Im Al­ter kehrte Josquin als Propst nach Condé-sur-l’Escaut in seine nord­fran­zö­si­sche Hei­mat zu­rück, wo er heute vor 502 Jahren ver­stor­ben ist.
Hören wir auf der Klassik­liste das be­rühm­tes­te Werk von Jos­quin Des­prez, die vier­stim­mi­ge Motet­te Ave Maria … virgo serena aus der Zeit um 1485. Es singt das Hilliard En­sem­ble mit vier Männer­stimmen – wie es ver­mut­lich auch in der Re­nais­sance der Fall war. Diese Mo­tette war im 16. Jahr­hun­dert über­aus popu­lär – ist es nicht wunder­bare Musik?

Heute gibt es ganz wun­der­bare Musik – über 400 Jahre alt und von einem Kom­po­nis­ten, der den meis­ten un­be­kannt sein dürf­te: Jo­han­nes Ec­card (1553–1611) war ein Musi­ker an der Wen­de der Re­nais­sance zum be­gin­nen­den Barock: Er war zu­nächst Sänger­knabe in Wei­mar, spä­ter Sänger unter dem großen Or­lan­do di Las­so in Mün­chen. Dann unter­nahm er eine Studien­reise nach Ve­ne­dig. In Diens­ten des Mark­grafen Georg Fried­rich I. von Bran­den­burg-Ans­bach wurde er im preußi­schen Königs­berg Vize­kapell­meister und spä­ter Kapell­­meister. 1608 wur­de er als kur­fürst­licher Kapell­­meister und Dom­kantor an den Hof nach Ber­lin be­ru­fen. Er hinter­ließ uns geist­liche und welt­liche Motet­ten und Lie­der. Die Sammlung Preussi­sche Fest-Lieder wurde erst 1642 und 1644 in Königs­­berg her­aus­ge­ge­ben, also 30 Jahre nach seinem Tode.
Hören wir da­raus auf der Klassik­liste die sechs­stim­mi­ge deutsche Motet­te „Zu dieser öster­lichen Zeit“ von Jo­han­nes Ec­card. Der Text findet sich hier. Es singt das Vokal­ensemble Opella Musica be­glei­tet von Streichern, Conti­nuo und Zink sowie Po­saune des En­sembles NOEMA. Auf der Ergänzungs­liste gibt es von der­sel­ben CD die Werke „Der große Tag des Herrn“ und „Christ ist er­stan­den“.

Letzte Woche haben wir ein Hallelujah gehört, diese Woche kommt auf der Klassikliste ein anderes: das ab­schließende Alleluja aus Mozarts bekannter Motette Exsultate, jubilate KV 165, die dieser im Januar 1773 als noch nicht einmal 17-Jähriger in Mailand kom­poniert hat. Es ist ein kurzes strahlendes Stück zu Ehren Marias.
Ich mag die britische Sopranis­tin Emma Kirkby (*1949) ganz besonders wegen ihrer wunder­baren, glas­klaren Stimme und der genauen Aus­sprache. Sie ist eine kleine, bescheidene Frau, die in Oxford Latein und Griechisch studiert hat.
Ich hatte das Glück, sie Ende der 90er Jahre bei den Kloster­konzerten in Maul­bronn einmal live hören zu können. Ich saß in der 2. oder 3. Reihe, und sie hat direkt vor mir gesungen – fantastisch!  Hörens­wert ist auf demselben Album auch eine stürmische Arie aus dem Oratorium La Resurrezione von Georg Friedrich Händel, die auf der Ergänzungsliste zu finden ist.