Nach der Elise wird’s heute und am nächsten Sonntag laut, denn wir kommen zur größten Gattung der Orchestermusik zurück, der Sinfonie. Am 20. Februar 1881, heute vor 141 Jahren, führten die Wiener Philharmoniker zum ersten Mal die 4. Sinfonie in Es-Dur des österreichischen Komponisten Anton Bruckner (1824–1896) auf. Die Uraufführung war überaus erfolgreich, das Publikum verlangte ihn nach jedem Satz auf die Bühne. Ein Kritiker schrieb: „Es ist ein solcher Strom von Empfindungen in seinem Werke, und eine Idee drängt so die andere, daß man den Reichtum seines Geistes wahrhaft bewundern muß […].“
Wir hören auf der Klassikliste den 1. Satz „Bewegt, nicht zu schnell“ mit der berühmten Einleitung: Über dem Es-Dur-Tremolo der Streicher im Pianissimo erklingt der viermalige Ruf des Solo-Horns – da bekommt jeder Hornist Schweiß zwischen den Fingern. Daraus entwickelt sich das 1. Thema im Fortissimo mit dem charakteristischen Gegensatz von Duole und Triole. Im Kontrast dazu steht das 2. Thema, das den zarten Gesang der Kohlmeise imitiert. Wir hören Aufnahme von Marek Janowski mit dem Orchestre de la Suisse Romande aus dem Jahr 2013. Und welch ein majestätischer Schluss der Hörner!
Beiträge
Die erste Oper, die ich in meinem Leben gehört habe – vor 40 Jahren bei Herrn Engelhardt im Musikunterricht der 5. Klasse –, war Der Fliegende Holländer von Richard Wagner (1813–1883). Ich war sehr beeindruckt, und die Musik der Ouvertüre und der 1. Szene ist mir tief im Gedächtnis geblieben. Die Oper wurde heute vor 179 Jahren in Dresden uraufgeführt.
Der Handlung liegt die Holländer-Sage zugrunde: Ein holländischer Kapitän hat bei seinem vergeblichen Versuch, das Kap der guten Hoffnung zu umsegeln, gotteslästerlich geschworen, er werde bis zum jüngsten Tag segeln, wenn es sein müsse – und wurde genau dazu verdammt. Alle sieben Jahre dürfe an Land gehen, wo ihn die Liebe einer Frau von seinem Fluch erlösen könne. Wagner hat die Oper vor dem Hintergrund einer eigenen Seefahrt bei fürchterlichem Sturm komponiert. In der Ouvertüre kommen alle musikalischen Motive der Oper zu Gehör – das Sturm-, Holländer-, Erlösungsmotiv usw. –, die später in entsprechenden Szenen wieder erklingen, wodurch vielfältige emotionale Bezüge hergestellt werden. Diese sog. Leitmotiv-Technik hat Richard Wagner erfunden, und sie kommt noch heute z. B. in Kinofilmen selbstverständlich zum Einsatz.
Auf der Klassikliste hören wir die Ouvertüre zum Fliegenden Holländer. Es spielt das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Leitung von Marek Janowski. Zehn Minuten mitreißende Musik!
Am 18. Juni 1821, also am Freitag vor 200 Jahren, wurde im berühmten Königlichen Schauspielhaus Berlin die romantische Oper „Der Freischütz“ uraufgeführt – das Haus war voller bekannter Persönlichkeiten, der Komponist Carl Maria von Weber (1786–1826) dirigierte selbst, mehrere Stücke, auch die Ouvertüre, mussten wiederholt werden, der Erfolg war sensationell. Da wäre man gern dabei gewesen!
Die Oper hat das romantische Empfinden der Zeit getroffen, ihre Bedeutung als „erste deutsche Nationaloper“ ist überragend, es sind ganze Bücher über sie geschrieben worden. Die Handlung entstammt einer Geistergeschichte um vom Teufel verzauberte Gewehrkugeln, sicher treffende „Freikugeln“, mit der Max öffentlich einen Probeschuss abgeben will, um seine Braut Agathe heiraten zu dürfen.
Auf der Klassikliste hören wir die geniale Ouvertüre mit ihrem Wechsel zwischen Hell und Dunkel, Liebesempfinden und Teufelsvorahnung. Es spielt das Frankfurter Radio-Symphonie-Orchester unter Leitung von Marek Janowski. Auf der Ergänzungsliste gibt es eine der bekanntesten Melodien aus dem Freischütz, den sogenannten Jägerchor „Was gleicht wohl auf Erden“ – ein Stück, auf das alle Männerchöre und alle Hornqartette der Welt hinfibern.
