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Heute fei­ert Rein­hard Goe­bel seinen 70. Geburts­tag. Als brillan­ter Gei­ger mach­te er sich früh mit der ba­rocken Spiel­weise ver­traut und wur­de zu einem der wichtigs­ten Weg­be­rei­ter der sog. his­to­ri­schen Auf­füh­rungs­praxis in Deutsch­land. 1973 hat er das En­sem­ble Musi­ca Anti­qua Köln ge­grün­det, mit dem er seine klang­lichen Vor­stel­lun­gen in zahl­rei­chen Auf­füh­run­gen und Auf­nah­men um­setz­te. Als er krank­heits­be­dingt nicht mehr Vio­line spie­len konn­te, lös­te sich das En­sem­ble 2006 auf. Seit­her wid­met er sich dem Di­ri­gie­ren und gibt seine Er­fah­run­gen als Pro­fes­sor für his­to­ri­sche Auf­füh­rungs­praxis am Mozar­teum in Salz­burg wei­ter.
Aus diesem An­lass und weil wir heu­te Hoch­zeits­tag haben, hören wir auf der Klassik­liste die Arie „Sich üben im Lieben“ aus Bachs Hoch­zeits­kan­ta­te „Weichet nur, be­trüb­te Schat­ten“ BWV 202. Der durch und durch ba­rocke Text lau­tet:

Sich üben im Lie­ben,
In Scher­zen sich her­zen
Ist besser als Flo­rens ver­gäng­liche Lust.
    Hier quel­len die Wel­len,
    Hier lachen und wachen
    Die sie­gen­den Pal­men auf Lippen und Brust.

Es singt die wunder­bare Chris­tine Schä­fer (geb. 1965), be­glei­tet von Mu­si­ca Anti­qua Köln unter Lei­tung von Rein­hard Goe­bel in einer Auf­nahme von 1999. Auf der Ergänzungs­liste fin­det sich die ge­sam­te Kan­ta­te.

1772 wurde Wolf­gang Amadé Mozart (1756–91) als 16-Jähriger vom neu ge­wählten Fürst­erz­bischof Collo­re­do, der be­reits in #45 er­wähnt wur­de, zum (be­zahlten) Konzert­meister der Salz­burger Hof­kapel­le er­nannt, er war also zu­nächst haupt­beruf­lich Gei­ger. In den fol­gen­den Jah­ren hat er sei­ne einzi­gen fünf er­halte­nen Violin­konzer­te kom­po­niert – ver­mutlich weil er mit ihnen auf einer ge­plan­ten Konzert­reise auf­tre­ten wol­lte, um eine Stel­le an einem be­deuten­de­ren Hof zu be­kommen.
Von jeher fragt man sich, wie die Musik früher, zum Bei­spiel zu Mozarts Zeit, ge­klun­gen haben möge. Vie­le In­str­umen­te aus dieser Zeit sind er­hal­ten, man kennt ihren Klang und weiß, dass man früher etwa mit an­de­ren Bögen, sog. Barock­bögen, ge­spielt hat, mit de­nen man nicht so kräftig spie­len konn­te. Der mo­der­ne Bogen aus Per­nam­buk­holz wurde erst um 1800 ent­wickelt. Mit­te des 20. Jahr­hun­derts ent­stand die sog. Histo­ri­sche Auf­führungs­praxis, die eine Wieder­gabe der Musik ver­gan­ge­ner Epochen mit authen­ti­schem In­stru­men­tari­um, histo­ri­scher Spiel­tech­nik und im Wis­sen um die künst­le­ri­schen Ge­stal­tungs­mittel der je­wei­li­gen Zeit an­strebt. Ein solches En­semble ist das 1986 ge­grün­de­te bri­tische Orchestra of the Age of En­lighten­ment (engl. Age of En­lighten­ment = dt. Zeit­alter der Auf­klä­rung).
Auf der Klassik­liste gibt es heute den 1. Satz Allegro aus Mozarts Violin­konzert Nr. 3 G-Dur KV 216. Die Lei­tung hat – wie damals üb­lich, denn in den 1770er Jahren gab es noch keine Diri­genten – die Solistin Monica Huggett, eine Lon­doner Gei­ge­rin, die übri­gens heute ihren 68. Geburts­tag feiert.
Auf der Ergänzungs­liste ist das ge­samte Konzert zu hören.