Am heutigen Todestag von Franz Schubert (1797–1828) wenden wir uns seinem letzten Werk zu, der Klaviersonate B-Dur D 960. Schubert vollendete die Sonate am 26. September 1828 und spielte sie vermutlich zwei Tage später bei einer Abendveranstaltung in Wien vor. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich darauf, und Schubert starb heute vor 195 Jahren, siehe #36. Im 19. Jahrhundert galt sein Klavierwerk als unbedeutend, es wurde von Beethoven überstrahlt. Erst im 20. Jahrhundert entdeckte man die Sonaten Schuberts langsam wieder und erkannte ihre Bedeutung. Im Gegensatz zu Beethoven stellt Schubert nicht den Kontrast zweier Themen und die folgende thematische Arbeit ins Zentrum, er lässt der melodischen und harmonischen Phantasie mehr Raum und entwickelt die Themen über die Sätze hinweg fort. Die letzte Klaviersonate B-Dur zählt heute „zu den großen musikalischen Vermächtnissen, den Kunstwerken von menschlichem Rang“ (Harenberg Klavierführer). Der langsame 2. Satz Andante sostenuto gilt demnach „für die meisten Verehrer als das Erhabenste, was Schubert geschaffen hat“.
Hören wir heute auf der Klassikliste den wunderbaren 2. Satz der Klaviersonate B-Dur D 960 von Franz Schubert. Es spielt der große ungarische Pianist Géza Anda (1921–76), der heute vor 102 Jahren in Budapest geboren wurde. Auf der Ergänzungsliste findet sich die gesamte Sonate.
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Wir beiben bei Schubert, wechseln aber die Perspektive: Heute vor 53 Jahren ist in den USA George Szell (1897–1970) gestorben, einer der unbestritten besten Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Szell wurde in Budapest geboren. Als seine Eltern nach Wien zogen, erhielt er hervorragenden Klavierunterricht, und schon als 10-Jähriger trat er mit einem Klavierkonzert von Mozart öffentlich auf. Als Jugendlicher leitete er bereits Orchester, mit 18 Jahren wurde er Repetitor an der Königlichen Oper in Berlin, mit 20 Jahren erhielt er eine Anstellung an der Oper in Straßburg. Es folgten Angebote aus der halben Welt, und seine internationale Karriere als Dirigent nahm ihren Lauf. Obwohl seine jüdischen Eltern früh zum Katholizismus konvertiert waren, schützte sie das nicht vor der Verfolgung und letzlich der Ermordung durch die Nationalsozialisten. Grauenhaft! Szell emigrierte 1939 in die USA, wo er schon früher Gastauftritte gegeben hatte. Nach dem Krieg wurde er 1946 Chefdirigent des Cleveland Orchestra, das er zu einem der besten Sinfonieorchester der Welt formte und mit dem er hervorragende Aufnahmen einspielte. Manche davon gelten noch heute als Referenzaufnahmen. Szell war Perfektionist und forderte jedes Detail von den Musikern mit großer Strenge ein. Dabei soll er überragende handwerkliche Fähigkeiten besessen haben. Ein Zitat von ihm lautet: „Conductors must give unmistakable and suggestive signals to the orchestra – not choreography to the audience.“
Hören ihm zu Ehren auf der Klassikliste eine seiner letzten Aufnahmen: das mitreißende Scherzo aus der Großen Sinfonie in C-Dur D 944 von Franz Schubert mit George Szell am Pult des Cleveland Orchestra. Wer Lust auf einen gepflegten Klassik-Abend hat – nicht im Hintergrund, sondern bewusst gehört –, findet auf der Ergänzungsliste die gesamte Sinfonie!
In der Romantik besteht eine große Sehnsucht nach einer harmonischen Vereinigung von Erde und Himmel, Natur und Kunst, Rationalität und Empfindung in einer magischen All-Einheit. Es geht um die Einheit alles Lebendigen in Liebe und Poesie. Die Nacht und der Wald sind typische romantische Sehnsuchtsorte, und Johann Gabriel Seidl (1804–1875) feiert beide in seinem wunderbaren Gedicht „Nachtgesang im Walde“ mit der Anfangsstrophe: „Sei uns stets gegrüßt, o Nacht! / Aber doppelt hier im Wald, / Wo dein Aug’ verstohlner lacht, / Wo dein Fußtritt leiser hallt!“ In der genialen Vertonung von Franz Schubert (1797–1828) singt das ein Männerquartett, das – passend zum „Hörnergetön“ – von einem Waldhornquartett begleitet wird.
Auf der heutigen Klassikliste hören wir den „Nachtgesang im Walde“ D 913 von Franz Schubert aus dem Jahre 1827 in einer Aufnahme der vielfach ausgezeichneten Camerata Musica Limburg unter Leitung von Jan Schumacher. Herrliche Musik – romantischer geht’s nicht!
Auch große Komponisten müssen üben. Und so könnte es Franz Schubert (1797–1828) sehr recht gewesen sein, dass er von Ferdinand Graf Troyer, der selbst sehr gut Klarinette spielte, einen Kompositionsauftrag erhielt. Er schrieb ein Oktett für zwei Violinen, Bratsche, Violoncello, Kontrabass, Klarinette, Fagott und Horn und experimentierte dabei ausführlich mit der Mischung der Klangfarben. In einem Brief schrieb er über seine Kammermusikkompositionen: „Überhaupt will ich mir auf diese Art den Weg zur großen Symphonie bahnen.“ So entstand ein herrliches, von heiterem Melodienreichtum getragenes Werk mit sechs Sätzen, das sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Schubert stellte es 1824 fertig, und es erklang erstmalig in der Wohnung des Grafen, der natürlich die Klarinette spielte. Die erste öffentliche Aufführung fand in einem Konzert am Ostermontag, den 16. April 1827 in Wien statt, heute vor 196 Jahren.
Hören wir auf der Klassikliste das beschwingte Andante aus dem Oktett F-Dur D 803 von Franz Schubert. Es spielt das wunderbare Nash Ensemble aus London – 12 Minuten wahre Sonntagsmusik! Auf der Ergänzungsliste findet sich wieder das gesamte Werk.
In #35 haben wir bereits ein Impromptu von Franz Schubert (1797–1828) gehört, und da unser Sohn gerade ein anderes übt, folgt heute auf der Klassikliste auch dieses: das Impromptu As-Dur op. 142 Nr. 2 D 935 mit seinem wunderbaren Thema. Es spielt die japanisch-britische Pianistin Mitsuko Uchida.
Schubert hat übrigens acht Impromptus komponiert, vier in der ersten Sammlung op. 90 im Herbst 1827 und vier in der zweiten Sammlung op. 142 gleich im Dezember darauf. Die acht Stücke sind überaus beliebt und werden häufig sowohl von Schülern als auch auf großer Bühne aufgeführt.
Einen kalten, verregneten Herbsttag wie heute stelle ich mir vor, wenn ich das Lied „Herbst“ von Franz Schubert (1797–1828) höre. Im schwermütigen Text von Ludwig Rellstab (1799–1860) welken zuerst „die Blüten des Lebens“, dann „sinkt die Hoffnung“ und zuletzt „sterben die Rosen des Lebens dahin“. Der Herbst wird hier seiner üblichen Todes-Symbolik gerecht.
Und tatsächlich: Vertont hat Schubert das Gedicht im April 1828 zusammen mit anderen Texten von Rellstab – und ahnte nicht, dass er im Herbst selbst schon sterben würde. Er erlag gestern vor 194 Jahren dem Typhus, einer Infektionskrankheit mit extremem Fieber. Übrigens hat Schubert die Textvorlage vermutlich in Beethovens Nachlass gefunden, dem Rellstab seine Gedichte im Manuskript geschickt hatte.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste das Lied „Herbst“ D 945 gesungen von Christian Gerhaher und begleitet von Gerold Huber.
Vor 200 Jahren hat der 25-jährige Franz Schubert (1797–1828) die ersten zwei Sätze einer Sinfonie komponiert, die Partitur dazu fein säuberlich notiert, Skizzen für den 3. Satz angefertigt – und dann aufgehört. Man nennt ein nicht fertiggestelltes Werk Fragment, vermutlich haben alle Dichter und Komponisten Fragmente hinterlassen. Es gibt viele Spekulationen darüber, aus welchen Gründen Schubert die Sinfonie nicht fertig komponiert haben könnte – wir werden es nie erfahren. Unklar ist auch, warum Schubert die Partitur einem Freund gegeben hat, der eine große „Geheimniskrämerei“ daraus gemacht und sie erst Jahrzehnte später herausgegeben hat (Steinbeck). So kam es, dass dieses Sinfonie-Fragment erst 1865, also 37 Jahre nach Schuberts Tod, in Wien uraufgeführt wurde, weshalb sie auch manchmal als 8. Sinfonie gezählt wird.
Zwar wird sie „Die Unvollendete“ genannt, aber sie ist ein wahres Meisterwerk der romantischen Sinfonik. Das seltene h-Moll gilt als Tonart der „stillen Erwartung des Schicksals und der Ergebung in die göttliche Fügung“, was zu Schuberts „Niedergeschlagenheit und seiner Sehnsucht nach Erlösung“ passt, über die er selbst in einer Erzählung geschrieben hat.
Hören wir heute auf der Klassikliste also den berühmten 1. Satz aus der Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 von Franz Schubert mit dem bekannten Anfangsthema der Kontrabässe und Celli. Es spielt das Concertgebouworkest unter Leitung von Leonard Bernstein. Auf der Ergänzungsliste gibt es die gesamte Sinfonie.
Übrigens habe ich diesen Satz im Leistungskurs analysiert, vor 30 Jahren als TV-Aufführung live beim Staatsakt für Willy Brandt von den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado im damaligen Reichstagsgebäude gehört, und heute spiele ich sie selbst mit dem örtlichen Jugendorchester als Aushilfe in der Posaune.
Heute vor 107 Jahren kam in Schytomyr Svjatoslaw Teofilowitsch Richter (1915–1997) auf die Welt, der einer der bedeutendsten Pianisten des 20. Jahrhunderts werden sollte. Wir haben ihn bereits in #8 und #11 kennengelernt. Schytomyr in der heutigen Ukraine liegt 140 km westlich von Kiew, gehörte früher zu Litauen, später zu Polen-Litauen und kam 1793 zum Russischen Zarenreich. Die Stadt war nicht nur während der Oktoberrevolution 1917 umkämpft. Während des 1. Weltkriegs besetzte das Deutsche Heer 1918 die Stadt, und auch im 2. Weltkrieg gab es verlustreiche Kämpfe zwischen der Deutschen Wehrmacht und der Roten Armee.
Richter stammte aus einer deutsch-russischen Kaufmannsfamilie. Sein Vater war allerdings Kantor und wurde im 2. Weltkrieg von Stalins Leuten als angeblicher deutscher Spion erschossen. Richter war schon mit 15 Jahren Korrepetitor am Opernhaus in Odessa. Vier Jahre später debütierte er als Pianist. Er musste nach Moskau fliehen, wo er am Konservatorium studierte. Er lernte Sergei Prokofjew kennen und übernahm die Uraufführungen von dessen Klaviersonaten. Ab 1960 durfte er auf der ganzen Welt konzertieren, so in den USA und in Europa. Richter beherrschte das gesamte Repertoire von Bach bis ins 20. Jahrhundert und war berühmt für sein weiches, poetisches Spiel.
Er machte auch gern Kammermusik. So begleitete er 1977/78 den Bariton Dietrich Fischer-Dieskau (1925–2012) bei einem Schubert-Programm. Hören wir auf der heutigen Klassikliste daraus das Lied Im Frühling D 822. Der Text stammt von Ernst Schulze, die Musik von Franz Schubert.
1978 wurde übrigens nicht nur die Schallplattenaufnahme gemacht, es gibt von sechs Liedern auch eine TV-Aufnahme. Das Video ist inzwischen auf Youtube zu finden: https://www.youtube.com/watch?v=MHmzzu4FAnM
Zwei der größten Musiker des 20. Jahrhunderts einträchtig beisammen – welch eine Kostbarkeit!
Franz Schubert (1797–1828) ist leider nur 31 Jahre alt geworden, er starb vermutlich an Typhus, einer Infektionskrankheit, die man damals Nervenfieber nannte. In seiner kurzen Lebenszeit hat er unglaublich viel komponiert. Weltbekannt sind seine Lieder, denn Schubert hat um die 600 Gedichte vertont – einen ganzen Kosmos menschlicher Empfindungen – und damit auf romantische Weise Lyrik und Musik verbunden. Diese Gattung wird Kunstlied und im Ausland sogar Lied genannt. Solche Lieder hat Schubert im Freundeskreis zur Unterhaltung vorgespielt und selbst gesungen.
Bestimmte Lieder hat Schubert in einem Liederzyklus zusammengefasst. Der bedeutendste davon ist die „Die Winterreise“, die aus 24 traurigen Lieder über den Winter, die Einsamkeit und den Tod besteht. Auf der Klassikliste hören wir heute daraus die Nr. 5 „Der Lindenbaum“ auf ein Gedicht von Wilhelm Müller (1794–1827) mit dem berühmten ersten Vers „Am Brunnen vor dem Tore“. Vor dem Hintergrund eines Lindenbaums setzt sich darin ein lyrisches Ich mit seiner Todessehnsucht auseinander. Dieses typisch romantische Gedicht sollte man im Deutschunterricht einmal behandelt haben.
Es singt Christian Gerhaher, der als bester Bariton der Gegenwart gilt, am Klavier begleitet Gerold Huber.
Heute vor 223 Jahren wurde in Wien Franz Schubert geboren, der älteste der drei großen frühen deutschen Romantiker, denen wir unfassbar schöne Musik verdanken. Er kam als 13. von zwanzig Kindern auf die Welt. Bereits mit fünf erhielt er Geigenunterricht, mit sieben Orgelunterricht, als Elfjähriger wurde er als Sängerknabe in die Wiener Hofmusikkapelle aufgenommen, mit sechszehn komponierte er die erste Sinfonie, mit siebzehn die erste Oper.
Auf der Klassikliste hören wir heute eines seiner bekanntesten Klavierwerke, das Impromptu Nr. 4 As-Dur D 899, keine strenge Sonate, sondern ein kurzes Fantasiestück der Form A–B–A. Wir hören Grigory Sokolov in einer Live-Aufnahme, einen der bedeutendsten lebenden Pianisten. Unsere Klavierlehrerin schätzt ihn sehr, er hat eine fantastische Anschlagskultur. Von derselben CD findet man auf der Ergänzungsliste von Schuberts Drei KlavierstückenD 946 die Nr. 2 Allegretto Es-Dur, auch ein Impromptu. Beide Stücke hat unsere Tochter am Ende ihres Klavierunterrichts gespielt.
