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Der fran­zö­si­sche Kom­po­nist Paul Dukas (1865–1935) ist in erster Li­nie für ein ein­zi­ges Stück be­kannt, und das ist ein wahrer Genie­streich: die Ver­tonung von Goethes be­rühm­ter Bal­lade „Der Zauber­lehr­ling“, in der ein Lehr­ling – als der „alte Hexen­meister“ außer Hau­se ist – seine Zauber­künste er­probt und großes Un­heil an­rich­tet. Er be­fiehlt einem Be­sen, mit einem Ei­mer Was­ser zu ho­len, hat aber die For­mel ver­ges­sen, um den Vor­gang wie­der zu be­en­den. Selbst als er den Be­sen mit ei­nem Beil in zwei Stücke hackt, lau­fen „beide Teile“ fort und ho­len Was­ser. Dukas’ „L’Apprenti sorcier“ ist ein feu­ri­ges Ge­mälde von Klang­farben und gilt als Meister­werk der Or­ches­trie­rung. Man hört, wie die Besen auf­stehen, wie das Was­ser „im Saal und auf den Stu­fen“ läuft und wie der Meister zurück­kehrt und dem Be­sen Ein­halt ge­bie­tet. Auch wenn das Werk oft als Orchester­scherzo be­zeich­net wird, ist es eine sin­fo­ni­sche Dich­tung. Ich habe es im Leistungs­kurs Musik als Muster­beispiel für Pro­gramm­musik kennen­ge­lernt.
Paul Dukas hat wie viele andere am Pariser Kon­ser­va­to­rium stu­diert und war später dort selbst Pro­fes­sor für Kom­po­si­tion. Er hat lei­der viele seiner Werke ver­nich­tet, wenn er mit ihnen nicht zu­frie­den war – so­gar eine ganze Sin­fonie –, so dass die Zahl der über­lie­fer­ten Wer­ke ge­ring ist. Heute jährt sich Dukas’ Ge­burts­tag zum 158. Male.
Hören wir ihm zu Ehren auf der Klassik­liste seinen „Zauber­lehr­ling“. Es spie­len die Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker unter Lei­tung James Levine.

Schon der 3. Ge­burts­tag der Klassikliste! Weiter­hin möch­te ich da­zu ein­laden, ein­mal in der Woche etwas Un­er­hör­tes zu hö­ren, nur um zu hö­ren und die Musik ganz auf­zu­nehmen. Ich prä­sen­tie­re be­deu­ten­de Wer­ke in Auf­nahmen von hoher akus­ti­scher Quali­tät, auf­wendig aus­ge­wählt, meist mit heraus­ra­gen­den Inter­pre­tinnen und Inter­pre­ten. Wenn ich acht­zig Jahre alt wür­de, könnte ich auf diese Wei­se über 1500 Musik­stücke präsen­tie­ren. Die er­läutern­den Kurz­texte würden dann un­ge­fähr 500 Sei­ten fül­len und – in die rich­ti­ge Reihen­fol­ge ge­bracht – eine Ge­schich­te der klas­si­schen Musik und ihrer Inter­pre­ten er­geben. Soll ich weiter­machen? Über einen Kom­men­­tar unten wür­de ich mich freuen…
Wie es üb­lich ge­wor­den ist, machen wir am Jahres­tag einen Aus­flug in die popu­läre Musik: Wieder gibt es eine Cover­ver­sion von Leo­nard Co­hens „Halle­lujah“, einem der ver­mut­lich meist­gecover­ten Songs über­haupt. Dies­mal singt es die kana­di­sche Singer-Song­write­rin Sarah McLach­lan ziem­lich lang­sam im Stile einer Bal­lade. Siehe #1, #54 und #107.

Heute wäre Diet­rich Fischer-Dieskau (1925–2012) 98 Jahre alt ge­wor­den. Er gilt als be­deu­tendster Konzert- und Opern­sänger des 20. Jahr­hun­derts und war mit einer phäno­me­na­len, extrem wand­lungs­fähi­gen Bari­ton­stimme ge­seg­net. Und so hat er al­les ge­sun­gen, was man in der klas­si­schen Welt als Bari­ton sin­gen kann. Neben den welt­wei­ten Opern­auf­trit­ten war er vor allem ein großer Lied­sänger. Sein Re­per­toi­re um­fass­te über 3000 Lieder von hun­dert Kom­po­nis­ten. Eine Gesamt­­aus­gabe von sämt­li­chen Lieder-Auf­nah­men Fischer-Dies­kaus um­fasst 107 CDs. Wir haben ihn be­reits in #94, #95, #99 und #104 ge­hört und werden noch eini­ges von ihm hör­en.
Auf der Klassik­liste gibt es heu­te Diet­rich Fischer-Dies­kau mit der Bal­la­de „Hein­rich der Vogler“ op. 56 Nr. 1 von Carl Loewe (1796–1869), be­glei­tet von Jörg De­mus. In­halt der Bal­la­de ist die hüb­sche Le­gen­de von Her­zog Hein­rich von Sachsen (876–936), mit Bei­namen der Vogler. Die Fürs­ten des Deutschen Reichs sol­len ihn ge­sucht und beim Vogel­fang ge­fun­den ha­ben, wie er da­mals auch in Deutsch­land üb­lich war, um ihm mit­zu­tei­len, dass er in Ab­wesen­heit zum König ge­wählt wor­den sei. Wäh­rend sich Hein­rich zu­vor über die ver­massel­ten Vogel­jagd ge­är­gert hat, dankt er nun Gott für den „guten Fang“ – be­rüh­rend, wie Fischer-Dies­kau die­sen Schluss ge­stal­tet.
Für meine Frau und mich ist das eine schöne Er­inne­rung, denn diese Bal­la­de stand in unserem Musik­buch der 5. Klasse, und wir beide haben sie im Unter­richt bei Herrn Borrocco und Herrn Engel­hardt aus­führ­lich be­han­delt – und da­bei ver­mut­lich auch schon die Auf­nahme von Fischer-Dies­kau ge­hört.