Weihnachten ist ein riesiges Geschäft, auch für die Musikindustrie. Seit Jahrzehnten verkaufen sich Schallplatten und CDs mit Weihnachtsmusik offenbar hervorragend. Jedes Jahr erscheinen zahllose Weihnachtsplatten namhafter Sängerinnen und Sänger sowie Ensembles und Bands aller Arten. Darauf sind vielfältige Arrangements, von gutgemeint über kitschig bis vollkommen misslungen. Nur eins findet man fast nicht: Einspielungen der Advents- und Weihnachtslieder in ihrer ursprünglichen Gestalt, ohne seltsame Vorspiele, irritierende Begleitungen, harmonische Veränderungen oder sonstige krude Einfälle.
Wir probieren es heute trotzdem mit „Lasst uns froh und munter sein“, einem relativ jungen Nikolauslied aus dem 19. Jahrhundert. Vermutlich ist der Theologe und Pädagoge Josef Annegarn (1794–1843) der Verfasser des Liedes, aber gesichert ist das nicht.
Auf der Klassikliste hören wir eine hübsche Version von Eva & Erik mit dem Schneeflöckchenchor, die aber auch nicht ohne Hall ausgekommen ist. Auf die Ergänzungsliste stelle ich eine besonders groteske Version.
Würde mir eine gute Fee drei Wünsche ganz für mich allein freigeben, dann würde ich mir wünschen, dass ich einen Tag lang so singen könnte wie Fritz Wunderlich (1930–66) mit seiner wunderbaren Stimme und seiner herrlichen, intuitiven Musikalität. Er gilt als einer der größten Sänger, die je gelebt haben, und ist noch immer Vorbild für viele Sängerinnen und Sänger.
Und dann würde ich auch die Arie „Komm, o holde Dame“ singen. Sie stammt aus der Opéra-comique „La dame blanche“ („Die weiße Dame“) von François-Adrien Boieldieu (1775–1834). Im Zentrum steht die weiße Dame, ein vermeintliches Schloßgespenst, das sich am Schluss als Pflegetochter des betrügerischen Verwalters entpuppt. Die Oper wird heute fast nicht mehr aufgeführt, aber die Tenorarie ist berühmt und wird nach wie vor gesungen.
Heute vor 60 Jahren war Fritz Wunderlich im Studio und hat die Arie mit ihrer langsamen Einleitung und dem furiosen Finale aufgenommen. Und anders als im Notentext geht Wunderlich in der zentralen Koloratur aufs hohe C hinauf.
Wir hören heute auf der Klassikliste also die Arie Arie „Viens, gentille dame“ aus „La dame blanche“ von Boieldieu. Es singt Fritz Wunderlich, begleitet vom Bayerischen Staatsorchester unter Leitung von Hans Müller-Kray.
Einen kalten, verregneten Herbsttag wie heute stelle ich mir vor, wenn ich das Lied „Herbst“ von Franz Schubert (1797–1828) höre. Im schwermütigen Text von Ludwig Rellstab (1799–1860) welken zuerst „die Blüten des Lebens“, dann „sinkt die Hoffnung“ und zuletzt „sterben die Rosen des Lebens dahin“. Der Herbst wird hier seiner üblichen Todes-Symbolik gerecht.
Und tatsächlich: Vertont hat Schubert das Gedicht im April 1828 zusammen mit anderen Texten von Rellstab – und ahnte nicht, dass er im Herbst selbst schon sterben würde. Er erlag gestern vor 194 Jahren dem Typhus, einer Infektionskrankheit mit extremem Fieber. Übrigens hat Schubert die Textvorlage vermutlich in Beethovens Nachlass gefunden, dem Rellstab seine Gedichte im Manuskript geschickt hatte.
Hören wir auf der heutigen Klassikliste das Lied „Herbst“ D 945 gesungen von Christian Gerhaher und begleitet von Gerold Huber.
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