Heute vor 236 Jahren wurde in Prag Mozarts Oper Il dissoluto punito ossia Il Don Giovanni KV 527 (dt. Der bestrafte Wüstling oder Don Giovanni) mit riesigem Erfolg uraufgeführt. Don Giovanni ist ein Meisterwerk in allen Belangen und wird immer wieder als „Oper aller Opern“ bezeichnet. Durch die Mischung verschiedener Stile, den Verstoß gegen damalige Konventionen und insbesondere die unstandesgemäße Behandlung des Personals erreicht Mozart eine „durchgängige Mehrdeutigkeit“, die vielfältige Interpretationen ermöglicht und zu einer nicht enden wollenden Auseinandersetzung herausfordert. So gibt es von Don Giovanni unzählige Bücher, Aufnahmen und Verfilmungen.
Die Handlung ist eigentlich grausig: In vielen Büchern wird Don Giovanni beschönigend als Frauenheld bezeichnet, heute würde man eher von einem Sexualstraftäter sprechen, der in gewissenloser, krankhafter Weise Frauen nachstellt und dabei am Vater von Donna Anna, dem Komtur, sogar einen Mord begeht. Es kommt zu einer fantastischen Szenenfolge mit Intrigen und Verwechslungen, in der die gesamte Gesellschaft auf den Kopf gestellt und die Grenze zwischen Tragödie und Komödie ständig überschritten wird. Beeindruckend ist der doppelte Schluss, wo Don Giovanni vom Geist des Komturs in einer hochdramatischen Szene zunächst für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen wird und zur Hölle fährt – worauf unmittelbar in Dur der heitere Komödienschluss mit seiner beruhigenden Moral folgt.
In #71 haben wir bereits den charmanten Don Giovanni im Liebesduett mit Zerlina kennengelernt, heute hören wir auf der Klassikliste die berühmte Champagner-Arie „Fin ch’han da vino“, in der Don Giovanni von Mozart als sinnenfroher, völlig maßloser und dämonisch getriebener Charakter vorgestellt wird, der er in halsbrecherischer Geschwindigkeit seinem Diener Leporello Anweisungen für ein Fest gibt, das noch am selben Abend stattfinden soll. Wir hören den norwegischen Bariton Johannes Weisser als Don Giovanni, begleitet vom Freiburger Barockorchester unter Leitung des belgischen Dirigenten René Jacobs.

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