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Heute soll eine tiefe Männer­stim­me zu Gehör kommen: Ein hoher Bass wird oft als Basso can­tan­te be­zeich­net, als singen­der Bass. Die berühm­tes­te Rol­le in diesem Stimm­fach ist vermut­lich der Don Gio­van­ni aus der gleich­nami­gen Oper von Wolf­gang Amadé Mozart (1756–1791). Der groß­spurige und skrupel­lose Weiber­held ban­delt in dem berühm­ten Duett „Là ci darem la mano“ (dt. „Reich mir die Hand, mein Leben“) auch mit der be­reits ver­gebenen Bäue­rin Zer­lina an, die sich ihm nicht zu wider­setzen ver­mag.
Auf der heu­ti­gen Klassik­liste ist dieses Duett in einer Auf­nahme aus dem Jahre 1978 zu hören. Es singen der Italie­ner Ruggero Rai­mon­di, der heute seinen 80. Geburts­tag feiert, und die Spanierin Tere­sa Ber­gan­za. Ludwig van Beet­hoven hat über diese Melo­die übri­gens Varia­tionen ge­schrie­ben, die Varia­tionen über „Là ci darem la mano“ für zwei Oboen und Englisch­horn WoO 28, die auf der Ergänzungs­liste vom groß­artigen Ensemble Zerfiro zu hören sind. Und davon gibt es zahl­reiche Be­arbei­tungen – auch eine für Streich­orchester, die unser Sohn aktuell im Jugend­orchester spielt.

Weil sich ihr Todes­tag jährte, habe ich mich in die­ser Woche wieder ein­mal zu der groß­arti­gen Sänge­rin Maria Callas (1923–1977) hin­ge­zo­gen ge­fühlt, die als größte Opern­sänge­rin al­ler Zei­ten gilt, weil sie eine un­fass­bare Aus­drucks­kraft und Bühnen­prä­senz be­saß. Sie soll ihre Rol­len in­tui­tiv er­fasst und ihre Fi­gu­ren mit einer atem­be­rauben­den emo­tio­na­len In­tensi­tät ver­kör­pert ha­ben. Da­bei hat­te sie eine gigan­ti­sche Stim­me, die zwar nicht makel­los oder natur­schön, aber sehr facetten­reich war und es ihr er­laubte, Rol­len aus ver­schie­de­nen sog. Stimm­fächern zu sin­gen, was nur we­ni­gen Sänge­rin­nen ge­ge­ben ist. Schon zu Leb­zei­ten wur­de sie da­her als „Prima­donna asso­luta“ be­zeich­net. Wir werden noch eini­ges von ihr hö­ren.
Auf der Klassik­liste hö­ren wir heu­te die be­kannte Arie „O mio babbino caro“ („O mein lieber Papa“) aus der Oper Gianni Schicchi von Giacomo Puccini (1858–1924). Da­rin bittet Lau­retta, ihren ge­lieb­ten Rinuccio hei­raten zu dür­fen. Den Text gibt es hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/O_mio_babbino_caro
Die Video-Aufnahme einer kon­zer­tan­ten Auf­führung (Paris, 1965) ist ein Doku­ment ihrer voll­ende­ten Kunst: https://www.youtube.com/watch?v=l1C8NFDdFYg

Unser Sohn hat in der zurück­liegen­den Woche viel für die Inter­nationa­le Meister­singer-Aka­de­mie in Neu­markt ge­arbei­tet. Hier nehmen Nach­wuchs-Opern­sänger sog. Meister­kurse bei re­nom­mier­ten Do­zen­ten, dies­mal war z. B. die schwe­di­sche Star-Mezzo­sopra­nis­tin Anne Sofie von Otter da. Mehre­re Sänge­rin­nen ha­ben unter ande­rem die sehr be­kann­te Arie Voi che sapete aus der Oper Die Hoch­zeit des Figaro von Wolf­gang Amadé Mozart ein­studiert, beispiels­weise Vale­rie Eick­hoff:
https://www.youtube.com/watch?v=sUcT-QUlLLE&t=523s
Auf der Klassik­liste hö­ren wir heu­te die wunder­bare und viel­fach aus­ge­zeich­ne­te nieder­län­di­sche Sänge­rin Elly Ameling (geb. 1933), die diese Arie un­ver­gleich­lich schön singt. Es be­glei­tet das English Chamber Orches­tra unter Lei­tung von Edo de Waart. Auf der Ergänzungs­liste gibt es die­selbe Arie, diesmal von der Do­zen­tin Anne Sofie von Otter (geb. 1955) selbst ge­sungen. Die Rol­le des Cherubino im Figaro wird übri­gens dem Stimm­fach lyrischer Mezzo­sopran zu­gs­chrie­ben, der über eine warm tim­brier­te Stim­me mit einer reichen Mittel­lage und einer sicheren, far­bi­gen Höhe ver­fügen muss.