Heute kommen wir auf der Klassikliste zur ersten Komponistin, und ihr Name dürfte nur Experten bekannt sein: Dora Pejačević (1885–1923) wurde als Tochter eines kroatischen Grafen geboren, dem späteren Ban (dt. Vizekönig) im Banat Kroatien-Slawonien. Ihre Mutter war Sängerin und Pianistin. Dora erhielt privaten Klavier- und Violinunterricht bei sehr guten Lehrern, und „als klar wurde, dass Doras Befassung mit der Musik über den Rahmen des aristokratischen Zeitvertreibs hinausgeht, wurde ihr seitens der Familie die musikalische Weiterbildung im Ausland ermöglicht“ (Karoljka Kos), ab 1907 vor allem in Dresden und München, und eben auch in Komposition. Erste Werke führte sie selbst auf, zunehmend wurden ihre Werke aber über Salons hinaus auch öffentlich aufgeführt. Pejačević pflegte Kontakte zu Dichtern, emanzipierte sich zunehmend von ihrer adeligen Herkunft und versuchte, als freie Künstlerin zu leben. Sie komponierte Lieder, viel Klavier- und Kammermusik, ein Klavierkonzert und eine Symphonie. 1921 heiratete sie in München und starb tragischerweise 37-jährig kurz nach der Geburt ihres Sohnes an einer Blutvergiftung – genau heute vor 100 Jahren.
Hören wir zu ihrem Andenken heute auf der Klassikliste den Finalsatz aus der Sonate D-Dur für Violine und Klavier op. 26 von Dora Pejačević, die als „Durchbruch zur Meisterschaft“ gilt (K. Kos). Es spielen der Ukrainer Andrej Bielow und Oliver Triedl. Auf der Ergänzungsliste finden sich zwei herrliche Lieder, durch die ich 2009 auf SWR2 auf Dora Pejačević aufmerksam wurde.
Übrigens kommt am Donnerstag, den 9.3. der Dokumentarfilm „DORA – Flucht in die Musik“ über das Leben dieser bemerkenswerten Künstlerin in die Kinos, Prädikat: „besonders wertvoll“, hier der Link zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=QvNUlwXZxds
