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Dass Felix Men­dels­sohn Bar­thol­dy (1809–1847) Kapell­meister des Gewand­haus­orches­ters in Leip­zig war, wis­sen wir schon, siehe #89. Als solcher hat er 1839 vom Rat der Verlags­stadt Leip­zig den Auf­trag er­hal­ten, an­läss­lich der Vier­hundert­jahr­feier der Buch­drucker­kunst ein sin­fo­ni­sches Werk mit Chor zu schrei­ben. Ganz in der Tra­di­tion Bachs, aber im roman­ti­schen Stil hat Mendels­sohn eine große sin­fo­ni­sche Kan­ta­te auf ver­schie­de­ne Texte der Bibel kom­po­niert, die die Über­win­dung der Dunkel­heit und die Hin­wen­dung zum gött­li­chen Licht the­ma­ti­sie­ren. Diese Kan­ta­te wurde heu­te vor 183 Jahren in einem Fest­konzert in der Thomas­kirche mit großem Er­folg ur­auf­ge­führt und war fort­an Men­dels­sohns popu­lärs­tes Werk. Wegen seiner lan­gen sin­fo­ni­schen Ein­lei­tung wurde das Werk nach seinem Tod fälsch­lich als Sin­fo­nie ein­ge­ord­net und als „ver­un­glück­te Imi­ta­tion der Neun­ten Sym­phonie“ Beet­hovens kriti­siert. Aber das ist ein Miss­ver­ständ­nis, das heu­te weit­gehend korri­giert ist.
Hören wir auf der heuti­gen Klassik­liste das herr­liche Duett „Ich harrete des Herrn“ aus Mendels­sohns „Lobgesang“ op. 52. Es singen Lucy Crowe und Jurgita Adamonyté, be­glei­tet vom Lon­don Sym­phony Orchester unter Lei­tung von Sir John Eliot Gar­di­ner. Auf der Ergänzungs­liste findet sich die gesamte Kan­ta­te (ohne sin­fo­ni­sche Ein­lei­tung) – sehr tröst­liche Musik, die auf­rich­ten und stär­ken kann, wenn es einem ein­mal schlecht geht.

Heute vor 230 Jahren ist Wolf­gang Amadé Mozart (1756–1791) in Wien im Alter von knapp 36 Jahren an „hitzi­gem Friesel­fieber“ ver­stor­ben. Er war einer der größ­ten Musi­ker und Musi­kan­ten, die in unse­rem Kul­tur­kreis je ge­lebt ha­ben – ein wahres Genie, das in allen musi­ka­li­schen Be­rei­chen un­sterb­liche Meister­werke ge­schaf­fen hat, ge­segnet mit un­fass­barer Musi­ka­li­tät, un­er­schöpf­lichem Ein­falls­­reich­tum und un­er­müd­licher Schaffens­kraft. Die Medi­zin war da­mals noch nicht ent­wickelt, die Hygie­ne schlecht, auch als Er­wachse­ner konnte man an einer Infek­tion jeder­zeit ster­ben.
Mozart starb, während er eine Toten­messe kom­ponier­te, die Graf Franz von Wals­egg in Auf­trag ge­ge­ben hat­te. Eine solche Mes­se wird auch Requiem ge­nannt, und zwar nach dem la­tei­ni­schen Text­beginn: „Requiem aeter­nam dona eis, Domi­ne, / et lux per­pe­tua lu­ce­at eis.“ dt. „Herr, gib ihnen die ewi­ge Ruhe, / und das ewi­ge Licht leuch­te ihnen.“ – was sich natür­lich auf die Ver­stor­be­nen be­zieht. So be­ginnt der In­troi­tus, der sog. Eingangs­gesang, und ich finde, dass Mozart hier musi­ka­lisch den Über­gang der Seele von der irdi­schen in die geis­ti­ge Welt ge­stal­tet hat.
Auf der Klassik­liste hören wir heu­te also den In­troi­tus aus dem Requiem KV 626 von Wolf­gang Amadé Mozart. Es singt der Monte­verdi Choir, es spielen die English Baroque Solo­ists unter Lei­tung von Sir John Eliot Gardi­ner. Auch danach be­steht das Requiem aus Musik von großem Ernst und be­rühren­der Schön­heit, wie auf der Ergänzungs­liste zu hören. Zu Nicht-Pande­mie-Zeiten führen viele Chöre am 5. Dezember Mozarts Requiem auf – ich wünsche jedem eine Ge­legen­heit, ein­mal mit­zu­singen.
Und noch etwas: 1984 wurde Amadeus ge­dreht, ein be­rühm­ter Mozart-Film, der mich da­mals sehr fas­zi­niert hat. Der Hof­kapell­meister Anto­nio Salie­ri be­schreibt das Leben Mozarts, sei­nes genialen Kontra­henten. Darin gibt es eine Szene, in der Mozart schwer­­krank das Con­­fu­ta­­tis aus dem Re­quiem kom­po­niert und – völlig frei erfunden – Salieri die Noten dik­tiert. Sechs Minu­ten fas­zi­nie­ren­der Film zei­gen, wie wir mo­der­nen Men­schen uns den Schaffens­prozess ei­nes Genies im 18. Jahr­hundert vor­stel­len:
https://www.youtube.com/watch?v=USe-wZ0AOQQ Eine brillan­te Szene!