Während Bruckners und Mahlers Sinfonien am Ende der Entwicklung dieser großen orchestralen Gattung stehen, gilt Joseph Haydn (1732–1809) als Schöpfer der klassischen Sinfonie. Seit einigen Jahren arbeiten verschiedene Orchester und Dirigenten daran, rechtzeitig zum 300. Geburtstag eine Gesamteinspielung aller über 100 Sinfonien Haydns vorlegen zu können. So haben die Heidelberger Sinfoniker gerade im Januar wieder vier CDs mit 15 weiteren Sinfonien herausgebracht.
Es ist höchst interessant zu hören, dass Haydn in den 1750er und 1760er Jahren sehr oft mit formalen, harmonischen und klanglichen Möglichkeiten experimentiert und so über die Jahre zu der Meisterschaft gefunden hat, die seine Londoner Sinfonien 40 Jahre später manifestieren. Hören wir heute auf der Klassikliste den 1. Satz aus der Sinfonie Nr. 72 D-Dur aus dem Jahr 1763, wo die Hörner gleich zu Beginn so herrlich trillern dürfen. Es spielen die Heidelberger Sinfoniker unter Leitung von Johannes Klumpp. (Sie ist eine eher frühe Sinfonie, denn man beachte, dass die Nummerierung der Sinfonien Haydns nur wenig mit der Reihenfolge ihrer Entstehung zu tun hat.) Auf der Ergänzungsliste findet man wieder die gesamte Sinfonie.
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Nach der Elise wird’s heute und am nächsten Sonntag laut, denn wir kommen zur größten Gattung der Orchestermusik zurück, der Sinfonie. Am 20. Februar 1881, heute vor 141 Jahren, führten die Wiener Philharmoniker zum ersten Mal die 4. Sinfonie in Es-Dur des österreichischen Komponisten Anton Bruckner (1824–1896) auf. Die Uraufführung war überaus erfolgreich, das Publikum verlangte ihn nach jedem Satz auf die Bühne. Ein Kritiker schrieb: „Es ist ein solcher Strom von Empfindungen in seinem Werke, und eine Idee drängt so die andere, daß man den Reichtum seines Geistes wahrhaft bewundern muß […].“
Wir hören auf der Klassikliste den 1. Satz „Bewegt, nicht zu schnell“ mit der berühmten Einleitung: Über dem Es-Dur-Tremolo der Streicher im Pianissimo erklingt der viermalige Ruf des Solo-Horns – da bekommt jeder Hornist Schweiß zwischen den Fingern. Daraus entwickelt sich das 1. Thema im Fortissimo mit dem charakteristischen Gegensatz von Duole und Triole. Im Kontrast dazu steht das 2. Thema, das den zarten Gesang der Kohlmeise imitiert. Wir hören Aufnahme von Marek Janowski mit dem Orchestre de la Suisse Romande aus dem Jahr 2013. Und welch ein majestätischer Schluss der Hörner!
