Beiträge

Heute vor 350 Jah­ren starb Hein­rich Schütz (1585–1672) im hohen Alter von 87 Jah­ren in Dres­den. Er war der be­deu­tends­te deut­sche Kom­po­nist des Früh­barock und zu­gleich der äl­tes­te der „drei großen Sch“, siehe #88. Seine Musi­ka­li­tät wurde früh ent­deckt, und spä­ter schick­te ihn der Land­graf von Hes­sen-Kas­sel zu einem drei­jäh­ri­gen Stu­di­um an den Markus­dom in Ve­ne­dig zum be­rühm­ten Gio­van­ni Ga­bri­e­li (1557–1612). Zurück­ge­kehrt wur­de er Kapell­meis­ter am Hof des Kur­fürs­ten von Sach­sen, ein Amt, das er durch die Wir­ren des Dreißig­jäh­ri­gen Krie­ges (1618–48) hin­durch letzt­lich immer be­hielt, bis seine Ge­suche auf Ver­setzung in den Ruhe­stand mit 71 Jah­ren end­lich er­hört wur­den.
Das Schütz-Werke-Verzeich­nis von Wer­ner Bit­tin­ger zählt um die 500 Wer­ke, weit über­wie­gend deutsche und la­tei­ni­sche Ma­dri­ga­le und Mo­tet­ten, teil­weise bis zu 12-stim­mig. Seine drama­ti­schen welt­li­chen Wer­ke wie Sing­spiele und Bal­let­te wur­den nie ge­druckt und gin­gen ver­loren.
Hören wir auf der Klassik­liste die doppel­chöri­ge Mo­tet­te „Herr, wenn ich nur dich habe“ SWV 280, die den zwei­ten Teil der be­kann­ten Musi­ka­li­schen Exe­quien vom 1636 bil­det. Es singt das En­semb­le La Cha­pelle Ro­yale un­ter Lei­tung von Phi­lip­pe Herre­weghe.
Übri­gens hat Schütz auf den­selben Text – näm­lich Psalm 73,25f. – auch ein so­ge­nann­tes Kleines Geist­liches Kon­zert für zwei Soprane, Tenor und Basso con­ti­nuo SWV 321 ge­schrie­ben, das ich zusammen mit meiner Gesang­leh­re­rin Andrea Boe­sen in der Stifts­kirche Tü­bin­gen sin­gen durf­te – ge­wiss ein Höhe­punkt in meiner sän­ge­ri­schen Kar­ri­ere. Dieses kur­ze Werk fin­det sich auf der Ergänzungs­liste.

Der schöns­te Hoch­zeits­marsch der „Klassik“ stammt aus der Schau­spiel­musik op. 61 von Felix Men­dels­sohn-Bar­thol­dy (1809–1847) zu William Shakes­peares Komödie Ein Sommer­nachts­traum. Die Melo­die ist welt­be­kannt, ein echter Genie­streich, jeder hat sie im Fern­sehen hundert­mal gehört. Es gibt sie in un­zäh­li­gen Be­arbei­tungen, auch für zwei Vio­li­nen, wie gestern ge­hört. Aber wer hat schon mal den ganzen Marsch gehört? Ein strah­len­des, mit­reißen­des Stück mit viel Trom­pe­ten­klang! Auf der Klassik­liste ist heute eine wunder­bare Ein­spie­lung des Orches­tre des Champs-Ély­sées unter der Lei­tung von Phi­lippe Herre­weghe zu hö­ren, von dem spä­ter noch die Re­de sein wird.
Der Sommer­nachts­traum ist übri­gens Shakespeares meist­ge­spiel­tes Theater­stück. Die märchen­hafte Komö­die spielt im anti­ken Athen und in einem an die Stadt an­gren­zen­den ver­zau­ber­ten Wald, um­fasst die er­zähl­te Zeit von drei Tagen und Näch­ten und han­delt von den Um­stän­den der Hoch­zeit eines Herr­scher­paares. Der Sommer­nachts­traum ist ein Werk der Welt­lite­ra­tur, in den eng­lisch­spra­chi­gen Län­dern ist es ein Klassi­ker für Schul- und Laien­theater­­in­sze­nie­run­gen. Wenn das Stück mal in einem Thea­ter in­sze­niert wird – da sollte man hin­gehen und es an­schauen!