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Camille Saint-Saëns (1835–1921) gilt als Wunder­kind: Als Zwei­ein­halb­jähri­ger lern­te er No­ten le­sen, sein erstes Klavier­stück ist mit „1839/22 mars“ datiert, da war Camille noch keine vier. Schon als Jugend­licher muss er sen­sa­tio­nell gut Klavier und Orgel ge­spielt ha­ben. Zu seinen Im­pro­vi­sa­tionen sind die großen Musiker der Zeit nach Paris ge­reist. Be­son­ders auf­fällig an seinen ca. 700 Werken aus allen Gat­tun­gen ist, dass sie kaum eine Ent­wick­lung seines Per­sonal­stils auf­weisen.
Zeit­lebens rich­te­te sich sein Inter­esse aber weit über die Musik hin­aus: Als Sieben­jähri­ger über­setzte er be­reits latei­ni­sche und grie­chi­sche Texte. Er ist Schrif­tsteller, als Grün­dungs­mit­glied der Société astro­no­mique de France inter­essiert er sich für die Er­forschung der Mars­kanäle, er ver­fasst philo­­sophische Essays, be­treibt bio­lo­gische, archäo­lo­gische, ethno­lo­gische, kunst- und lite­ratur­­wissen­­schaft­liche Stu­dien, und viele seiner Tau­sen­den von Brie­fen schmückt er mit Kari­ka­turen, Graphiken und Skiz­zen von Land­schaf­ten und Per­sonen (M. Stege­mann).
Wir hören heute auf der Klassik­liste den lang­samen Satz Poco Adagio der Symphonie Nr. 3 c-Moll von Saint-Saëns mit dem herr­lichen Solo von Horn und Po­saune und der Orgel als Be­glei­tung sowie der fantastischen Streicher­passage ab 6:35 min, die schon ganz nach Richard Strauss klingt. Als besonders hörens­wert gilt eine Auf­nahme des Bos­ton Sym­phony Orches­tra unter Lei­tung von Charles Münch von 1959 – dank des Digital Re­maste­ring heute in per­fekter Klang­qualität, vor allem auf Playlist bei qobuz. Mit guten Kopf­hörern kann man auch die ganz tiefen Töne der Orgel hören. Auf der Ergänzungs­liste gibt es die ge­samte Sin­fo­nie.
Übri­gens kann man das Werk heute auch live hören. Die Studenten­phil­harmonie Tübingen spielt es ab 11:15 Uhr in ihrem Sommer­kon­zert in der Neuen Aula in Tü­bingen.