Heute vor 154 Jahren war Karfreitag. Im Bremer Dom leitete Johannes Brahms am 10. April 1868 die Uraufführung eines Werks, an dem er über sieben Jahre hinweg gearbeitet hatte: 1861 stellte er Textstellen aus der Bibel in der Übersetzung Martin Luthers zusammen, die er darauf in mehreren Phasen vertonte. So entstand Ein deutsches Requiem nach Worten der Heiligen Schrift für Sopran- und Bariton-Solo, Chor und Orchester op. 45. Es ist ein Werk im protestantischen Geist, in dem der Trost der Hinterbliebenen im Mittelpunkt steht. Ursprünglich ist ein Requiem eine katholische Totenmesse in lateinischer Sprache für die verstorbenen Seelen, siehe #80. Insofern zählt Brahms’ Werk weniger zur Gattung Requiem als vielmehr zur evangelischen Mottete.
Die Aufführung in Bremen geriet „zu einem überwältigenden Triumph. Mehr als zweitausend Zuhörer waren anwesend, darunter viele der bedeutendsten Köpfe des deutschen Musiklebens“ (Martin Ennis). Damit gelang dem 35-jährigen Johannes Brahms (1833–97) schlagartig der Durchbruch. Seine Freundin Clara Schumann (1819–96) schrieb ihm, „daß ich ganz und gar erfüllt bin von Deinem Requiem, es ist ein ganz gewaltiges Stück, ergreift den ganzen Menschen in einer Weise wie wenig anderes.“ Und der Musikkritiker Eduard Hanslick schrieb: „Seit Bachs h-Moll-Messe und Beethovens Missa solemnis ist nichts geschrieben worden, was auf diesem Gebiete sich neben Brahms’ deutsches Requiem zu stellen vermag.“
Hören wir auf der Klassikliste den 2. Satz in b-Moll: „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“. Es singt der Monteverdi Choir in Begleitung des Orchestre Révolutionnaire et Romantique unter Leitung von John Eliot Gardiner. Auf der Ergänzungsliste ist das gewaltige Werk vollständig zu hören.
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Heute vor 230 Jahren ist Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791) in Wien im Alter von knapp 36 Jahren an „hitzigem Frieselfieber“ verstorben. Er war einer der größten Musiker und Musikanten, die in unserem Kulturkreis je gelebt haben – ein wahres Genie, das in allen musikalischen Bereichen unsterbliche Meisterwerke geschaffen hat, gesegnet mit unfassbarer Musikalität, unerschöpflichem Einfallsreichtum und unermüdlicher Schaffenskraft. Die Medizin war damals noch nicht entwickelt, die Hygiene schlecht, auch als Erwachsener konnte man an einer Infektion jederzeit sterben.
Mozart starb, während er eine Totenmesse komponierte, die Graf Franz von Walsegg in Auftrag gegeben hatte. Eine solche Messe wird auch Requiem genannt, und zwar nach dem lateinischen Textbeginn: „Requiem aeternam dona eis, Domine, / et lux perpetua luceat eis.“ dt. „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, / und das ewige Licht leuchte ihnen.“ – was sich natürlich auf die Verstorbenen bezieht. So beginnt der Introitus, der sog. Eingangsgesang, und ich finde, dass Mozart hier musikalisch den Übergang der Seele von der irdischen in die geistige Welt gestaltet hat.
Auf der Klassikliste hören wir heute also den Introitus aus dem Requiem KV 626 von Wolfgang Amadé Mozart. Es singt der Monteverdi Choir, es spielen die English Baroque Soloists unter Leitung von Sir John Eliot Gardiner. Auch danach besteht das Requiem aus Musik von großem Ernst und berührender Schönheit, wie auf der Ergänzungsliste zu hören. Zu Nicht-Pandemie-Zeiten führen viele Chöre am 5. Dezember Mozarts Requiem auf – ich wünsche jedem eine Gelegenheit, einmal mitzusingen.
Und noch etwas: 1984 wurde Amadeus gedreht, ein berühmter Mozart-Film, der mich damals sehr fasziniert hat. Der Hofkapellmeister Antonio Salieri beschreibt das Leben Mozarts, seines genialen Kontrahenten. Darin gibt es eine Szene, in der Mozart schwerkrank das Confutatis aus dem Requiem komponiert und – völlig frei erfunden – Salieri die Noten diktiert. Sechs Minuten faszinierender Film zeigen, wie wir modernen Menschen uns den Schaffensprozess eines Genies im 18. Jahrhundert vorstellen:
https://www.youtube.com/watch?v=USe-wZ0AOQQ Eine brillante Szene!
